Alle EU-Krisenländer müssen beim Rundfunk spa...
 

Alle EU-Krisenländer müssen beim Rundfunk sparen

Harte Sparmaßnahmen auch in Spanien oder Portugal

Griechenland steht in Südeuropa nicht allein da. Auch andere EU-Krisenländer der Region müssen beim Rundfunk sparen, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Die staatlichen oder öffentlich-rechtlich organisierten Systeme stehen teils vor drastischen Einschnitten, auch wenn Schließung derzeit kein Thema ist.

Italien:

In Italien wird über ein solches Vorgehen wie in Athen überhaupt nicht diskutiert. Die Rundfunkgebühren liegen bei etwa 10 Euro im Monat, gegenwärtig sind es 113,50 Euro im Jahr. Die Hälfte des Etats stammt aus diesem Topf, der Rest kommt aus der Werbung. Die insgesamt mehr als 20 TV- und Radiostationen des verzweigten RAI-Unternehmens, das dem Wirtschafts- und Finanzministerium in Rom gehört, werden von gut 13.000 Mitarbeitern getragen. Die RAI, fünftgrößte Fernsehanstalt Europas, steht in Italien in starker Konkurrenz zu den Programmen des Medienzars Silvio Berlusconi.

Spanien:

Die staatliche Gesellschaft Radiotelevision Espanola (RTVE) hat bereits starke Sparmaßnahmen hinter sich und kann zum Beispiel keine Spiele der Fußballnationalelf mehr übertragen. RTVE arbeitet mit einem Budget von knapp unter einer Milliarde Euro im Jahr. Davon wird gut ein Drittel (etwa 350 Millionen Euro) aus dem Staatshaushalt finanziert, also mit Steuergeldern. Der Rest stammt aus Abgaben, die die privaten Sender und die Telekom-Konzerne entrichten, so wie aus Anteilen, die der Staat durch die Vergabe von Frequenzgebühren kassiert. RTVE hat insgesamt rund 6500 Mitarbeiter. Er umfasst zwei landesweite TV-Sender, die zusammen auf einen Marktanteil von etwa 15 Prozent kommen. Der Sender La1 rangiert hinter den privaten Anstalten Antena 3 und Telecinco nur an dritter Stelle.

Portugal:

Das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem von Radio e Televisao de Portugal (RTP) besteht aus acht TV-Sendern sowie 14 Radiosendern - das Land prüft angesichts der finanziellen Probleme aber eine Privatisierung. Jeder Haushalt zahlt derzeit via Stromrechnung seine Fernseh- und Radiogebühren von 2,25 Euro pro Monat. Im Jahr kommen so 140 Millionen Euro zusammen, die Staatszuschüsse belaufen sich insgesamt aber auf 240 bis 250 Millionen pro Jahr. Für 2014 wird eine Erhöhung der Rundfunkgebühr "Taxa audiovisual" erwogen, der Etat von RTP soll aber 2014 auf 180 Millionen reduziert werden. Der Staat kam bisher auch für den Schuldendienst auf - zuletzt 90 Millionen Euro im Jahr, von diesem Jahr an ist damit aber Schluss. 1.200 Mitarbeiter sind zur Zeit bei RTP beschäftigt.

Zypern:

Das staatliche zypriotische Fernsehen (RIK) wird direkt vom Staatshaushalt finanziert. Wegen der schweren Finanzkrise wurde der RIK-Haushalt dieses Jahr von 40 auf 26 Millionen Euro gesenkt. Die Angestellten - rund 700 - befürchten, dass das Beispiel Griechenland auch auf Zypern Schule machen könnte. Die RIK-Marktanteile sind sehr gut. Die Nachrichtensendung übertrifft die 50-Prozent-Marke.

(APA/dpa)
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