Next Generation TV: Regulatorische, technisch...
 
Next Generation TV

Regulatorische, technische und ressourcenintensive Fragen

Brunnbauer/Wache

Neue Übertragungstechnologien wie 5G-Broadcast ermöglichen den TV-Plattformen innovative Kundenservices. Welche Rolle kann Österreich spielen und sind die regulatorischen Maßnahmen getroffen?

Die Verschränkung von klassischem Fernsehen mit digitalen Möglichkeiten lockt mit neuen Potenzialen. Wie sich Distribution und Rezeption künftig gestalten und Technologie den dafür zentralen Treiber darstellt, darüber diskutierten Michael Ogris, Vorsitzender der Kommunikationsbehörde Austria, RTR, Michael Wagenhofer, Geschäftsführer und Sprecher, ORS und Matthias Lorenz, Chief Transformation, Market & Corporate Functions Officer, A1 Telekom Austria unter der Leitung von Silvia Grünberger.

Das Video wird präsentiert mit Unterstützung der APA-Tech.

Alle Screens zu allen Zeiten

Zu Beginn der Diskussion bestätigte Matthias Lorenz von A1 die allgemein bekannten Trends, die rund um die Zukunft des Bewegtbild immer wieder zu hören sind: „Wenn wir in unserem Netz die Zahlen ansehen, dann bestätigt es viele Thesen. Seit dem ersten Lockdown ist der Netzdurchsatz in die Höhe geschossen.“ Die Peak-Hour sei von 19 auf 13 Uhr vorgerückt, der Konsum von Video dramatisch angestiegen. „Die Zukunft ist IP und nur IP, alles andere hat keine Zukunft. Die Zukunft lautet: Alle Screens zu allen Zeiten, in Badezimmerspiegeln, Brillen, egal wo“, so der klare Ausblick.

Die Behörden stellt der rasante Wandel natürlich vor eine Herausforderung, wie auch Michael Ogris von der RTR bestätigte: „Es ist noch gar nicht so lange her, da haben wir analoges Privat-TV zugelassen. Manche Sachen sind regulatorisch schnell zugelassen worden, sind aber vom Konsumenten nicht angenommen werden. Der Auftrag lautet: Auf allen Plattformen das Sehen von Inhalten ermöglichen.“ Die Digitalisierung schreitet voran, die Hauptaufgabe bleibt die gleiche: „Man wird gewisse regulatorische Aufgaben immer überprüfen müssen, etwa ob gewisse Mechanismen eingehalten werden.“

Lineares TV: Gekommen um zu bleiben

Der Tod des linearen TVs wurde oft vorausgesagt, genauso oft aber auch wieder verschoben. Laut Michael Wagenhofer zeigt die aktuelle Nielsen-Studie „The Gauge“, dass lineares TV kein Auslaufmodell sei. „Es wird weiterhin eine wesentliche Rolle spielen. Die neuen Technologien befeuern lineares TV und umgekehrt.“

Aus Sicht von Lorenz von A1 gibt es aktuell zwei Dimensionen, die zeitnah Entscheidungen brauchen: „Das ist der technische und der regulatorische Ausbau. Das sind Themen, die jetzt entschieden werden müssen und sich auf die nächsten Jahre auswirken werden. Es gibt die Chance im Zusammenschluss diese Themen voranzutreiben.“

Werbe-Wertschöpfung

Ein Thema der Diskussion war auch, ob die neue Technik auch etwas an der Abwanderung der Werbe-Wertschöpfung – Stichwort Google, Facebook & Co ändern kann. Lorenz: „Wenn wir hier auf Europa warten, ist das Thema gegessen. Ich war erschüttert, als wir die Werbezahlen aus Österreich bekommen haben. Wenn das die nächsten Jahre so weiterwächst, ist es das Ende von klassischer Werbung in Österreich.“ Es brauche einen nationalen Werbeserver, der zulässt, dass die Wertschöpfung in Österreich bleibt und auf allen Plattformen buchbar ist.

5G Broadcast

Und welche Rolle spielt 5G Broadcast in der Zukunft? Wagenhofer: „Wir haben seit Ende 2019 einen Testbetrieb in Wien laufen, zunächst geht es hier um technische Fragen. Jetzt geht es darum, welche Anwendungen man damit unterstützen kann.“ 5G Broadcast sei IP-fähig, es komme aber über den Rundfunk-Weg zum Kunden. Hier liege auch der mögliche Weg, um den digitalen Pionieren die Stirn zu bieten: „Der Erfolg von Netflix liegt nicht nur in den Originals, sondern vor allem in der Usability. Mittlerweile sind sie überall vorprogrammiert und es gibt eigene Netflix-Tasten auf den Fernbedienungen.“

Eine gemeinsame Plattform wäre ein wichtiger Schritt. „Wenn es dem Kunden wieder einfacher gemacht wird, Inhalte aufzufinden und zu konsumieren, dann wird Fernsehen wieder eine wichtigere Rolle spielen. In England diskutieren gerade die Sender darüber, eine gemeinsame Plattform zu betreiben, um die eigenen Inhalte vorzureihen“, so Wagenhofer abschließend.

Und regulatorisch? „Der Medienkonsum wie etwa im Fahrzeug wird immer mehr, es müssen dann halt auch die Ressourcen da sein. Wenn wir das wollen – es geht um Informationsfreiheit, Vielfalt – müssen wir Vorsorge treffen, wohin der Weg geht.“
Technisch sollte einem neuen Bewegtbilderlebnis nichts im Wege stehen. „Wir investieren derzeit rund 500 Mio. Euro pro Jahr in die Infrastruktur. Die Netze in Österreich sind auf eine hohe Last ausgelegt. Aber natürlich müssen wir zusehen, das investierte Geld zurückzuverdienen“, so Lorenz.

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