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Ägypten: Journalist kritisiert Umgang des Militärs mit den Medien

Abou-bakr Khallaf: Beim jüngsten Massaker auch ein Journalist gestorben

Beim jüngsten Massaker vor dem Hauptquartier der Republikanischen Garde sind laut Angaben der Rettungskräfte vom gestrigen Montag 51 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt worden. Unter den Verstorbenen war auch ein Journalist, erklärte Abou-bakr Khallaf, Vorsitzender der ägyptischen Electronic Media Syndicate, im Gespräch mit der APA. Khallaf sparte aber auch nicht mit Kritik am Umgang des Militärs mit den Medien.

Die nationalen Medien würden auf Anweisungen des Militärs, das in der vergangenen Woche Präsident Mohammed Mursi von der Muslimbruderschaft abgesetzt hatte, Videos zeigen, in denen Demonstranten die Streitkräfte angreifen würden. Die Medien würden daher nicht darüber berichten, was wirklich auf den Straßen geschehe und wie sich das Militär tatsächlich verhalte. "Außerdem spiegeln nicht alle Videos die wahren Geschehnisse wider", kritisierte Khallaf. "Manche dieser Videos wurden bereits vor zwei Jahren ausgestrahlt."

Das Militär habe auch einen Video-Mix zusammengestellt, in dem Angriffe von Demonstranten auf Vertreter der Sicherheitskräfte gezeigt würden. Somit würden Armee und Polizei ihr gewaltsames Vorgehen gegen die Demonstranten begründen. Trotzdem könne das Militär die Pressefreiheit nicht zur Gänze kontrollieren. So versuche die Electronic Media Syndicate den Menschen die Karten auf den Tisch zu legen, auch Journalisten dabei ihr Leben riskieren würden. Angesichts der jüngsten Ereignisse würden sich auch viele Menschen an diesen Verband wenden, der sich für die Rechte der Online-Journalisten und Blogger einsetzt.

Die ägyptischen Bürger wünschten, dass kein Blut mehr vergossen wird, so der Vorsitzende der Electronic Media Syndicate. Das ägyptische Volk brauche Sicherheit, keine Zusammenstöße und Gewalt. Die Erwartungen der Bürger nach der Entmachtung des Präsidenten Mursis seien bisher nicht erfüllt worden.

Jedes Jahr einen neuen Präsidenten zu wählen sei nicht zielführend und keine Lösung für den Frieden und die Demokratie des Landes, kritisierte der Journalist weiter. Solche Bedingungen würden aus Ägypten kein besseres Land machen und auch nicht zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage beitragen, so Khallaf. Bei den Ausschreitungen hätten auch einige Menschen versucht, direkt mit den Polizisten zu sprechen. "Sie antworteten jedoch mit Schüssen", sagte Khallaf, der auch CEO von MENA-Editors-Network (Middle East and North Africa) ist.

Inmitten der Staatskrise in Ägypten hat Übergangspräsident Adli Mansour Parlamentswahlen in etwa sechs Monaten angeordnet. Einem am Montagabend veröffentlichten Dekret zufolge sollen die Wahlen abgehalten werden, sobald Änderungen an der ausgesetzten Verfassung durch ein Referendum bestätigt wurden. Nach den bisher blutigsten Zusammenstößen in Kairo seit dem Sturz von Mursi haben dessen Anhänger weitere Proteste angekündigt. Alle Ägypter im ganzen Land seien aufgerufen, am heutigen Dienstag auf die Straße zu ziehen und gegen den Militärputsch zu protestieren.

(APA)
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