Jubiläum: 75 Jahre Austria Presse Agentur
 
APA

Heute, vor 75 Jahren wurde auf Initiative der Nachrichtenagenturen Reuters und AP die APA als Genossenschaft im Eigentum heimischer Tageszeitungen gegründet. Die APA feiert dieses Jubiläum mit Aktivitäten über das gesamte Jahr.

Vor 75 Jahren, am 1. September 1946, wurde die Austria Presse Agentur, die bis heute als eine von nur rund 20 Nachrichtenagenturen weltweit von Staat und Regierung unabhängig ist, gegründet - und zwar auf Initiative der Nachrichtenagenturen Reuters und AP als Genossenschaft im Eigentum österreichischer Tageszeitungen. Damit das Fortbestehen für weitere 75 Jahre gesichert ist, sollen stetige Innovationen und eine umfassende Digitalstrategie den Weg in die Zukunft ebnen, der HORIZONT berichtete.

Technologie und Erfolge im Corona-Jahr 

Die Corona-Pandemie hatte die Nachrichtenagentur zwar fest im Griff, allerdings sieht Clemens Pig, geschäftsführender Vorstand der APA, die Krise als "Durchstartknopf" für die Digitalisierung, wie er in der Aussendung zum Jubiläum betont: "Als redaktionelles und technologisches Infrastruktur-Unternehmen kommt der APA in dieser lang andauernden Ausnahmesituation eine ganz spezifische Rolle zu: als Innovations- und Digitalhub für die Medien- und Kommunikationsindustrie in Österreich; und als Grundversorger der Medien mit 'true und unbiased news'".

Wie das Unternehmen diese Aufgaben bewältigt habe, mache ihn stolz: "Wir haben eindrucksvoll bewiesen, dass die APA aus publizistischer Sicht ein wesentliches Werkzeug der österreichischen Demokratie ist und aus unternehmerischer Sicht ein unverzichtbares Werkzeug der Medien." Dieser Umstand schlägt sich auch in den Zahlen nieder, denn die APA hat das Pandemiejahr 2020 mit einem Ertrags- und Umsatzplus abgeschlossen, wie der HORIZONT berichtete.

Trotz Erfolg möchte man sich nicht darauf ausruhen, sondern wird Schwerpunkte wie Digital Workplace, Digital Platforms und Digital Business weiterentwickeln; so auch verstehen, wie sich junge Mediennutzerinnen und -nutzer im digitalen Raum bewegen, heißt es aus der APA. Denn: "Wesentlicher Hebel dafür kann das Thema Daten sein. Wir wollen ein gemeinsames Verständnis am Medienmarkt für das Datenthema", so Pig.

Zu diesem Zweck wolle man künftig alle unter-30-jährigen in der APA mit Führungskräften zusammenbringen, um zuzuhören und die Bedürfnisse junger Mediennutzerinnen und -nutzer zu verstehen. Dabei ist das Selbstbild in der APA  "kein Opa mit Rauschebart, sondern eine schicke Anfangsvierzigerin – selbstbewusst und sich ihrer Stärken bewusst, zugleich durchaus veränderungswillig", skizziert Geschäftsführerin Karin Thiller.

Log-In-Allianz

Derzeit werde an einer modernen Newsplattform für den professionellen Kommunikationsmarkt gearbeitet, die alle Inhalte der APA umfasst und mobil optimiert ausspielt, so die Aussendung im Detail.  Auch werde weiter an der bereits bekannten Log-In-Allianz mit Österreichs Medien gearbeitet, die es ermöglicht, mit einer User-ID Inhalte medienübergreifend zu nutzen. Auch automatisierte Arbeitsschritte, unterstützt durch Künstliche Intelligenzen seien laut Pig, "Themen die uns noch lange begleiten. Zum Glück sind wir in der Agentur Marathonläuferinnen und -läufer". Ebenfalls Thema bleibe die Diversität im Unternehmen, "um die Vielfalt der Gesellschaft abzubilden", meint Thiller.

