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20 Jahre Privatradio: VÖP-Geschäftsführerin Corinna Drumm im Interview

VÖP / Michael Gruber
Aus schwierigen Rahmenbedingungen hat die österreichische Privatradiobranche viel innovativen Spirit gezogen, ist Corinna Drumm überzeugt.
Aus schwierigen Rahmenbedingungen hat die österreichische Privatradiobranche viel innovativen Spirit gezogen, ist Corinna Drumm überzeugt.

VÖP-Geschäftsführerin Corinna Drumm blickt auf viele positive Entwicklungen zurück, geht aber mit gemischten Gefühlen in das Radio-Jubiläum. Vor allem bei den Rahmenbedingungen sieht sie weiterhin Optimierungsbedarf.

Dieser Beitrag ist zuerst in Ausgabe Nr. 13/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Horizont: Privatradio wird 20 Jahre alt – mit welchen Gefühlen feiern Sie diesen Geburtstag?

Corinna Drumm: Einerseits können wir als Branche stolz sein auf das, was wir in diesen 20 Jahren erreicht haben. Die privaten Radiosender haben für Vielfalt im Markt gesorgt. Auch auf die Inhalte, die wir auf diesen Sendern produzieren und senden, kann man stolz sein. Wir liefern sehr viel Public-Value-Content, mit vielen lokalen, nationalen und internationalen Nachrichten, sowie Features, die noch über Nachrichten hinausgehen. Und nicht zuletzt können wir stolz darauf sein, dass wir als Privatradiobranche viele hundert Arbeitsplätze schaffen.

Und auf der anderen Seite?

...ist da auch eine Portion Unzufriedenheit dabei, nämlich mit den gegenwärtigen Rahmenbedingungen. Wir haben in Österreich nach wie vor keinen gleichgewichtigen dualen Radiomarkt , sondern einen Markt, wo der ORF nicht nur den höchsten Anteil am Hörermarkt hat, sondern auch – wenngleich nicht ganz so ausgeprägt – am Werbemarkt und letztlich auch bei den Übertragungskapazitäten. Das macht es natürlich trotz der hervorragenden Programme unserer Sender unheimlich schwierig, Marktanteile hinzuzugewinnen. Das sind Rahmenbedingungen, die uns nicht gefallen – aus vielen Gründen.

Die da wären?

Einer der wichtigsten Gründe ist, dass der Programmauftrag des ORF für seine Radiosender nicht spezifisch genug ist und nicht klar genug regelt, was der ORF tun muss und was er nicht tun darf. Bei uns Privatradios ist das sehr detailliert geregelt. Wenn man sich Ö3 anhört, wo es kaum Wortanteil und auch keine Vorgaben für den Wortanteil gibt und kaum österreichische Musik, fragt man sich, warum ein öffentlich-rechtlicher, staatlich subventionierter Sender so ein Programm machen sollte. Und dieser Sender steht mit uns zu 100 Prozent im Wettbewerb – in allen genannten Märkten. Das macht das Leben schwer für uns, seit 20 Jahren unverändert.

Welche konkreten Ansätze wünschen Sie sich zum Geburtstag?

Da gibt es vieles, beispielsweise die Präzisierung des öffentlichrechtlichen Auftrages und zwar von jedem einzelnen Radiosender. Der Argumentation, dass man öffentlichrechtliches Programm auf manchen Sendern habe und daher nicht so viel für Ö3 brauche, kann ich nicht ganz folgen. Aus meiner Sicht muss jedes Angebot, das der ORF macht, ganz zweifelsfrei als öffentlich-rechtliches Programm erkennbar sein.

Wie stellt sich Ihrer Meinung nach der österreichische Radiomarkt im internationalen Vergleich dar?

Jeder Markt hat seine eigenen Bedingungen. Zu sagen, wir sollten es so machen wie da oder dort, wird dem österreichischen Markt nicht gerecht. Die späte Liberalisierung zusammen mit der Tatsache, dass Österreich ein kleiner und wirtschaftlich nicht ganz einfacher Markt ist – und vor 20 Jahren unglaublich kleinteilig strukturiert wurde – haben unglaublich schwierige Rahmenbedingungen erzeugt. Ich glaube aber, dass diese auch dafür sorgen, dass wir in Österreich viel innovativen Spirit haben. Bei den Radio days Europe, die heuer in Wien stattfanden, wurden auf einem eigenen Panel Radio-Innovationen vorgestellt, die in den letzten Jahren in Österreich entwickelt wurden. Beispielsweise die skip.fm-App von Kronehit oder Tonio von Florian Novak.

Also ist die junge Unbekümmertheit eines 20-Jährigen von Vorteil?

Es ist eher so, dass es in einer nicht so komfortablen Situation schwieriger ist, zu bestehen. Wir müssen uns ja fast ausschließlich aus Werbung finanzieren und da muss man einfach gute Angebote liefern, um die Hörer und die Werbekunden von sich zu überzeugen. Daran arbeiten wir laufend.

Es gibt derzeit eine bundesweite Lizenz für KroneHit und wohl mit Radio Ö24 bald eine zweite. Wird der Trend zur Konsolidierung weiter anhalten?

Ich glaube, dass es aus technischen und regulatorischen Gründen schwer möglich sein wird, sehr viel mehr zu konsolidieren. Insofern erwarte ich jetzt keine weiteren Konsolidierungsschritte in größerem Ausmaß. Umso wichtiger ist es, das Wettbewerbsverhältnis zwischen ORF und Privaten wirklich sauber aufzustellen, so dass sich die Privatsender im Rahmen ihrer Restriktionen gut entwickeln können.

Worüber werden wir in fünf Jahren anlässlich von 25 Jahren Privatradio reden?

Da werden wir über Verbreitungswege reden, dabei unter anderem über das Thema LTE-Broadcast, das jetzt in der ersten Entwicklung ist. Wir werden bis dahin vor allem über die fortgeschrittene Änderung der Mediennutzungsgewohnheiten reden. Die ändern sich seit Jahren ganz dramatisch und keiner weiß, wo die Reise wirklich hingehen wird. Das werden sehr spannende Themen sein. Und ich hoffe, dass wir bis dahin auch über ein ausgeglichenes duales Rundfunksystem reden können.

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