"Als ORF-General würde ich das auch so sehen"
 

"Als ORF-General würde ich das auch so sehen"

#

Gerhard Zeiler traf sich zum Podiumstalk mit "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Es ging um die SPÖ, RTL, den ORF und erstaunlich wenig um Turner. Ein Überblick.

Der frühere ORF-General, RTL-International-CEO und nunmehrige Turner-Manager Gerhard Zeiler ist kein Mann plakativer Ansagen. Was er jeweils vorhat, lässt sich am ehesten als subtile Agenda erahnen, große Ankündigungen liebt er nicht. Diesen Zeiler traf auch "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo zum Podiumstalk im Haus der Industrie in Wien, im Rahmen der "Zeit"-Gesprächsreihe. Auch hier kriegte Zeiler in seinen Antworten zu heiklen Themen stets messerscharf die Kurve. HORIZONT online war dort und bringt Auszüge aus dem Gespräch:

Welche Voraussetzungen bräuchte der duale Rundfunk in Österreich, um faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen? "Man müsste den ORF um die Hälfte reduzieren oder man muss ihm die Werbung wegnehmen", wirft Zeiler in den Raum, um die rhetorische Bombe gleich zu entschärfen: "Ich halte das für Österreich nicht für wünschenswert. Ich bin ein Anhänger eines starken öffentlich-rechtlichen Rundfunks und starker Privatsender."

Die Forderung von ORF-Chef Alexander Wrabetz, eine Haushaltsgebühr einzuführen, hält er offenkundig nicht für ganz falsch: "Als ORF-Generalintendant würde ich das genauso sehen. Ich bin nicht grundsätzlich dagegen."

Der größte Erfolg des Privatfernsehens aus seiner Sicht? "Ganz klar, die politische Unabhängigkeit." Zeiler verweist auf das Beispiel n-tv, wo man "zehn Jahre hineingezahlt hat und erst 2011 gerade verdient hat". Er nennt aber auch die RTL-Nachrichten.

Geniert Zeiler sich für Sendungen, das unter seiner Ägide im deutschen Privatfernsehen entstanden sind? "Es gibt schon das eine oder andere Programm, wo man die Augen zumacht und hofft: 'Hoffentlich haben das jetzt nicht Allzuviele gesehen'." Das "Dschungelcamp" zählt er nicht dazu: "Ich schmunzle dabei. Die meisten schmunzeln auch dabei. Die nicht dabei schmunzeln, schauen es sich nicht an. Wo ist das Problem dabei?"

Auch das U-Wort darf in der Debatte natürlich nicht fehlen: "Den Begriff 'Unterschichtenfernsehen' hat Harald Schmidt geprägt. Dafür spielt er jetzt im Null-Schichtenfernsehen", ätzt Zeiler und lobt Formate wie "Raus aus den Schulden". Denn ARD und ZDF bilden seiner Meinung nach nicht ab, dass "genau 20 Prozent der Deutschen in genau solchen Verhältnissen leben."

Wo verläuft die Rote Linie zu unanständiger TV-Unterhaltung? "Meine Grenze ist da, wo echte Menschen im Fernsehen verbal und psychisch hingerichtet werden."

Warum verließ er die RTL-Group? Hatte dies mit dem davor einhergegangenen Machtwechsel beim Eigentümer Bertelsmann zu tun? "Die Abenteuerlust kam von einem neuen Angebot. Ich habe drei Monate mit mir gerungen, habe einmal abgesagt, um zwei Tage später anzurufen und zu fragen, ob sie den Job noch haben."

Di Lorenzo möchte wissen, ob Zeiler "fähig, Willens und in der Lage" gewesen wäre, selbst Bertelsmann zu führen: "Ob fähig mögen andere beurteilen. Willens:Da schweige ich. Und in der Lage: Von Gütersloh nach Salzburg zu pendeln am Wochenende ist auch nicht anstrengender als von London nach Salzburg zu pendeln."

Unausweichlich auch die Frage nach dem ORF-General, den Zeiler im Vorjahr offenbar gerne gemacht hätte: "Es ist mit Sicherheit abgeschlossen." Di Lorenzo: Haben Sie wirklich geglaubt, man müsse nicht mit der Politik reden? "Wenn es um einen selbst geht, neigt man bei aller Erfahrung doch zu Naivität."

Last but not least, weil nach Werner Faymanns Parteitagsdebakel wahrscheinlich aktuell wie selten davor: Wenn ihn jemand fragen würde, ob er die SPÖ führen möchte? "Es fragt niemand. Also gebe ich keine Antwort." Die Nachfrage di Lorenzos, ob er Lust drauf hätte, bringt auch Zeiler ins Holpern und die Antwort lässt sich nur sinngemäß wiedergeben: Lustempfinden könne sich nur einstellen, wenn sich etwas einstellt. Was er von der aktuellen politischen Mannschaft in Österreich halte? Zeiler schwieg lieber. Ob das höflich oder unhöflich gemeint war, ließ er galanterweise offen.
stats