Technik im Journalismus: 'Bete immer, dass Un...
 
Technik im Journalismus

'Bete immer, dass Unsere nicht kündigen'

Brunnbauer/Wache
Nicole Meier, Clemens Pig, Claudia Schanza und Martina Salomon (v.l.).
Nicole Meier, Clemens Pig, Claudia Schanza und Martina Salomon (v.l.).

Martina Salomon, Nicole Meier und Clemens Pig verrieten bei den Österreichischen Medientagen ihre jeweiligen technologischen (Zukunfts-)lösungen. Welchen Mitarbeitern in Redaktionen man bald viel Geld zahlen muss, welche ‚drögen Tätigkeiten‘ von KI übernommen werden – und wo Salomon aufgrund aktueller Ereignisse das Redaktionsgeheimnis verletzt und die Politik gefordert sieht.

Wie relevant Digitales in Nachrichtenagenturen wird, erläuterte Clemens Pig, Vorsitzender der Geschäftsführung APA, mit einem einfachen Vergleich: In der APA-Gruppe arbeiten 150 Mitarbeiter in der Redaktion, 150 Mitarbeiter im IT-Bereich. Vor zehn Jahren sei der rein journalistische Anteil noch ein größerer gewesen. Dass eine Nachrichtenagentur so stark im technischen Bereich angesiedelt sei, hält er für europaweit einzigartig. Bei der Erstellung und Vermarktung von Redaktionssystemen verlässt sich die APA auf die eigenen Fähigkeiten.

Das Video wird präsentiert mit Unterstützung der APA-Tech.

Trotz all der digitalen Relevanz zeigt sich Pig überzeugt, dass – auf Sicht – KI keinen einzigen Arbeitsplatz kosten wird. Diese sei eher dafür da, „dröge Tätigkeiten im Journalismus loszuwerden, um sich auf eigentliche Kernkompetenzen zu besinnen.“ Beim Zehn-Jahres-Ausblick gibt er sich optimistisch: Journalismus werde noch an Bedeutung zulegen, wie man es während Corona sehe.

'Die Leute zu finden, ist extrem schwierig'

Bei Tools, die Journalisten solche „drögen Tätigkeiten“ abnehmen, kommt Kurier-Chefredakteurin Martina Salomon etwa auf ein Transkriptions- sowie auch ein Analysetool zu sprechen, welches die Zugriffe und Lesedauer auf der Website evaluiere. Nun arbeite man daran, die Lesedauer beim User zu erhöhen. Generell wolle man den Leser noch genauer beobachten, „aber in Österreich fürchten wir uns alle eher noch vor der Datennutzung“. Salomon selbst sei noch mit dem „Bleisatz großgeworden“, jetzt setze man bei Geschichten zu Gemeinderatswahlen und Sportergebnissen („alles, was tabellarisch ist“), auch auf Roboterjournalismus, in Kooperation mit der APA.

Die Zukunft des Journalismus braucht ihr zufolge „mehr Brückenrollen; Menschen, die Journalismus und Technik verstehen“. Bei Größen wie der New York Times käme auf zwei Journalisten bereits ein digitaler Journalist. „Diese Leute zu finden, ist extrem schwierig, man muss ihnen viel Geld zahlen. Das wird den größten Kostenfaktor von Redaktionen ausmachen“. Sie selbst „bete immer, dass unsere nicht kündigen“, da sie stets von Konkurrenten wie Google oder auch der Werbebranche abgeworben werden könnten, „wo es vielleicht cooler ist“.

'Schade, dass Herr Fleischmann nicht da ist'

Salomon kommt auch auf die aktuelle Neuigkeit in der „Causa Christian Pilnacek“ zu sprechen, wobei nun der Chatverlauf zwischen dem suspendierten Justiz-Sektionsleiter und einer Kurier-Journalistin, welche laut Salomon reine Recherche betrieben habe, veröffentlicht wurde. „Das ist eine Ungeheuerlichkeit, weil hier das Redaktionsgeheimnis geopfert wird. Würde das in Polen oder Ungarn passieren, würden wir in Österreich seitenweise Artikel dazu publizieren. Das ist ein Einschüchterungsversuch gegen den Journalismus, gegen den wir uns wehren müssen.“ Hier sei auch die Justizministerin gefragt sowie die Politik insgesamt. „Schade, dass Herr Fleischmann heute nicht da ist." Der Kanzlerbeauftragte für Medien im BKA hatte seine Panel-Teilnahme bei den Österreichischen Medientagen kurzfristig abgesagt.

'Sollten nicht zulasten des Kerngeschäfts gehen'

Den Blick aus der Schweiz brachte Nicole Meier, Chefredakteurin der Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA, mit auf die Bühne. Keystone-SDA ist unter anderem Technologiepartner der APA, deren eigenentwickeltes Redaktionssystem man auch übernommen habe. Allerdings handelt es sich hier um eine mehrsprachige Agentur, nachdem Französisch implementiert wurde. Silofrei ist die Redaktion in der Schweiz noch nicht, „alle haben noch ihre Stammbereiche, die Textredaktore, Fotografen und VJs. Bei planbaren Ereignissen stellt jeder selbst sein Produkt her, in Nachhinein werden alle Produkte zusammengeführt.“

Weiters verfüge die Agentur über ein „Ready to publish“-Tool, wonach auf einen Knopfdruck Definiertes auf den Medienseiten selbst ohne Umwege veröffentlicht werden kann. Generell ortet Meier neue Bedürfnisse bei den Medien. Die Frage drehe sich um die Monetarisierung und zu wessen Lasten dies gehe. Von Moderatorin Claudia Schanza danach gefragt, wie firm die älteren Mitarbeiter mit den neuen technischen Lösungen seien, argumentiert sie mit der Freiwilligkeit im Team: „Tools sollten nicht zulasten des Kerngeschäfts gehen, dann ist die Akzeptanz recht hoch.“

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