Zukunft des Fernsehens: 'Für die Blasmusik is...
 
Zukunft des Fernsehens

'Für die Blasmusik ist der Ferdinand zuständig'

Wache / Brunnbauer
V.l.: Ferdinand Wegscheider (ServusTV), Stephan Schmitter (RTL), Moderator Hans Mahr, Roland Weißmann (ORF) und Markus Breitenecker (ProSiebenSat.1 Puls4)
V.l.: Ferdinand Wegscheider (ServusTV), Stephan Schmitter (RTL), Moderator Hans Mahr, Roland Weißmann (ORF) und Markus Breitenecker (ProSiebenSat.1 Puls4)

Am ersten Vormittag der 28. Medientage drehte sich beim TV-Panel vieles um Kooperation. Alexander Wrabetz zeigte sich 100 Tage vor seinem ORF-Abschied wehmütig.

Starken Tobak hatte Keynote Speaker Thomas Middelhoff der Branche mit auf den Weg gegeben, sein Nachfolger am Podium, der deutsche Screenforce-Chef Malte Hildebrandt hätte da "erst mal einen Schnaps gebraucht". So düster wie der Ex-Bertelsmann-Vorstand wollte Hildebrandt die mediale Zukunft nicht sehen, es werde täglich an ihr gearbeitet und gerade die aktuelle Krise habe die Bedeutung des Fernsehens sichtbar gemacht: "Während Corona sind die Reichweiten für das gute alte Fernsehen nach oben gegangen." 

Das Video wird präsentiert mit Unterstützung der APA-Tech.

Dessen substanzielle Rolle habe sich nicht nur dort, sondern auch beim Sturm aufs US-Kapitol gezeigt, wo Berichterstattung und Einordnung eben nicht über Social Media gelaufen wären. Die von der Gattungsinitiative Screenforce propgierte "Magic of Total Video" sei letztlich auch die Chance gegenüber den Bedrohungsszenarien, die vom Erfolg von Netflix & Co ausgehen. Betrachte man Themen wie die Brand Safety, werde TV als Werbemedium immer wertvoller.

'Neue Töne vom ORF'

Das folgende Podium zum Thema "Tele-Visionen" mit Hans Mahr als Moderator und den Senderchefs Markus Breitenecker (ProSiebenSat.1 Puls4), Ferdinand Wegscheider (ServusTV), Roland Weißmann (ORF) und Stephan Schmitter (er ist Chef der News in der RTL-Gruppe und der RTL-Radios) schloss sich dem vollinhaltlich an, alle TV-Manager sahen ihre Unternehmen auch gut durch die Krise gekommen. "Die Auftragsbücher sind voll", meinte etwa Wegscheider.

Zentrales Thema der Runde war freilich die Frage, inwieweit die Konkurrenten am TV-Markt nun tatsächlich zusammenarbeiten können und wollen. Lippenbekenntnisse dazu gab es - auch angeregt durchs kommende ORF-Gesetz - zuletzt häufig. Breitenecker, der statt zu streiten "lieber in die Zukunft blicken möchte", lobte den ORF denn auch "für neue Töne". Dennoch: "Unterschiedliche Positionen der Player muss man anerkennen. Die Bereiche, wo wir Konkurrenten sind, müssen entflechtet werden und die Werbebereich neu strukturiert." Die gemeinsame Streaming-Plattform, den Austria-Player als "nationalen Streamingchampion" würde Breitenecker weiter bevorzugen, aber er ist auch Realist genug zu sehen, dass "ich mich damit nicht durchgesetzt habe". Der designierte ORF-Chef Roland Weißmann betonte, dass mit den Kooperationen "nicht bei Null" anfangen würde und zeigte sich einmal mehr offen für Gespräche. "Der ORF-Player ist als zukünftiger Distributionsweg ganz wichtig, auch dort ist Platz für Kooperationen." Ferdinand Wegscheider wiederum führte die Kooperation bei Sportrechten ins Feld, wo ServusTV ja mit dem ORF in Sachen Formel1 zusammenarbeitet. Früher, so Wegscheider, "hat man einander ja nicht einmal mit Kabeln ausgeholfen. Grotesk aus heutier Sicht."

Das von Hans Mahr angeschnittene Thema der Regionalisierung ("Kann man mit diesem Pfund nicht mehr wuchern?") war für Weißmann dann ein Heimspiel. Er betonte die Leistungen der Landesstudios, die neben "Bundesland heute" längst auch für nationale Sendungen zuliefern würden und in ihren Programmen oft auseinandergeschaltet. Man werde das "weiter forcieren".

Als starker regionaler Player sah sich auch Wegscheider. Und entgegen früherer Klischees - "für Blasmusik ist der Ferdinand zuständig" - sei er stolz darauf, mit der Reihe "Heimatleuchten" eine tragende Säule im Programm verankert zu haben. Sein nebenbei geäußertes Ziel: mit dem Sender bei den Marktanteilen zweistellig zu werden. Derzeit hält man je nach Monat zwischen drei und vier Prozent Marktanteil.

Einig war man sich am Podium über die "Kraft des TV". Laut Schmitter "kein altes Medium" und so Weißmann: "Das lineare Fernehen funktioniert und wird die nächsten 15 bid 20 die große Rolle spielen."

Alexander Wrabetz ließ im Gespräch mit Hans Mahr seine 15 Jahre als ORF-Generaldirektor Revue passieren.
Wache / Brunnbauer
Alexander Wrabetz ließ im Gespräch mit Hans Mahr seine 15 Jahre als ORF-Generaldirektor Revue passieren.

'Dysfunktionale Medienpolitik'

Exakt 100 Tage vor seinem Abschied als ORF-Generaldirektor gab Alexander Wrabetz beim "Fireside Talk" mit Hans Mahr  dann Einblicke in seine Gemütslage. Nach 15 Jahren an der Spitze sei er schon ein wenig wehmütig, aber gleichzeitig "stolz darauf, den ORF als führendes Leitmedium des Landes erhalten zu haben". Unter der vorhergehenden Regierung sei es ihm etwa gelungen, "die Zerstörung des ORF so lange hinauszuzögern, bis sich die Regierung selbst zerstört hat". Recht klare Worte fand der gelöst wirkende Wrabetz zur Medienpolitik. Es sei ihm nicht gelungen, die "Dysfunktionalität" der heimischen und europäischen Medienpolitik zu "konterkarieren". Gleichzeitg sein größter Misserfolg.

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