Anhaltende Auseinandersetzungen
 

Anhaltende Auseinandersetzungen

Die Debatte um die Freigabe des Fotografengewerbes geht weiter. Der Verein für freie Digitalfotografie fürchtet die Verhinderung der Novelle durch die Spitzen der Koalitionsparteien im Wirtschaftsausschuss.

Die Forderungen um die Freigabe des Fotografengewerbes wurden bereits im Mai des Jahres immer lauter. "Wir fordern den freien Gewerbezugang wie eben bei Werbeagenturen, Grafikern,Webdesigner und Fallschirmherstellern und vermehrtes investieren in die Ausbildung wie zum Beispiel in die Grafische und in die Angewandte wo im Moment 90 Prozent aller Bewerber mangels Geldabgewiesen werden müssen", erklärte Jürg Christandl, Fotograf und Initiator einer Online-Petition der Novelle gegenüber HORIZONT. Rund 10.000 Unterschriften hatte die Arbeitsgruppe für die Deregulierung sammeln können. Bis 18. Mai lief zudem die Begutachtungsfrist um die Novelle der Gewerbeordnung. Mit Entschluss im Nationalrat würde die Änderung den Entfall des Paragraphen 94 bedeuten, und somit ein Befähigungnachweis für Fotografen hinfällig sein, so Christandl weiter.

Wie es von Seiten des Wirtschaftsministerium hieß würden zudem die Chancen um die Freigabe durchaus gut stehen. Zu einem Abschluss sollte es noch vor der Regierungssommerpause kommen, hieß es gegenüber HORIZONT Ende Mai weiter. Der Verein für freie Digitalfotografie befürchtet nun allerdings, dass die Freigabe des Gewerbes noch vor dem Wirtschaftsausschuss am 18. Juni "durch skandalöse Absprachen einiger Nationalräte torpediert werden könnte". Die unabhängige Arbeitsgruppe vermutet dahinter eine Absprache zwischen Christoph Matznetter (SPÖ) und Konrad Steindl (ÖVP). Matznetter: "Ich bin für die Öffnung des Gewerbes und für die Schaffung eines niederschwelligen Zugangs für all jene, die diesen Beruf ausüben wollen. Aber ich bin gegen eine völlige Deregulierung, denn damit wird der Beruf ganz einfach abgeschafft. Wenn es eine Lehre aus der Krise zu ziehen gibt, dann die, dass völlige Deregulierung nirgends funktioniert, weder auf Märkten, noch bei Berufen. Vor diesem Hintergrund ist es für mich sehr verwunderlich, dass sich neoliberale Kräfte bei der Grünen Wirtschaft entfalten, die langfristige Auswirkungen nicht bedenken."

Der Verein ließ hingegen via Aussendung wissen: "Geht es nach den beiden Herren, bleibt alles wie es ist, wie auch bisher soll es nach fünd Jahren Berufserfahrung möglich sein, das Gewerbe legal anzumelden. So steht es aber bereits jetzt in Punkt drei der Zugangsvoraussetzungen für das Gewerbe des Berufsfotografen." Nach Meinung des Verwaltungsrechtsexperten, Rechtsanwalt Thomas Loos, der selbst für den Verein tätig ist wollen Steindl und Matznetter nur eine Mogelpackung verkaufen: "Wer durch fünfjährige Berufserfahrung - gleich welcher Art - alle erforderlichen Kenntnisse erworben hat, hat auch bereits heute freien Zugang zum Gewerbe, so die Ansicht des Europäischen Gerichtshofs. Die Änderung wäre also nur eine Änderung zum Schein, um aufmüpfige Pressefotografen ruhig zu stellen."
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