Werbeverbot-Debatte: 'Umso befremdlicher sind...
 
Werbeverbot-Debatte

'Umso befremdlicher sind die Vorstöße mancher Lobby-Gruppen'

VÖZ
Sieht Werbeverbote als wenig adäquate Maßnahme und fordert stattdessen gemeinsame Initiativen: Gerald Grünberger, VÖZ-Geschäftsführer.
Sieht Werbeverbote als wenig adäquate Maßnahme und fordert stattdessen gemeinsame Initiativen: Gerald Grünberger, VÖZ-Geschäftsführer.

Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Zeitungen VÖZ, übt per Kommentar Kritik an vorschnellen Werbeverboten - diese seien "schlichtweg realitätsfremd und wenig effektiv" 

Das Schema ist immer das Gleiche: Sowohl in Brüssel als auch hierzulande besteht oftmals die „einfache“ Lösung sogenannter unerwünschter gesellschaftlicher Entwicklungen in einem Ruf nach Werbeverboten. Die Schuldigen an solchen Entwicklungen sind ebenso schnell ausgemacht: allen voran die Medien. Egal ob es sich um Tabak, Alkohol, Autoreifen etc. handelt. Aktuell betrifft es den Lebensmittelbereich.


Konkret geht es bei der Umsetzung der europäischen Audiovisuellen Mediendienste- Richtlinie um einen verstärkten Schutz von Kindern vor Werbeinhalten. In diesem Zusammenhang wird von der Medien- und Lebensmittelindustrie seit vielen Jahren erfolgreich auf das Konzept der Selbstregulierung gesetzt. Der Verband Österreichischer Zeitungen hat sowohl im Interesse des mündigen, selbstbestimmten Konsumenten als auch einer freien, wettbewerbsorientierten Marktordnung dieses Konzept stets unterstützt. Umso befremdlicher sind die Vorstöße mancher Lobby-Gruppen drakonische Werbeverbote für Lebensmittel – zunächst für Kinder, später dann wohl für alle – verordnen zu wollen. Dies obwohl seit langem klar ist, dass Werbung zwar den Konsum erhöht, jedoch Werbeverbote nicht zwingend das Gegenteil bewirken.

Werbeverbote für klassische Medien führen lediglich dazu, dass andere Kanäle wie Social Media davon kommerziell profitieren. Gerade Kinder und Jugendliche nutzen globale Mediendienste und non-lineare Streamingangebote, die sich der österreichischen Regulierung entziehen. Werbeverbote sind daher schlichtweg realitätsfremd und wenig effektiv. Selbstverständlich könnte man nun einwenden, dass durch erhöhten Medienkonsum weniger sportliche Betätigung in der Freizeit erfolgt. Hier liegt jedoch zugleich die Chance, statt einer Verbotskultur, ein positives Meinungsklima für mehr Sport und ausgeglichener Ernährung zu erzeugen. Kampagnen der öffentlichen Hand im Schulterschluss mit Industrie, Medien, Schulen und Gesundheitsbetrieben könnten deutliche Impulse setzen. Motivation statt Verbot. Eine Maßnahme, die nebenbei auch die coronabedingt krisengeschüttelte Wirtschaft nicht schwächen, sondern stärken würde.

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