Unabängigkeit seit jeher im Fokus

Die APA gilt als eine der rund 20 weltweit unabhängigen Nachrichtenagenturen. Dabei sei es wichtig "auf überhitzten Kommunikationsmärkten, wo es so viele Plattformen, Meinungen und Polarisierungen gibt, steigt die Notwendigkeit einer unabhängigen Nachrichtenagentur", so Pig und verweist auf redaktionelle Innovationen wie die zuletzt vom International Fact Checking Network (IFCN) zertifizierte Verification-Abteilung der APA. "Richtige, glaubwürdige und vertrauenswürdige Information" sei für Chefredakteur Johannes Bruckenberger seit der Gründung "unser Kerngeschäft und die DNA unserer journalistischen Arbeit." Gerade im "Zeitalter der Desinformation", wie er es nennt, sei dies umso wichtiger.

Die Antwort auf Desinformation und Parteilichkeit könne nur der Fokus auf journalistische Tugenden sein. "Abstand halten, nicht vereinnahmen lassen. Faktenbasierte Recherchen unparteilich einordnen – check, re-check, double-check. Wesentliches vom Unwesentlichen trennen. Unbotmäßigen Interventionen nicht nachgeben, aber transparent und angstfrei mit eigenen falschen Einschätzungen und Fehlern umgehen." Agenturjournalismus verlange schließlich, so Bruckenberger, besondere Genauigkeit, besondere Geschwindigkeit, besondere Übersichtlichkeit und besondere Objektivität.

Anlässlich des Jubliäums gibt die Geschäftsführung und Chefredaktion in einem nostalgischen Video Einblicke zu 75 Jahren Agenturleben.



Ein historischer Abriss zur APA

Am 1. September 1946 nahm die Nachrichtenagentur ihren Betrieb auf. Die allererste Meldung wurde im Wirtschaftsressort ausgegeben. Die Geschichte der APA-"Vorläuferinnen" begann schon in der Monarchie. 1849 gründete Joseph Tuvora mit der "Österreichischen Correspondenz" die erste Nachrichtenagentur in Österreich, die als privates Unternehmen dennoch weitgehend unter staatlichem Einfluss stand. 1859 wurde die "Österreichische Correspondenz" in das "k.k. Telegraphen Korrespondenz Büro" umgewandelt. Dieses Konstrukt sollte bis 1922 existieren.

1946 erfolgte auf Initiative der Alliierten die Gründung der APA als privatwirtschaftliche Genossenschaft im Eigentum der Tageszeitungen. Zur Unabhängigkeit der APA kam es damals nur auf "Druck von Außen", nämlich seitens der Alliierten gemeinsam mit den Nachrichtenagenturen Reuters und AP. Im Gebäude der Wiener Börse nahm die APA dann am 1. September 1946 die Arbeit auf. Zu Beginn verfügte die Agentur über eine Auslands-, eine Inlands-, eine Wirtschafts- und eine Sportredaktion.

Von 1970 bis 2005 war die APA im Internationalen Pressezentrum in der Gunoldstraße 14 in Wien-Döbling untergebracht. Im August 2005 erfolgte der Umzug in einen der modernsten und größten Newsrooms Kontinentaleuropas an den Naschmarkt in Wien-Mariahilf.

Während in der Anfangszeit das Tagesaufkommen bei rund 100 bis 150 Meldungen lag, werden 75 Jahre später täglich an die 500 Meldungen, mehr als 1.000 Fotos sowie zahlreiche Videos und Infografiken zu Themen aus Österreich und der Welt produziert. Die gesamte APA-Gruppe besteht mittlerweile nicht nur aus mehr als 500 ständigen Mitarbeitern, sondern auch aus mehreren erfolgreichen Tochter-Unternehmen: APA-OTS und APA-DeFacto treten am Markt seit 2019 gemeinsam als APA-Comm auf. Darüber hinaus existieren APA-IT und APA-PictureDesk. Genossenschafter und Eigentümer sind österreichische Tageszeitungen sowie der ORF. 

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