,Wollen alles dafür tun, dass die Mitglieder ...
 

,Wollen alles dafür tun, dass die Mitglieder gerne Pflichtmitglieder sind‘

Niklas Stadler
Key-Note-Speaker und Fachgruppe-Wien-Obmann: Lisa Stadler (derStandard.at), Michael Schirner (Schirner Zang Institute of Art and Media), Rüdiger Goetz (KW43 Branddesign Grey Düsseldorf), Sandra Reichl (Salon Alpin), FG-Obmann Stephan Gustav Götz und Philipp Comarella (Salon Alpin).
Key-Note-Speaker und Fachgruppe-Wien-Obmann: Lisa Stadler (derStandard.at), Michael Schirner (Schirner Zang Institute of Art and Media), Rüdiger Goetz (KW43 Branddesign Grey Düsseldorf), Sandra Reichl (Salon Alpin), FG-Obmann Stephan Gustav Götz und Philipp Comarella (Salon Alpin).

Die Wiener Fachgruppe Werbung & Marktkommunikation stellte ihren Fachgruppentag unter das Motto ‚Kunst der Kommunikation‘ und bot dazu ein illustres Quartett an Referenten auf – Wiener Kammerbeiträge um zehn Prozent gesenkt, Vergnügungssteuer soll fallen

Erweiterte Fassung eines Berichts aus der HORIZONT-Printausgabe 42/2015 vom 16. Oktober 2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.

Markendesign, Communities, Innovationen – das waren die Schlagworte beim „Tag der Marktkommunikation“ der Wiener Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation am 13. Oktober in der Marxhalle. Motto: „Kunst der Kommunikation“.

Es ist zwar nur eine Geste, aber mit Signalwirkung: Stephan Gustav Götz, Grüne Wirtschaft, seit März mit Stimmen des SWV und der UNOS zum Fachgruppenobmann in Wien gewählt, bittet seine Vorgängerin Birgit Kraft-Kinz, Wirtschaftsbund, auf die Bühne, überreicht Blumen und bedankt sich für die Arbeit seiner Vorgängerin. Im Gespräch mit HORIZONT ist Kraft-Kinz entspannt: Sie sei zwar als Vorsitzende der mandatsstärksten Fraktion nun Opposition in der Wiener Fachgruppe, aber: Die Zusammenarbeit in den Ausschüssen funktioniere sehr gut, und die Opposition habe auch ihre Vorteile: Sie könne sich nun mehr um ihre Unternehmensberatung kümmern.

Einmal im Jahr laden die Fachgruppen ihre Mitglieder zum Fachgruppentag ein, es geht primär um den Rechenschaftsbericht der vergangenen Periode und einen Ausblick auf die Vorhaben und Themen des kommenden Jahres: Mit fast 9.000 Mitgliedern ist die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien die mit Abstand stärkste in Österreich; als einzige verhandelt sie auch für die Mitgliedsbetriebe einen Kollektivvertrag (der dann als Richtlinie für die acht anderen Fachgruppen gilt).

Programm 2016

Das Programm der Troika für 2016 ist weit gesteckt: Eine Mitgliederbefragung, der Ausbau des Versicherungspakets und eine Verbesserung des Online-Marktplatzes nennt Mathias Miller-Aichholz (UNOS), die Reduzierung der 14 Berufsgruppen im Rahmen der Gewerbereform, weitere kammerinterne Entbürokratisierung, Lehrlingsausbildung, die Abschaffung der Vergnügungssteuer (die insbesondere Eventveranstalter belastet) und „stetiges Lobbying für unsere Mitgliedsbetriebe gegen jede Art von Werbeverboten in Österreich und in Brüssel“, zählt Konrad Maric (Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband SWV) auf.

Weniger Sponsoringgeld?

Obmann Stephan Gustav Götz begründet, warum die Fachgruppe im Frühjahr ihr Sponsoring diverser Fachveranstaltungen reduziert und neu geordnet hat: „Wir wollen mehr Balance in diesen Events wie beispielsweise mehr Frauen auf der Bühne“, sagt Götz, und setzt kryptisch nach: „Wir wollen, dass alle aus ihrer Komfortzone herauskommen“ (die Veranstalter der ÖMT Österreichische Medientage – Manstein Verlag, in dem HORIZONT erscheint, und VGN Verlagsgruppe News, die mit Kartenkontingenten für FG-Mitgliederunterstützt werden, werden diese konzeptionell-inhaltliche Forderung wohl auch mit Stirnrunzeln zur Kenntnis nehmen…Anm. hs).

Götz und seine beiden Stellvertreter sparen jedoch auch in eigener Sache: Einstimmig wird der Vorschlag angenommen, die Grundumlage für Mitgliedsbetriebe um zehn Prozent zu senken. Was Götz noch wichtig ist: Kandidaten, die auf den Wahllisten standen, sind im Rahmen des erweiterten Code of Conduct von FG-Ausschreibungen ausgeschlossen (ausgeschrieben wird die PR-Betreuung – derzeit Himmelblau – sowie die Durchführung der Mitgliederbefragung).

Kollektivvertrag

Den Kollektivvertrag 2016 will Götz bereits ab November verhandeln, ein Thema sind Arbeitszeitregelungen (i.e. deren Flexibilisierung im Sinne der Unternehmen), Berufsbilder wie etwa „Reinzeichner“ sollen überarbeitet werden – und Götz wünscht sich, dass der offizielle Wirkungsbereich des KV nicht an der Stadtgrenze endet.

Den vielleicht wichtigsten Satz sagt Konrad Maric: „Wir wollen alles dafür tun, dass die Mitglieder gerne Pflichtmitglieder sind.“ Wohlan.

