Krisenkommunikation: Medientraining für Mücks...
 
Krisenkommunikation

Medientraining für Mückstein

Horizont
HORIZONT-Herausgeberin Dagmar Lang.
HORIZONT-Herausgeberin Dagmar Lang.

Mückstein liest sogar 'meine Damen und Herren' vom Zettel, auf den er ständig schaut, statt in die Kamera und zu den Menschen. Als Arzt müsste er doch ohne Hilfe frei und authentisch sagen können, was jetzt Sache ist.

Während Bundeskanzler Karl Nehammer den beiden "Quälgeistern" Armin Wolf und Corinna Milborn im "ZIB"-Interview wirklich gut Paroli bieten konnte, sollte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein die Weihnachtsfeiertage für ein gutes Medientraining nutzen. Sein "ZIB 2"-Interview gehört zu den Schlimmsten, das ich zum Thema Krisenkommunikation gesehen habe – und ich bin schon 40 Jahre in der Branche. Seine Auftritte bei Pressekonferenzen sind leider alles andere als souverän. Dabei hatte ich große Hoffnung, dass ein Arzt als Gesundheitsminister in der Pandemie als Experte den Menschen authentisch erklären kann, warum sie jetzt was tun müssen und/oder nicht tun dürfen. Wie ein guter Mediziner einem Patienten die Diagnose in ruhigen, verständlichen Worten erläutert, Ratschläge gibt und bestenfalls auch noch motiviert, sich daran zu halten. Das werden die meisten Menschen auch dann tun, wenn er sie überzeugen konnte. Mückstein hingegen liest sogar "meine Damen und Herren" vom Zettel, auf den er ständig schaut, statt in die Kamera und zu den Menschen. Als Arzt müsste er doch ohne Hilfe frei und authentisch sagen können, was jetzt Sache ist.


Doch Mückstein hat nicht nur seine Medienauftritte nicht im Griff, sondern auch sein Ministerium nicht. Am Wochenende waren auf der entsprechenden Seite  noch veraltete Corona-Maßnahmen zu lesen, zum Beispiel, dass die Sportstätten indoor geschlossen sind. Auf Anfrage am Sonntag teilte mir die Pressestelle am Montag mit, dass die Seite erst aktualisiert werden muss. Der Link, den sie mitschickte, führte wieder zu den veralteten Informationen. Haben wir in zwei Jahren Pandemie nicht gelernt, dass die Kommunikation passen muss?

Geradezu als Schildbürgerstreich liest sich die jüngste Empfehlung des Ministeriums. Egal wie oft geimpft müssen Menschen, die mit einer mit Omikron infizierten Person Kontakt hatten, für 14 Tage in Quarantäne, dürfen sich nicht freitesten und müssen daheim Masken tragen. Die Frage, wer die häusliche Maskerade kontrollieren soll, zeigt, dass den Beamten offenbar der Hausverstand abhanden gekommen ist. Und wie motivierend solche drakonischen Maßnahmen auf die Zögerer und Zauderer bei der Impfung wirken, wenn es eh egal ist, wie oft man geimpft ist, will ich mir gar nicht ausmalen. Bevor uns die Omikron-Welle überrollt, sollte Mückstein sich und seine Beamten auf Schiene gebracht haben. 

stats