Zwischen Zukunft und Science-Fiction
 

Zwischen Zukunft und Science-Fiction

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Sven Gabor Janszky lieferte ein Stakkato an Trends und führte auch das Emotiv Epoc headset anschaulich vor:
Sven Gabor Janszky lieferte ein Stakkato an Trends und führte auch das Emotiv Epoc headset anschaulich vor:

Deutschlands gefragtester Trendforscher, Sven Gabor Janszky, beim Weltmarktführer Kongress über die Arbeitswelten des Jahres 2025

Das Tagungszentrum Schönbrunn zu Wien war am 14. und 15. Oktober zum zweiten Mal Schauplatz des „Weltmarktführer Kongress“, initiiert vom Österreichischen Wirtschaftsverlag. Heimische Unternehmen, die global meist mit Nischenprodukten eine tragende Rolle spielen, kramten Erfolgsgeheimnisse aus dem Nähkästchen und tauschten sich aus. 

Dem Vortrag von Sven Gabor Janszky zum Ausklang des ersten Tages, dem, so die Anmoderation „angesagtesten Trendforscher in unseren Breiten“, lauschten alle. Janszky raubte dem Auditorium gleich einmal die vielleicht latent vorhandene Illusion, dass es einfach so weitergehen könne: „Es wird in den kommenden Jahren noch mehr Veränderung geben, als in der überschaubaren Vergangenheit. Die Amplitude des Gewinnens und Verlierens ist hoch in solchen Zeiten. Für Weltmarktführer ist das eigentlich keine so tolle Prognose.“ Der Trendforscher und Direktor des 2b Ahead ThinkTank räumte mit dem Missverständnis auf, dass sich seine Zunft Dinge ausdenke (das sei dann eher Science-Fiction, wiewohl diese oft, scheinbar beiläufig, brauchbare Prognosen für die Zukunft liefere, etwa im Film „Minority Report“ von 2002). Vielmehr basieren die Prognosen der Zukunftsforscher allesamt auf Studien.

Janszky etwa gruppiert seit Jahren rund 250 CEOs und Innovationschefs der deutschen Wirtschaft um sich, befragt diese, was in drei, fünf, oder zehn Jahren passieren möge, in welche Felder die Unternehmen investieren. Der übliche Sukkus: „Es sind sich alle einig darüber, was kommt.“ Die offene Frage sei bisweilen nur, wann es kommt. Manche gingen etwa davon aus, dass die Rechenleistung des IBM-Supercomputers Watson 2020 in Smartphones Platz finde, laut einer anderen Prognose wird es im Jahr 2050 – Stichwort „Internet of Things“ – 100 Milliarden vernetze Geräte auf dem Planeten geben. Laut dem deutschen MP3-Erfinder Karlheinz Brandenburg etwa, zitiert Janszky einen häufigen Gesprächspartner, werde Zappen beim Konsum von ­Bewegtbildern nicht das Geschäftsmodell der Zukunft sein, sondern vielmehr individuelles Programm auf Basis der jeweiligen Konsumentenpersönlichkeit gefragt und verkauft werden. 

Arbeitskräftemangel in Aussicht
Anhand eines Stakkatos vieler verblüffender Beispiele (Steuerung von digitalen Objekten – und bald auch von Fahrzeugen – per Gedanken mittels des Emotiv Epoc headset auf der Bühne etwa) kommt Janszky unter anderem zum Schluss, dass die Digitalisierung die Welt nicht komplexer mache, sondern die Komplexität der Welt reduziere. Und (mit Verweis auf Fehlprognosen zu TV, Smartphone und mehr): „Technologische Innovation kommt nicht in die Welt, weil die Menschen sie wollen.“ Wie sieht nun die Arbeitswelt 2025 aus? Ein paar Zahlen (viel mehr auf www.2bahead.com und www.trendforscher.eu): In Deutschland werden je rund 30 bis 40 Prozent in typischen Angestelltenverhältnissen sowie in Projektarbeit beschäftigt sein, 20 Prozent werden Selbstständige sein. In selbigem Jahr werden zudem in Deutschland rund zwei bis fünf Millionen Arbeitskräfte fehlen. Und „nach Österreich kommt alles mit rund sieben Jahren ­Verspätung.“
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