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Alexander Wrabetz: Digitalsteuer soll auch an Printmedien fließen

Sebastian Reich

Im Vorfeld der Österreichischen Medientage bekräftigte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz seine Pläne und Vorstellungen. Er schlägt eine Privatmedienförderung gespeist aus Digitalsteuern vor. "Ein gutes Stück" vorangekommen sei der "Austria Marketplace".

Man wolle als "Motor" etwas zu "einem gelingenden Medienstandort beitragen", versicherte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Montag bei einem Hintergrundgespräch. Erneut skizzierte er den Vorschlag eines "nationalen Produktions- und Förderfonds für private Medien", gespeist aus zusätzlichen Steuermitteln via Digitalsteuer beziehungsweise digitaler Betriebsstätte für internationale Online-Konzerne. Alles, was aus dieser Richtung eingenommen würde, sollte "nicht ausschließlich ins Gesamtbudget" fließen, sondern der Medienbranche, "insbesondere" auch den Printmedien, zugutekommen. Rechne man mit 100 bis 150 Millionen Euro und widme drei Prozent für diesen Zweck, "werden genug Mittel da sein", meinte der ORF-Generaldirektor.

Bei der Arbeit an einer gemeinsamen Online-Vermarktungsplattform ("Marketplace Austria") sei man "ein gutes Stück vorangekommen", berichtete Wrabetz. Ziel sei eine Kooperation "aller österreichischer Inhalteanbieter, die im Online-Bereich relevant sind". Das Verständnis bei diesen Playern sei "gewachsen": "Alle zusammen sind wir immer noch kleiner als Google und Facebook, aber wir haben immerhin eine Chance." Dass es ohne ORF nicht gehe, sei "allen Partnern klar".

Des weiteren verwies Wrabetz auf die "Produktionsallianzen" des ORF, die Koproduktionen mit deutschen und internationalen Öffentlich-rechtlichen ebenso umfassten wie mit europäischen Produktionsfirmen und auch Netflix. Und schließlich skizzierte er einen ersten Zeitplan für den "ORF-Player", der künftig die bestehenden Streaming- und Online-Angebote zusammenführen, aber auch Neues bieten soll. Bei der Stiftungsrats-Klausur zum Thema "Digitalisierung" am 15. November will Wrabetz Details präsentieren. 2019 sollen die Arbeiten am Player starten und "ab 2020 erste Funktionalitäten on air" gehen. "Ziel ist es, binnen fünf Jahren mit diesem Player 80 Prozent des Streaming-Publikums in Österreich regelmäßig zu erreichen", gibt der ORF-Chef als Devise aus. Die Anlaufkosten bezifferte er mit sechs Millionen Euro, Projektleiter ist Franz Manola.

Um die Player-Pläne des ORF vollständig realisieren zu können, bräuchte es allerdings auch gesetzliche Änderungen. So muss er derzeit Inhalte nach sieben Tagen aus der TVThek nehmen oder darf keinen "Online Only"-Content bereitstellen. Wann die Regierung ihre Vorhaben für den ORF als neues Gesetz formuliert, ist vorerst offen. Er könne noch nicht sagen, wann genau ein Entwurf vorliegen werde, erklärte Medienminister Gernot Blümel (ÖVP) am Montag bei einer Pressekonferenz dazu. Es handle sich um einen "komplexen, längeren Prozess".

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