Agenturprovision? "Ist uns wurscht!"
 

Agenturprovision? "Ist uns wurscht!"

Medientage: Über ein zeitgemäßes Gefüge aus Kunden, Agenturen und Medien

Walter Neuhauser, ehemaliger Vermarkter der RTL-Sender, freier Medienberater und Moderator der Diskussion "Ist die Agenturprovision am Ende" konnte seinen Ärger nicht verbergen: "Es ist peinlich und schwach vom ORF, dass er als Hauptansprechpartner zu diesem Thema keinen Vertreter auf dieses Podium schickt", so Neuhauser. Vorgesehen war Franz Prenner, Geschäftsführer der ORF-Enterprise, der sich krankheitsbedingt entschuldigen ließ. Ein Vertreter wurde nicht nominiert. Prenner hatte bei den Medientagen vor einem Jahr via HORIZONT-Interview angekündigt, die Agenturprovision zu Fall bringen zu wollen. In einem aktuellen Interview, nachzulesen hier, sagt er, dieses Unterfangen werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen.


Am Podium: Thomas Jank von der Tiroler Agentur impalawolfmitbiss, Gerald Grünberger, Geschäftsführer des VÖZ, IAA-Präsidentin Martina Hörmer (Rewe), Gerhard Riedler (IP Österreich, statt der ebenfalls erkrankten Ilona Happel von SevenOne Media Austria) und Peter Lammerhuber (GroupM) in seiner Funktion als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Mediaagenturen (IGMA).

Die grundsätzliche Frage, welche Folgen die Abschaffung der 15 Prozent Agenturprovision eigentlich habe, wurde über weite Teile mit "eigentlich gar keine" beantwortet. Zum Hintergrund: Im 19. Jahrhundert von J. Walter Thompson "erfunden" verrechneten Agenturen 15 Prozent eines Werbeauftrages von den Medien. Mittlerweile wird diese Provision über weite Strecken längst an die Kunden weitergereicht.Nicht so bei mittelständischen Agenturen gab Thomas Jank, von der Tiroler Agentur impalawolfmitbiss zu Bedenken.

VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger verglich das Gefüge aus Kreativ- und Mediaagenturen, Medien sowie Auftraggebern mit einer "Vierer-Fahrgemeinschaft" - und wie im richtigen Leben gehe es dabei vor allem um gegenseitiges Vertrauen.

Peter Lammerhuber kommentiert eine mögliche Abschaffung der Agenturprovision bewusst lapidar ("Das ist uns wurscht"), ist aber davon überzeugt, dass sich dadurch der juristische Status von Mediaagenturen ändern würde - vom reinen Treuhänder der Kundengelder hin zur eigenen Wirtschaftsstufe. "Wir wären dann Großhändler und die Rabattverhandlungen mit den Medien würden wir auf Agenturebene führen und nicht auf Ebene einzelner Kunden." Nachsatz: "Für die Medien könnte das fatale Folgen haben." Die Kehrseite freut Martina Hörmer: "Das könnte aber dazu führen, dass Medialeistung für die Kunden billiger wird." Hörmer spricht sich generell für Transparenz und Fairness auf. Unter Beifall des Publikums wirft IP-Österreich-Chef Gerhard Riedler ein: "Wie können Kunden von  Mediaagenturen Transparenz verlangen, wenn sie ihre Leistungen mit nur 0,3 Prozent des Mediavolumens abgelten." Hörmer nahm daraufhin für sich in Anspruch, Mediaagenturen stets fair und zunehmend leistungsorientiert zu honorieren.

Und auch bei dieser Diskussion fand - wie so oft bei den Medientagen - die aktuelle Debatte um Regierungsinserate ihren Niederschlag. Peter Lammerhuber: "Hätte die Politik die Leistungen von Mediaagenturen in Anpruch genommen, wäre jede Schaltung jeder Kampagne gut begründet und wir hätten die ganze Diskussion nicht."
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