Alexander Wrabetz legt Bewerbungsschrift vor
 

Alexander Wrabetz legt Bewerbungsschrift vor

ORF-Generaldirektor präsentiert seine Pläne für eine zweite Amtperiode.

„Der ORF als Leitmedium“ lautet der Titel des 115 Seiten starken „Konzepts zur mittel- und langfristigen Entwicklung des ORF als öffentlich-rechtlichen Medienunternehmens“, das der ORF-Generaldirektor am 28. Juli den Stiftungsräten lieferte und heute, 29. Juli, vor Journalisten präsentierte. „Ich habe es mir nicht leicht gemacht, ich nehme die Wahl sehr ernst“, meinte Wrabetz und ergänzte später, dass es sich hier ja eigentlich „um keine Wahl, sondern die Verlängerung einer Vorstandsperiode“ handle. Seine Wiederwahl gilt als wahrscheinlich. Alles Relevante soll der ORF bis 2016 in allen Kanälen anbieten, die Marktführerschaft in allen bereichen behalten. „Der öffentlich.rechtliche Rundfunk muss nicht nur seine Bedeutung behalten, sondern an Bedeutung zulegen“, so Wrabetz.

Die Eckpunkte seiner Forderungen:

Der umstrittene Paragraph 31 des ORF-Gesetz (Gebührenrefundierung) muss adaptiert werden, die Formulierungen seien widersprüchlich. („Der §31 ORF-Gesetz verlangt von der Geschäftsführung des ORF als Voraussetzung für die Refundierung des Entfalls aus Programmentgelten durch den Bund, dass bis zum Jahr 2013jährlich Konzepte zur strukturellen Senkung der Personalkosten und der nicht programm bezogenen Sachkosten vorgelegt und umgesetzt werden. Die einander teilweise widersprechenden, jedenfalls aber den ORF in seiner Entwicklung und auch strukturellen Neuaufstellung massiv hemmenden Bestimmungen des § 31 sind kritisch zu hinterfragen“...)

Dafür will Wrabetz auf politischer Ebene werben. Auslagerungen werde es, wie von den Belegschaftsvertretern befürchtet, unter seiner Führung nicht geben, betont Wrabetz - auch nicht in der Technik.

Gestärkt werden müsse der ORF auch im personellen Bereich. Bis Mitte 2012 müsse der Personalabbau abgeschlossen sein, dann müsse man wieder "neue Leute an das Unternehmen heranführen und binden". Wo diese bis 2016 benötigt und eingesetzt werden und wo es Umstrukturierungen geben muss, will Wrabetz noch detailliert vorlegen

Wrabetz möchte künftig mit je einem Direktor für den Kaufmännischen Bereich, TV, Radio und Technik auskommen. Fix seien: Richard Grasl (Kaufmännisches) und Karl Amon (Radio). Hinsichtlich sogenannter Channel Manager hielt sich Wrabetz bedeckt. Es werde unter der Ebene des TV-Direktors "eine stärkere Produktverantwortung für ORF eins und ORF 2 geben". Die Online-Agenden (bisher in eigener Direktion), sollen operativ in der Tochtergesellschaft ORF Online und Teletext GmbH stattfinden, außerdem soll es entweder in der Generaldirektion oder in einer der anderen Direktionen eine Stabsstelle für strategische Weiterentwicklung geben.

Ausdehnung der Werbezeiten

Für das Fernsehen erwartet sich Wrabetz nicht nur eine Ausdehnung der Werbezeiten (Details über die Größenordnung nannte er nicht) etwa um das Projekt Frühstücksinformation zu finanzieren, sondern auch einen "größeren Anteil am Werbekuchen". Daran will er gemeinsam mit anderen TV-Anbietern arbeiten. Wrabetz erwähnte in diesem Zusammenhag die Radio-Gattungskampagne „Werbe Wunder radio“. Finanziell erwartet sich Wrabetz außerdem eine Steigerung der Programmentgelte. Dauerhaft dürfte ihm eine Haushaltsabgabe vorschweben, wie sie 2013 in Deutschland eingeführt wird. Allerdings will er zunächst die Entwicklung und die Erfahrungen des Nachbarlandes abwarten." Die Gebührenbefreiungen will Wrabetz "unbefristet und vollständig refundiert bekommen" und gibt sich zuversichtlich, dass er dies bei der Politik auch durchsetzen wird.

Inhaltlich schlägt Wrabetz in seinem Konzept, in das "sehr viele Ideen von Mitarbeitern des Hauses" eingeflossen sind, zahlreiche neue Projekte vor. Konzentrieren will er sich dabei vor allem auf Eigenproduktionen, sowohl im Bereich von Film als auch bei Serien. Außerdem ein Medien-Magazin, das sich mit Neuen Medien, medialen trends „aber auch selbstreflektorisch mit dem ORF“ auseinandersetzen soll. Weiters plant Wrabetz diverse Dokumentationsleisten. So will er bis 2015 die "gesamte Geschichte des 20. Jahrhunderts aufgearbeitet haben". Ab 2012 werden daher Dokureihen über die 50er, 60er und 70er bis heute die Entwicklungen in Politik und Gesellschaft beleuchten.  Neben Alexander Wrabetz scheinen folgende Personen auf der Bewerberliste auf: Manfred Greisinger, Rene Hager, Karin Kraml, Dario Lindes, Martin Roger Müller und Christian F. Wehrschütz.
Bis  Donnerstag, den 4. August 2011, 12 Uhr (im Büro des Stiftungsrates einlangend), hat jedes Mitglied des Stiftungsrates die Möglichkeit, weitere Personen nach zu nominieren. Diesbezügliche Bewerbungsunterlagen, wie sie in der öffentlichen Ausschreibung spezifiziert wurden (Lebenslauf, Konzept zur mittel- und langfristigen Entwicklung des ORF als öffentlich-rechtliches Rundfunkunternehmen, Vorschläge für die Geschäftsverteilung der zu bestellenden Direktorinnen und Direktoren etc.), sind bis zu diesem Termin zu übermitteln. Nominierungen und Bewerbungsunterlagen werden unverzüglich den Mitgliedern des Stiftungsrates übermittelt. Die Entscheidung fällt bekanntlich am 9. August.
cc/APA  
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