Kettenreaktionen im Internet
 

Kettenreaktionen im Internet

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Diese Woche geht's bei Walter's Weekly um heiße Gefühle im Netz und Digitalmärkte in Daten

Digitale Lauffeuer: Heiße Gefühle brennen heftiger

Bisher ist es noch niemandem gelungen, vorherzusagen, welche Ideen/Inhalte sich im Internet rasant ausbreiten. Baby- und Katzenfilmchen erzielen immer wieder erstaunliche Klickraten. Den größten Erfolg heimste das seltsame südkoreanische Pop-Phänomen „Gangnam Style“ ein: Das erste Video, das auf YouTube 1 Milliarde Hingucker anzog (mittlerweile sind es sogar 2 Milliarden Views, ab da haben sie zu zählen aufgehört).

All diese Hits scheinen herzlich wenig gemeinsam zu haben. Es gibt aber mittlerweile Datensätze, die Hinweise darauf erlauben, was einen viralen Erfolg fördert:

1. Klar ist, dass Gefühle angesprochen werden müssen. Freude wird wesentlich rascher herumgereicht als Traurigkeit oder Abscheu. Am schnellsten aber breitet sich Zorn aus.

2. Geschlecht und Alter bestimmen natürlich mit, welche Emotionen ankommen. Ein Mix, der sowohl positive als auch negative Gefühle enthält, wird eher weitergereicht. Junge Zielgruppen sind übrigens gar nicht so scharf auf rein positive Inhalte; was sie wollen, ist, überrascht zu werden (guter Hinweis für Marken!).

3. Wenn es um Texte geht, werden längere Inhalte (zwischen 3.000 und 10.000 Wörtern) viel häufiger weitergegeben als Kurztexte (unter 1.000 Worte).

4. Simple Ideen breiten sich oft wie Strohfeuer aus, wenn sie visuell leicht verständlich sind. Noch eher, wenn sich damit der Eindruck einer guten Tat verbinden lässt. In diesem Sommer war ein Kübel Eiswasser über den Kopf (für einen guten Zweck) geradezu ein Muss, dem sich zahlreiche Promis nicht entziehen konnten. Die aufgenommenen Videos wurden wie wild veröffentlicht, während die dahinterstehende Einrichtung, die im selben Zeitraum des Vorjahres nur 50.000 Dollar an Spendengeldern eingenommen hatte, nun über 15 Millionen Dollar erhielt.

5. Es gibt keine besonderen Sprachelemente in Artikelüberschriften, die ein Weiterreichen garantieren würden. Am besten kommen, zumindest in den USA, Superlative wie „größte“, „beste“, „lustigste“ an.

6. Teenager orientieren sich ungemein an YouTube-Stars, die in der breiten Öffentlichkeit oft gar nicht bekannt sind. Auch Kaufempfehlungen aus dieser Richtung kommen bei den jüngeren Jahrgängen eher an als Testimonials von Mainstream-Promis.

7. Für Marken ist Humor immer noch der eheste Garant, dass Botschaften Beachtung finden. Unter den zehn laut „Time“-Magazin am meisten herumgereichten Videos im Jahr 2014 fallen deren sieben in die spaßige Kategorie. IKEA Singapur bewerkstelligte übrigens 13,8 Millionen YouTube-Views mit ihrer Parodie eines typischen Apple-iPhone-Auftritts.

http://contently.com/strategist/2014/12/15/7-things-we-learned-about-viral-content-in-2014/

https://www.youtube.com/watch?v=MOXQo7nURs0

Digitalmärkte in Daten


Laut dem jährlichen Bericht der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom erzielte die Telekommunikationswirtschaft im Jahr 2013 einen globalen Umsatz von circa 1.500 Milliarden Euro. Ein Plus von 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Von den vier untersuchten Sektoren – Post, Telecom, Fernsehen und Radio – wuchsen TV-Umsätze mit +3,1 Prozent am besten.

Ansonsten entwickeln sich die digitalen Märkte extrem unterschiedlich:

# Smartphones sind in Europa besonders in Spanien und Italien verbreitet.

# Großbritannien führt im Bereich Digitalradio (DAB) aufgrund dezidierter Digitalkanäle sowie der guten technischen Verbreitung: 95 Prozent der Haushalte können DAB empfangen.

# Fernsehvielfalt ist unter den Verbrauchern extrem unterschiedlich gefragt: Während in den USA die Top-5-Kanäle nur ein Viertel der TV-Haushalte vereinnahmen, sehen in Japan 80 Prozent(!) bloß die fünf beliebtesten Kanäle und sonst fast gar nichts. In Deutschland beschlagnahmen die fünf begehrtesten Programme 57 Prozent der Seherschaft.

# Amerika hat immer noch die meisten Fernsehsüchtigen: Der durchschnittliche TV-Konsum pro Kopf und Tag beträgt enorme 293 Minuten, Japan (265 Minuten) und Italien (261 Minuten) folgen nicht weit dahinter. Vergleichsweise wenig sehen die Schweden fern (bloß 159 Minuten – sind aufs Jahr hoch gerechnet um über 800 Stunden weniger Glotzenkonsum als bei den Amerikanern).

# Im Bereich E-Commerce ist Großbritannien weit voran: Der Online-Jahresumsatz pro Kopf beträgt etwas über 2.400 Euro. Weit dahinter die Nummer 2, Australien, circa 1.700 Euro, gefolgt von den USA (etwas über 1.450 Euro). Deutschland und Frankreich kommen nur auf rund 1.150 Euro Online-Umsatz pro Kopf und Jahr. Extrem weit zurück ist Italien mit gerade einmal 270 Euro, die südlich des Brenners für Online-Transaktionen aufgewendet werden.

# UK führt auch im Sektor Internet-Werbung, die bereits einen Umfang von 40 Prozent an den Gesamtwerbeausgaben erreicht hat. Auch in den Niederlanden, Schweden und Australien sind die Digitalwerbeumsätze hoch, während sie in Italien und Deutschland noch keine 25 Prozent erreichen.

# Im Bereich mobiler Werbung kommt Großbritannien auf 19 Euro pro Kopf; ähnlich hoch sind die Investitionen in den USA. In Japan und Australien macht mobile Werbung rund 10 Euro pro Kopf und Jahr aus. In Deutschland und Schweden sind dagegen die Investitionen in mobile Werbung bescheiden: circa 5 Euro. Überall sonst hinken die Märkte noch weiter hinterher, besonders auffällig in Frankreich und Holland, wo man anscheinend Werbung am Handy wenig akzeptiert.

Quelle:

http://stakeholders.ofcom.org.uk/market-data-research/market-data/communications-market-reports/cmr14/international/

[Walter Braun]
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