Alle unter einem Dach
 

Alle unter einem Dach

Die Standorte der Fernsehsender in Wien – unter anderem der ORF, ProSiebenSat.1 Puls 4 und W24 – bieten großzügige Studioflächen und das modernste Equipment für die Produktion. Und das alles am liebsten gebündelt an einer Adresse, worauf auch der ORF hinarbeitet

Über insgesamt vier Niederlassungen verfügt der Österreichische Rundfunk, derzeit noch getrennt voneinander: In Wien – das ORF-Zentrum am Küniglberg, das Funkhaus in der Argentinierstraße in Wieden, das Medienhaus in Heiligenstadt sowie ein Lager in Liesing, informiert Alexander Horacek, Leiter der ORF-Unternehmenskommunikation, auf Nachfrage von HORIZONT. „Noch getrennt voneinander“ deswegen, da die ORF-Geschäftsführung dem ORF-Stiftungsrat im Rahmen des Strategieprozesses „ORF 2020“ vorschlug, alle ORF-Standorte im ORF-Zentrum am Küniglberg zusammenzuführen – eine Idee, die der Stiftungsrat in seiner Plenarsitzung am 6. März dieses Jahres zustimmte, überzeugt von ­einer Vielzahl von medienspezifischen, wirtschaftlichen, organisatorischen, strukturellen, funktionalen, raumplanerischen und bautechnischen Studien. „An der Umsetzung des Projekts wird mit Hochdruck gearbeitet. Die Projektorganisation wurde etabliert, ein Generalplaner bestellt, die Sanierung des Objekts 1 ist im vollen Gange. Anfang Oktober wurde im Rahmen ­eines Architektenwettbewerbs durch eine renommierte internationale Jury einstimmig ein Sieger für den Erweiterungs-Neubau ermittelt: das österreichische Architektenteam Riepl Kaufmann Bammer Architektur GbR“, informiert Horacek über den aktuellen Stand der Zusammenführung.

Nach aktuellem Stand verfügt das ORF-Zentrum in Hietzing über ins­gesamt elf Fernsehstudios, die die ­gesamte Bandbreite der TV-Produktionen abdecken, angefangen beim Newsroom, in dem aktuelle Informationssendungen gefilmt werden, über mittelgroße Studios, die auch ein anwesendes Publikum fassen können (etwa im Rahmen von „Was gibt es Neues?“, „Im Zentrum“ oder „Bürger­anwalt“), bis hin zu Studios für große ORF-Showevents. Im größten aller Studios, dem Z1, das etwa für „Dancing Stars“ oder „Die große Chance“ genutzt wird, können sich dabei bis zu 1.000 Zuseher einfinden. „Der gesamte Produktionsprozess wurde in den vergangenen Jahren auf den HDTV-Standard und Tapeless Workflow umgestellt. Die Bandbreite reicht dabei von der Produktion, über den Schnitt, die Regie, Abwicklung und Ausspielung über ­Antenne, Satellit und Kabel bis zur Archivierung. Das ORF-Zentrum ­verfügt neben den zahlreichen Produktionsstudios über modernste HD-Schnitt-, Regie- und Abwicklungsplätze ebenso wie über die gesamte für den Produktionsprozess notwendige Broadcast- und IT-Infrastruktur“, informiert Horacek.

Das Funkhaus in der Argentinierstraße beherbergt in erster Linie Produktions-, Herstellungs- und Abwicklungsräumlichkeiten für Ö1, Radio Wien, FM4, das Webradio Ö1 Campus, das Radio-Newscenter, das RSO Wien und das ORF RadioKulturhaus, sei aber, so der Leiter der ORF-Unternehmenskommunikation, mit dem Fernsehstudio für „Wien heute“ auch als TV-Standort zu verstehen.
Ein Blick auf die verschiedenen Studios des Öffentlich-Rechtlichen lässt sich allerdings nicht nur am Bildschirm erhaschen, sondern auch direkt vor Ort. Rund 80.000 Personen besuchen pro Jahr das ORF-Zentrum am Küniglberg im Rahmen der ORF Backstage-Führung, 18.000 sind es bei Ö3 im Medienhaus Heiligenstadt und immerhin 5.500 im Funkhaus Wien. „66 Prozent der Besucher sind Schulklassen, die im Rahmen der Wien-Woche den ORF besichtigen“, weiß Alexander Horacek.

Medienstandort Neu Marx

Während der ORF noch darauf hinarbeitet, bald schon an einem einzigen Standort vereint zu sein, ist das im Falle von ProSiebenSat.1 Puls 4 bereits der Fall: „Seit dem Umzug im September 2012 ist die gesamte ProSiebenSat.1-Puls 4-Familie am Standort in Neu Marx, Wien Landstraße, zu Hause“, so Bernhard Albrecht, COO Geschäftsführung ProSiebenSat.1 Puls 4, gegenüber HORIZONT. Das Media Quarter Marx ­bietet, informiert Albrecht, sowohl ­genug Platz für alle 300 Mitarbeiter als auch für alle Studio- und Produktionsräumlichkeiten der Sendergruppe. Neben ProSiebenSat.1 Puls 4 haben sich in den letzten Jahren weitere Medien am Standort angesiedelt, darunter etwa die wienlive Zeitschriften GmbH oder die Wiener Zeitung. „Wir glauben, dass sich Neu Marx noch zu ­einem größeren Medien­standort weiterentwickeln kann. Wir würden daher begrüßen, wenn die Stadt Wien ihre Initiative für dieses Wachstumsgebiet in unmittel­barer Zentrumsnähe noch verstärkt“, betont Albrecht.

Insgesamt 3.000 Quadratmeter ­umfasst die Studiofläche, die zwei große Studios sowie einige weitere Produk­tionsmöglichkeiten bietet. „Für den ­Betrieb dieser Flächen stehen uns eine moderne und vollredundante HD-­Infrastruktur zur Verfügung: zwei Regieräume, getrennt für jeweils Ton- und Bildregie, zwei Schnittplätze, zahlreiche Tonkabinen sowie eine eigene Kommentatorkabine“, fasst Albrecht zu­sammen. Genug Raum also für Talk-Formate, die Berichterstattung zur UEFA Champions League oder das Live-Finale von „Austria’s Next Topmodel – Boys & Girls“ im Dezember. All jene, die es interessiert, können, ebenso wie beim ORF, eine der Gratisführungen durch die Studios in Anspruch nehmen – ein Angebot, das vom Publikum gerne angenommen wird, heißt es seitens des Senders.

Neues Studio bei W24

Der Wiener Stadtsender W24 ist indes ein Stück weniger zentral in der ­Missindorfstraße 21 in Penzing angesiedelt. Auch ein regionaler Fernsehsender braucht sich und seine Studioräumlichkeiten längst nicht mehr zu verstecken und ist ebenso modern eingerichtet wie die großen Mitbewerber – allerdings auf einer etwas kleineren Fläche. Regie, Cutting Room, die Maske, der Redaktionsbereich und das Studio selbst, unterteilt in mehrere Bereiche, liegen nah beieinander – konzentriert arbeiten und produzieren lässt es sich aber dennoch. Erst kürzlich wurde das „Guten Abend Wien“-Studio am W24-Standort rund­erneuert und erstrahlt nun in neuem Glanz – passend dazu, dass das Format neuerdings, seit Anfang Oktober, wochentags von 18 bis 21 Uhr mit aktueller Stadtinformation, prominenten Studiogästen und detaillierten Hintergrund­berichten aufwarten kann.

Dieser Artikel erschien in HORIZONT-Ausgabe 46/2014 im Dossier zum Kommunikationsstandort Wien.
stats