Printzukunft: 'Wenn man die Zeichen der Zeit ...
 
Printzukunft

'Wenn man die Zeichen der Zeit erkennt, ist die Zukunft besser als ihr Ruf'

Wache/Brunnbauer
V.l.n.r.: Andreas Wrede, Moderatorin Marlene Auer, Andreas Kornhofer und Helmut Schoba.
V.l.n.r.: Andreas Wrede, Moderatorin Marlene Auer, Andreas Kornhofer und Helmut Schoba.

Schluss mit Jammern hieß es bei den Österreichischen Medientagen bei der Debatte über die Zukunft von Print mit Andreas Wrede, Andreas Kornhofer und Helmut Schoba.

Eigentlich wollte er eine messerscharfe Analyse liefern, begann Andreas Wrede seine Rede bei den Österreichischen Medientagen. Stattdessen erzählte der Chefredakteur des Max Magazins eine "kleine Geschichte, warum mir Print Spaß macht." Für ein Interview in seinem Magazin schickte ihm Giorgio Armani vergangenes Jahr eine Dankeskarte - ganz altmodisch per Post. Als er ein Foto davon auf sozialen Medien teilte, gab es viele positive Reaktionen, vor allem, dass der Dank auf Papier kam: "Immer wieder tauchten Formulierungen auf: In diesen digitalen Zeiten tut uns das gut." Daher sollte man aufhören "uns selber ins Grab zu reden. Wenn wir uns der großen Stärke von Print immer gewärtig sind, dann wird es uns auch noch eine ganze Weile geben. Was wir können, ist, dass wir Geschichten erzählen können. Wenn wir das authentisch, aufrichtig, intelligent und wahrhaftig tun, dann werden wir in Zukunft auch noch gelesen werden."
Das Video wird präsentiert mit Unterstützung der APA-Tech.

Was zähle sei vor allem die Qualität. "Ich vermisse oft das Herzblut und die Leidenschaft", sagte Wrede. Die Leser würden es merken, wenn etwas mit Leidenschaft gemacht werde. Dass in vielen Printhäusern der Druck auf Journalisten immer stärker werde, Redakteure gleichzeitig Print und und Online machen müssen, übertrage sich letztlich auch auf das Produkt.

’Wir denken immer in Markenwelten’

Widerspruch bei der anschließenden Diskussion mit Andreas Kornhofer vom Red Bull Media House Publishing und Helmut Schoba von der Verlagsgruppe News, hatte Wrede nicht zu erwarten. "Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht ins Koma jammern", sagte etwa Kornhofer. Für ihn sei wichtig, dass man aufhören müsse, Print isoliert zu sehen: "Wir denken immer in Markenwelten."

Printprodukte würden heute ganz anders funktionieren als früher, aber "wenn du es schaffst in Print Dinge zu tun, die es woanders nicht gibt, dann brauchst du Dir Null Gedanken über den Erfolg von Print machen." Bei allen Veränderungen mache er sich daher keine Sorge über die Zukunft von Print: "Wenn man die Zeichen der Zeit erkennt, ist die Zukunft besser als ihr Ruf. Wenn man sich eine Marke als Haus vorstellt und dieses Haus steht auf einer einzigen Säule, dann hast Du ein Problem." Der erste Touchpoint bei carpe diem sei etwa mittlerweile der Podcast: "Die Gefahr ist immer auch, dass man Digital von Print wegdenkt, das geht immer schief."Auch Wrede mahnte: "Wenn Sie heute ein größeres Printhaus haben, haben Sie hoffentlich angefangen, sich rechtzeitig zu diversifizieren. Die Vorstellung, man könnte nur ein reines Printhaus sein, ist schon länger vorbei."

In der Verlagsgruppe News habe man die vergangenen beiden Jahre genutzt, um das Haus nach Communitys auszurichten und "alles diesem Community-Gedanken unterordnen", sagte Schoba. Es reiche nicht mehr von Print und Digital oder Print oder Digital zu sprechen: "Wir sprechen von Multi-Analog und Multi-Digital." Das können etwa auch Events oder ein Newsletter sein: "Wir müssen schauen, wo wir einen Zugang finden."

"Die Refinanzierung einer Marke kann sehr stark über Print und in anderen Bereich ganz stark über Digital oder Events getrieben sein", sagte Kornhofer. Der wesentliche Punkt sei: "Wir leben in einer übermedialisierten Gesellschaft. Das heißt, du gewinnst, wenn du unverwechselbar bist."
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