Filmstandort Österreich: Anreizmodelle und Al...
 
Filmstandort Österreich

Anreizmodelle und Allianzen

Johannes Brunnbauer

Auf dem Panel 'Europa als Hollywood – Vision oder Realität?' diskutierten Expertinnen und Experten darüber, wie es um den Filmstandort Österreich steht, wie junge Talente gewonnen werden können und wie man mit der Marktmacht der Streamingdienste umgehen sollte. 

„Sollen wir uns Hollywood annähern?“, fragte ORF-III-Moderatorin Ani Gülgün-Mayr zum Auftakt des Panels "Europa als Hollywood - Vision oder Realität".

Das Video wird präsentiert mit Unterstützung der APA-Tech.

Wie es um die österreichische Filmlandschaft im Vergleicht zu Hollywood steht, welche Rolle großen Streamingdienste dabei mittlerweile spielen, diskutierten auf der Bühne Eva Schindlauer Geschäftsführerin und CFO von ORF III Kultur und Information, Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Obmann Fachverband der Film- und Musikwirtschaft in der WKÖ und Geschäftsführender Gesellschafter der Amour Fou Filmproduktion, UFA-CEO Nico Hofmann, Oliver Stribl, Geschäftsführer Fachbereich Medien RTR, und Carlos Gerstenhauer, Abteilungsleiter Kino Bayerischer Rundfunk.

Auch wenn viele österreichische Regisseure in den USA sehr erfolgreich seien, verfüge man hier nicht über die Produktions- und Marketingbudgets, um in diesem Sinne mitzuhalten, meinte Dumreicher-Ivanceanu. Aber: „Unsere Stärke ist die Kreativität.“ Das habe Österreich trotz Corona und in der Coronapandemie gezeigt. Gerstenhauer meinte mit Blick auf Österreich: „Das klassische Hollywood hat Europa aus dem Fokus verloren, der asiatische Markt ist tonangebend.“ Es mit Hollywood wirklich aufnehmen zu können, das ginge nur mit joint forces. Man müsse europaweit mehr zusammenarbeiten. „Länderübergreifend passiert zu wenig, aber das wären dann die Produktionen, die es mit Hollywood aufnehmen könnten.“ Hoffmann ergänzte, man müsse weg vom „Epizentrum Hollywood“ und an ein weltweites produzieren denken.

Gülgün-Mayr kam daraufhin auf eine potenzielle Abgabe der Streamingdienstleister zu sprechen, etwa nach dem Schweizer Modell. Schindlauer stehe einer Investitionsverpflichtung positiv gegenüber, betont sie, wenn man den Umsatz mache, den die Streamer machen. Dumreicher-Ivanceanu stimmte einer Pflichtabgabe zu. Hier sei nun der österreichische Gesetzgeber gefordert, eine Lösung zu finden. „Was in Österreich fehlt, ist ein Anreizmodell, mit dem wir internationale Produktionen beheimaten und gleichzeitig das nationale Kino stärken können.“ Wenn Streamer Produktionen ankündigen, sollte man alles daransetzen, diese hierher zu bekommen.

Gerstenhauer fügte zum Thema Finanzierung hinzu: „Es geht nicht mehr um die Frage ob Hollywood oder nicht Hollywood, sondern darum, im Geschäft zu bleiben.“ Man müsse Kreative binden, die immer häufiger abgeworben werden. Man müsse mehr Kooperationen schaffen statt nur neidvoll auf die Streamer zu schauen. „Was die Streamer geschafft haben, ist, dass junge Leute internationales Kino kennenlernen.“ Mit Allianzen könne man den Streamern Paroli bieten, stimmte auch Hofmann zu.

Neuer Zugang zum Kunden

„Es gibt einen beinharten Wettbewerb im Bewegtbild“, meinte Stribl. Heute komme es auch stark darauf an, wie der Content vertrieben wird. „Netflix beispielsweise stellt ganze Staffeln auf einmal online.“ Lineares TV müsse sich mehr mit seinen Streamingplattformen auseinandersetzen. Der Zugang zum Kunden werde zukünftig nicht nur von Content getrieben sein, sondern auch von anderen Faktoren.

„Wo wird der Filmstandort Österreich in fünf Jahren stehen“, fragte die Moderatorin Gülgün-Mayr zum Schluss. „Netflix ist unser Konkurrent, aber es gilt nun, die Konkurrenz wegzuschieben und etwas gemeinsames daraus zu machen, egal ob ORF, Private oder Streamer“, sagte Schindlauer. Es brauche eine gemeinsame Anstrengung für den Filmstandort Wien. „Da schließe ich mich an“, so Dumreicher-Ivanceanu. „Es geht nur gemeinsam. Wir brauchen ein Anreizmodell.“ Zudem müsse das österreichische Fernsehen diverser und weiblicher werden. Und was Wien betrifft: „Die Talente sind da, wir müssen an den Strukturen arbeiten.“ Es sei auch gar nicht nötig, Hollywood zu werden, erklärte Stribl. „Wir haben großartige Voraussetzungen.“ Nur die Thematik der Verbreitung liege zum Teil noch auf anderen Ebenen, die auch auf gesetzlicher und europäischer Ebene geklärt werden müssten.



Johannes Brunnbauer

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