Gastkommentar von Claudia Zettel: Die Erde is...
 
Gastkommentar von Claudia Zettel

Die Erde ist eine Scheibe!

Kurier

Verschiedene Meinungen können wir alle haben, verschiedene Fakten nicht. Trotzdem gibt es den Trend zur sogenannten "False Balance" in vielen etablierten Medien, meint Futurezone-Chefredakteurin Claudia Zettel im HORIZONT-Gastkommentar.

Ein Thema erhält seit langer Zeit überproportionale, gar monopolhafte Aufmerksamkeit: Die Annahme, die Erde sei rund, eine Kugel. Doch diese Auffassung ist nicht die einzige Theorie zu unserem Planeten, es gibt auch andere - So sind manche Theoretiker der Ansicht, dass die Erde entgegen der Mainstream-Meinung doch flach sein könnte. Wird uns hier von Regierungen und Wissenschaft etwas vorenthalten? Die Antwort ist nicht eindeutig, denn letztlich ist es Normal-Bürgern nicht möglich, den endgültigen wissenschaftlichen Beweis für die eine oder die andere Behauptung selbst zu erbringen. Oder haben Sie schon einmal die Erde vom Weltall aus gesehen und sich selbst ein Bild machen können?


Anstatt mit Aggression auf jene zu reagieren, die die Auffassung einer flachen Erde vertreten, sollten wir mit diesen Menschen ins Gespräch kommen und die Fakten nachprüfen. Womöglich ist hier in der Wissenschaft noch nicht alles endgültig erforscht. Selbst bekannte Persönlichkeiten, man nehme etwa den sehr erfolgreichen Künstler Xavier Naidoo, sind der Ansicht, dass die Erde nicht rund sein kann. Würde eine prominente Person tatsächlich den eigenen Ruf riskieren, wenn es sich bei der Flat-Earth-Theorie um reinen Humbug handelte, wie man uns glauben machen will? Denken Sie selbst einmal darüber nach. Man muss die Fragen stellen dürfen in einer offenen Gesellschaft und sollte sich nicht vor Meinungen fürchten, die nicht der eigenen entsprechen.

'Vielfalt statt vorgefertigtes Denken!'

Auch in der christlichen Lehre, die nach wie vor die Grundlage für viele Menschen der westlichen Welt bildet, ist die Annahme, die Erde sei flach, historisch tief verankert. Und obwohl Gegner der Theorie massiv versuchten, Menschen der Flat-Earth-Society mundtot zu machen, erhält die Auffassung in den vergangenen Jahren wieder mehr Aufmerksamkeit. Der richtige Schritt kann also nur sein, diese Menschen ernstzunehmen, ihnen zuzuhören und den aktuellen Stand der Wissenschaft zu hinterfragen. Ausgrenzung kann nicht der Weg sein, vielmehr Bedarf es Solidarität mit jenen Menschen, die alternative Ideen und Gedanken beisteuern. Vielfalt statt vorgefertigtes Denken!

Stimmen Sie mir zu? Oder fragen Sie sich jetzt, wie ich mit solch abstrusen Ideen Platz in einem renommierten Medienmagazin bekommen konnte? Wenn Sie sich für zweiteres entschieden haben, liegen Sie richtig: Meine Ausführungen sind abstrus und meine Argumente konstruiert auf Basis von falschen Behauptungen. Die Fakten sprechen gegen mich, welche Meinungen ich vertrete, ist irrelevant.

Verschiedene Meinungen können wir alle haben, verschiedene Fakten nicht. Trotzdem gibt es den Trend zur sogenannten "False Balance" in vielen etablierten Medien, wo Impfgegner, Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker Raum für Scheinargumente bekommen, die wissenschaftlich untragbar sind. Flat-Earth-Kommentare liest man erstaunlicherweise nie, obwohl die Theorien genauso viel Gehalt haben wie jene von Impfgegnern.

Claudia Zettel ist Chefredakteurin des Tech-Portals Futurezone.at.

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