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Werbebranche fordert Richtlinie für öffentliche Ausschreibungen

Wirtschaftskammer kritisiert Benachteiligung kleiner Werbeunternehmen durch komplizierte Vergabeverfahren.

Die österreichische Werbebranche macht mit Aufträgen der öffentlichen Hand nach Schätzung der Wirtschaftskammer (WK) rund 300 Millionen Euro Umsatz im Jahr, ein Drittel dieses Kuchens entfällt auf Inserate in Printmedien. "Die öffentliche Vergabe ist für unsere Branche von eminenter Bedeutung", sagte die Obfrau des Fachverbandes Werbung und Marktkommunikation in der Wirtschaftskammer Österreich, Angelika Sery-Froschauer, am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. Dass immer wieder Klagen von Werbeunternehmen über nicht nachvollziehbare und unverständliche Ausschreibungen laut werden, kann die Branchenvertretung daher nicht kalt lassen - sie fordert eine Richtlinie für faire und transparente Vergaben.

 "Was wir machen, ist ein Verdichtungsgeschäft, ein Vereinfachungsgeschäft", beschreibt Mariusz Jan Demner, geschäftsführender Gesellschafter von Demner, Merlicek & Partner, das Wesen seiner Profession. "In den letzten zehn Jahren ist aber ein Verkomplizierungsgeschäft daraus geworden." Durch umständliche Vergabeverfahren und Vorgaben, die vor allem von kleinen und mittleren Werbeagenturen nicht erfüllt werden könnten, würden viele Unternehmen von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen, sagte Demner. So gebe es zum Beilspiel Ausschreibungen, bei denen von den anbietenden Werbeagenturen gefordert werde, Mitglied eines internationalen Netzwerks zu sein - wobei der Grund dafür nicht nachvollziehbar sei. In anderen Fällen gebe es eine zeitliche Beschränkung der Referenzen, "als könnte man Erfahrungen nur in den letzten zwei, drei Jahren sammeln". Anlassfall für diesen Vorstoß sei für Demner der "wettbewerbliche Dialog" /statt Pitch) der Österreich Werbunbg (ÖW) gewesen, der von ihm vergeblich angefochten wurde.


"Die Ausschreibungen sind absichtlich kompliziert gestaltet, um mittelständische und Ein-Personen-Unternehmen vom Wettbewerb auszuschließen", kritisierte Michael Himmer, Obmann der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation in der Wirtschaftskammer Wien. Die Ausschreibungen seien oft auf bestimmte Unternehmen zugeschnitten, wird gemutmaßt. "Ich nenne keinen Namen", sagte Demner, "aber die stehen ja jeden Tag in den Zeitungen. Die ganze Branche hat ja gewusst, was da läuft."

Das eigentliche Problem sei nicht das Bundesvergabegesetz von 2006 - das auf EU-Richtlinien basiert - sondern die Umsetzung und Anwendung des Gesetzes, betonen die Branchenvertreter. Sie fordern daher von der Bundesregierung die Erstellung einer fachlichen Richtlinie für die Vergabe öffentlicher Aufträge, die für alle öffentlichen Stellen verbindlich gilt. Beseitigt werden soll demnach eine zu hohe Eintrittsschwelle für anbietende Unternehmen durch Nachweise über die finanzielle und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Die Auswahl werde dadurch unnötig auf einen sehr kleinen Bieterkreis eingeschränkt. Arbeitsgemeinschaften würden derzeit behindert, indem Subunternehmer alle Nachweise wie der Auftragnehmer zu erbringen hätten.

Darüber hinaus sollten auf keinen Fall Ausschreibungen von Branchenunerfahrenen - gemeint sind Anwaltskanzleien - durchgeführt werden, so Himmer. "Dies fördert nur die Geldbeschaffung Einzelner."

Eine ausführliche Geschichte dazu lesen Sie in HORIZONT 48/2011, der am 2. Dezember erscheint.

(APA/red)
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