Seite 2 - Ein Blumenstrauss an Key-Notes

Fortsetzung von Seite 1:

Kunst der Kommunikation

Aufbruch, Markendesign, Communities, Innovationen und ein Plädoyer des Altmeisters Michael Schirner – das waren die Schlagworte beim Programmteil des „Tag der Marktkommunikation“ der FG Wien in der Marxhalle. Mit dabei: Vorträge von Philipp Comarella und Sandra Reichl (beide Salon Alpin), Rüdiger Goetz (Unit KW43 Branddesign der Grey Düsseldorf), Lisa Stadler (Community Managerin bei derStandard.at) und schließlich Michael „Werbung ist Kunst“ Schirner.

Salon Alpin

Manchmal gibt´s Koinzidenzen: Eben läuft der neue Spot für die Wochenzeitung "Falter" und Philipp Comarella und Sandra Reichl von Salon Alpin berichten am Fachgruppentag, wie ihre Agentur mit Büros in Wien und Barcelona so tickt: Salon Alpin ist ein Produktionsstudio für Visuelles, von Typographie über Illustration bis Animation. Der Falter-Hölle-Film ist da nur eine Fortsetzung eines ersten Meilensteins vor zwei Jahren, dem Visual „A Parisian Winter Tale“ für Montblanc (siehe Salonalpin.net) – Handarbeit pur. Was Comarella und Reichl vermitteln: „Ein Punkt, der all unsere Projekte verbindet, ist das Überwinden von Hürden.“

,Marken können Geld zu verdienen‘

Rüdiger Goetz leitet seit 2005 als Mitglied der Geschäftsführung von Grey Düsseldorf die Unit KW43 Branddesign, einem Geschäftsbereich, der sich strategischem Design, Corporate Design und Corporate Identity widmet. Das Problem für Markendesign Anno 2015 sei, formuliert Götz, dass „die Möglichkeiten der Ausdifferenzierung immer kleiner werden“ – angesichts von global über acht Millionen eingetragener Marken seien Gespräche über neue Markenbezeichnungen davon gekennzeichnet, „überhaupt einen Namen zu finden, den man noch eintragen kann“. Seine Agentur kann das und noch mehr, wie der Vortragende an Beispielen wie Langenscheidt oder Montblanc (diese und weitere Projekte sind sehr schön auf Kw43.de dokumentiert) oder Neuschöpfungen wie etwa „thinkstep“ – siehe dazu Thinkstep.com und klicke das Logo als „living entitiy“ an – es ist möglich „Ausdifferenzierung“ zu machen.

„Mit dem User auf Augenhöhe“

Was macht derStandard.at respektive die Social-Media-Leiterin Lisa Stadler, wenn es eine Todesnachricht auf Facebook zu kommunizieren gilt? Likes unter „Gabriel Garcia Marquez ist tot“ zu setzen, ist in der öden, aber für Traffic-Generierung wichtigen Facebook-Welt nicht opportun: Der "Standard" schreibt einfach ein Zitat des Verstorbenen, das können die User dann zigtausendfach liken und teilen und bringen so dem Standard-Social-Media-Portal den nötigen Traffic.

Im September 2015 erreichte derStandard.at laut Stadler mit 870.000 Postings (von rund 22.000 Usern) ein neues Rekordniveau – und das sind rund 200.000 Fans auf Facebook, 130.000 Follower auf Twitter und bald 10.000 auf Instagram – Stadler übersetzt redaktionelle Inhalte auf die Sozialen Medien (damit die geteilt, geliked und weiterverbreitet werden), fragt User um Ideen und Diskurse an (sie nennt das Crowdsourcing von Ideen) und verfolgt damit natürlich das Ziel „Performance“ und Testabo-Verkäufe zu generieren.

Neuestes Spielfeld für Stadler: Ein Newsletter via WhatsApp. Im Social Media-Ranking ist derStandard.at damit Nummer 12 in Österreich – und Trolle? Stadler weiß: „Zum Glück sind 90 Prozent der User normal“ und glaubt das Erfolgsgeheimnis zu kennen: „Bleib auf Augenhöhe, nimm den User ernst und sei auch gelegentlich witzig“.

Michael Schirner sucht Agentur- und Medienpartner


Werbelegende Michael Schirner, heute Geschäftsführer der Schirner Zang Institute of Art and Media GmbH und Vorstand der gemeinnützigen Schirner Zang Foundation, repetierte einen Vortrag, den er bereits am 10. Jänner 2012 vor der Klasse der Künste an der Angewandten gehalten hatte – freilich ohne die berückende Show seiner Arbeiten für die GGK Düsseldorf für Kunden wie VW oder IBM aus den 1970er und 1980er Jahren. Das Thema Schirners heute sind Kommunikationskünste.

Der Kreativdirektor, Künstler, Kurator, Autor und Professor für Kommunikationsdesign beschreibt Ausstellungen und Performances mit Titeln wie „Mich gibt es gar nicht“ oder ByeBye. Es geht um die Bilder oder Botschaften, die man nicht sieht, aber überdeutlich wahrnimmt. „Meine Kunst ist nicht mein Werk, sondern ganz allein Ihres. Sie sind der Schöpfer Ihrer Bilder in Ihrem Kopf. Mich gibt es gar nicht. Alle Bilder in Ihrem Kopf sind stärker, intensiver, bewegender als die Bildvorlagen in Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen, Kino, Museen und so weiter, weil es Ihre Bilder sind, Ihr geistiges Eigentum. Sie sind der Schöpfer Ihrer Bilder“, so Schirner.

Seine Kampagne für Kondome gegen AIDS-Infektion soll nun auch in Österreich aufleben, Schirner sucht eine Digitalagentur für den Online-Teil, und Medienpartner für ganz- oder doppelseitige Anzeigen – Wer traut sich?
stats