„Adoriert statt kontrolliert“
 

„Adoriert statt kontrolliert“

Hans Jörgen Manstein, Organisator der 18. Österreichischen Medientage, kritisierte Medien und Politik gleichermaßen.

„Wir sind doch um keinen Deut besser als der Kanzler, seine Regierung und seine Jugend-Truppe , die so tun, als ob sie das ganze Land retten könnten, in dem sie ein paar Millionäre besteuern und die Wehrpflicht abschaffen.  In großzügigem Ausmaß wird das ‚Wir haben die Krise gut Ÿberstanden‘-Anti-Depressivum verteilt. Sollte das im Ernst gemeint sein, müsste man eigentlich sofort die Sachwalterschaft beantragen“, so Hans Jörgen Manstein, der die „Gier höchster politischer Entscheidungsträger“ anprangerte und von den „Abgründen der moralischen Verwerflichkeit und der Dummheit eben dieser Herrschaften“ sprach, deren Dreistigkeit man erleben musste, nachdem ihnen Vergehen nachgewiesen wurden. Für  alle diese Bankrotteure der Moral gelte die Unschuldsvermutung, nicht aber für die Medien, sie hätten ein gerüttelt Maß an Schuld an unseren Zuständen, sie hätten versagt. „Anstatt zu kontrollieren, haben sie adoriert“.

Manstein meint die Personalisierung der Berichterstattung: „Jeder Manager ein Star. Von Anfang an. In jedem Bericht, in jedem Interview und erst recht in jeder Home-Story. Die Medien produzieren Schlagworte und fallen auf Schlagworte herein. Wenn sie nur mediengerecht produziert werden.“

Der Verleger beschrieb die Skandale um ÖBB und Telekom Austria und folgerte: „Der Schein bestimmt das mediale Sein. Messages sind ohnehin irrelevant. Die Medien sind zu Massierungsmechanismen verkommen. So meinte es McLuhan: Medium ist Massage."

Kritisiert wurde auch die Gratiszeitung Österreich. „Österreich ist sich nicht zu schade, einen Bericht über einen angeblichen Luxus-Urlaub des US-Präsidenten mit einem Kasten auszustatten, in dem auf die Sparsamkeit der Urlaubsgestaltung von Werner Faymann hingewiesen wird. Das freut die Hausmeister-Seele.“

Alles sei möglich in unserem Land, in dem Wirtschaft und Politik zu Event- Veranstaltungen ohne Inhalt verkommen seien. „Mit dem offensichtlichen  Auftrag, Medien zu bedienen und von ihnen  - gegen Geld- und Sachleistungen hofiert zu werden. Man zählt die Applaudeure und die Claques“, so Manstein, der unter diesen Bedingungen ein Gefühl spürt, dass „alles, aber auch wirklich alles geht. Dass der Sinn dafür, was man nicht tut, abhanden gekommen ist. Dass sich Manager als Stars begreifen, die für dieses und jenes Geld in die Hand nehmen ohne zu begreifen, dass es nicht ihr eigens ist. Dass sie nichts anderes sind als Treuhänder von anderer Leute Geld. Weil sie adoriert haben, anstatt zu kontrollieren. Weil sie selbst nicht mehr wissen, wofür sie da sind. Weil sie nicht wissen, was Tiefe und Reflektion bedeutet.“

 

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