Das war Tag zwei: Medien im Wandel plus die B...
 
Das war Tag zwei

Medien im Wandel plus die Bilder der Medientage

Johannes Brunnbauer

An Tag zwei der 28. Österreichischen Medientage dominierten Themen wie Kreativität, Innovation und Transformation der Medienbranche durch neue Technologien. Plus die Besten Bilder des Tages zwei. 

In der ersten internationalen Keynote des Tages sprach Pietro Supino, Verwaltungspräsident der Schweizer TX Group, wie gerne er nach Österreich und Wien gekommen sei. Für ihn steht fest: "Wenn wir die Zukunft gestalten, sollten wir das immer mit einem Bewusstsein für die Geschichte zu machen", sagte Supino, um gleich anzufügen: "Wichtiger als wo wir herkommen, ist, wo wir hinwollen. Wir sollten uns selber immer wieder in Frage stellen und Neues wagen." Insbesondere in der Medienbranche, die sich im Umbruch befindet.

In der anschließenden Diskussion sprach sich auch Styria-Chef Markus Mair dafür aus, Wissensnetzwerke über die eigen Gruppe hinaus zu bauen. Es gäbe zwei Weltanschauungen: Einerseits, dass Journalismus nur teuer sei und Geld koste und andererseits, dass Journalismus ein großes Asset ist. Die Styria vertrete letztere Ansicht. Aber, so Mair, gesundes Betriebswirtschaften sei eine wesentliche Grundlage für journalistische Überlebensfähigkeit. Auch Supino staunt "immer über die Vorstellung, dass Qualität und Wirtschaftlichkeit im Widerspruch zueinander stehen."

Frederik Pferdt, Chief Innovation Evangelist bei Google sprach in einer Live-Schaltung aus Kalifornien im Talk mit HORIZONT-Chefredakteur Jürgen Hofer über seine Mission: Kreativität und Innovation im eigenen Unternehmen. Gleich zu Beginn stellte Pferdt unmissverständlich fest: „Ich bin überzeugt, dass Kreativität in uns allen existiert. Jeder Mensch hat das Potenzial, es freizusetzen. Man muss dazu ein Mindset entwickeln, sich immer wieder neu zu erfinden.“

In den Panels "Neue Plattformen versus etablierte Player" ging es um die Frage, wie die Rolle der Neuen zu bewerten ist und sie Journalismus verändern. Darüber diskutierten unter der Leitung von Gundula Geiginger von Puls 4 in zwei Panels Vertreterinnen und Vertreter beider Seiten. „Ich habe das Ende der Parteizeitungen erlebt und sehe jetzt das Revival im Online-Bereich. Das sind Blogs, die auf der Payroll von Parteien stehen und eine politische Agenda verfolgen. Das ist Journalismus mit Spin“, begann Michael Jungwirth, Stellvertretender Chefredakteur, 'Kleine Zeitung', die Diskussion gleich mit einer Breitseite gegen Parteimedien, und ging in die Offensive: „Eine Meldung der APA würde ich ungeschaut übernehmen, bei einem Beitrag von ZackZack, Zur Sache, Exxpress oder Kontrast bin ich vorsichtig.“ Für Claus Reitan von zur-sache.at gäbe es "keine politische Agenda, sondern nur eine publizistische."

Schon etwas klarer fiel die Trennung zwischen Journalismus und Parteiblog im zweiten Panel. Patricia Huber, Chefredakteurin von kontrast.at, meinte dazu unmissverständlich: „Im weitesten Sinn bin ich eine politische Aktivistin, ich habe mich noch nie als Journalistin vorgestellt. Wir wollen das Ungleichgewicht, das es in den Medien gibt – es gibt einen bürgerlichen Überhang – ausgleichen." Kontrast habe diese Lücke gefüllt, "es kamen dann andere kritische Medien dazu.“


Strategien gegen digitale Verschwörer und was die Medien gegen diese unternehmen können, war Thema einer von Corinna Milborn moderierten Debatte 'Alles Fake!!!111'. Am Podium Christian Nusser, Chefredakteur der Gratis-Tageszeitung 'heute', Isabel Russ, Digital-Chefin des 'profil', und Katharina Nocun, Autorin und Online-Aktivistin. Plus: 'Profil' kündigt Faktenchecker-Unit 'Faktiv' für 1. Oktober an. Inwieweit sollten Medien alternativen Fakten - etwa zum Thema Impfen - eine Plattform geben? Nusser gibt hier auch Fehler zu: "Medien haben sehr vorsichtig agiert und etwa Impfzwischenfälle zu wenig kommuniziert." Es sei notwendig, den Menschen die komplette Wahrheit zu präsentieren. Was Nocun so nicht stehen lassen will: "Die Kommunikation hat funktioniert - offene Fragen zu Medikamenten und Nebenwirkungen der Impfung wurden unglaublich gut abgebildet." Dennoch gebe es weiterhin das Verschwörungsnarrativ, nachdem es in Medien keine Möglichkeit gäbe, sich kritisch zu äußern.

Im Kampf um die Talente von morgen sprachen GDW-CEO Tijen Onaran und Angelika Gifford, Facebooks Vizepräsidentin für Zentraleuropa, über Frauen in der Tech-Branche und New Leadership, unter der Moderation von Rainer Nowak, Geschäftsführer und Chefredakteur 'Die Presse', auf dem Panel "Digital.Tech.Leadership". Digitalisierung ginge die gesamte Gesellschaft etwas an, insbesondere Frauen. An Unternehmen appellierte Gifford: "Sie müssen verstehen, dass Diversität ein Wirtschaftsfaktor ist." Denn: Der „War for Talents“ würde immer härter werden, leitet Nowak über. Was braucht es, um junge Talente für das eigene Unternehmen zu gewinnen? Gifford ist überzeugt, dass "hybride Arbeitsmodelle eine große Rolle für zukünftige Arbeitnehmer spielen" werden.

Österreichische Medientage 2021: Das war Tag zwei in Bildern

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