'Wenn ich genug Kredit kriege, kauf ich den R...
 

'Wenn ich genug Kredit kriege, kauf ich den Ronaldo'

Madame Tussauds Wien
Herbert Prohaska bei der Einweihung seines Ebenbildes bei Madame Tussauds im Oktober 2012.
Herbert Prohaska bei der Einweihung seines Ebenbildes bei Madame Tussauds im Oktober 2012.

Die Werbung mit Fußball ist im Gegensatz zu früher ein Bombengeschäft. Herbert Prohaska über Geld, Cordoba und seine Erlebnisse als Testimonial

Dieses Interview erschien bereits in der HORIZONT-Ausgabe Nr. 23/2016 vom 10. Juni. Hier geht's zum Abo.

HORIZONT: Die EM beginnt. Sind Sie genervt, wenn nun noch mehr Werbung im Fernsehen läuft?

Herbert Prohaska: Nein. Was mich nervt sind Privatsender, die ihre Filme unterbrechen. Die Werbung schaue ich mir gerne an, weil ich ja hin und wieder selbst darin vorkomme.

HORIZONT: Können Sie sich noch an Ihren ersten Werbevertrag erinnern?

Prohaska: Ich glaube das war für irgendwas mit Styropor. Früher warst du halt froh, dass du ein bisserl was dazuverdient hast. Man ist noch mehr auf Autogrammstunden gegangen. Rigips! Meine erste Werbung war für Rigips-Platten. Ein anderes Mal bin ich nach Zürich geflogen und habe dort an einem heißen Sommertag Werbeaufnahmen für Skimode gemacht. Da wäre ich fast kollabiert im Studio.

HORIZONT: So gut bezahlt wie heute war es wohl auch nicht.

Prohaska: Nein, auf keinen Fall. Heute habe ich auch mehr Zeit, wobei ich nicht zehn Sachen auf einmal machen will. Weil da wirst du irgendwann uninteressant.

HORIZONT: Gab es Momente wo Sie gemerkt haben, dass es bei den Werbegagen einen Sprung nach oben gab?

Prohaska: Du weißt schon wie dein Marktwert steigt, wenn du in der Nationalmannschaft spielst und dann zu einem Groß­ereignis fährst. Mittlerweile musst du halt ein bisschen Ahnung haben von dem Ganzen, was du als Marke wert bist. Dann wissen auch die Partner, dass du dich auskennst. Ich hab da einen Freund, Günther Smolej von Smolej und Friends, von dem erfahre ich solche Sachen. Sein größter Coup war glaube ich, dass er diesen Spruch für Almdudler erfunden hat.

HORIZONT: Ihr Claim lautet ja sozusagen „Gute Nacht“ – damit verabschieden Sie sich am Ende von TV-Sendungen.

Prohaska: Das hat sich zufällig ergeben. Der ­Pariasek hat sich immer verabschiedet und dann war es aus. Irgendwann hab ich gesagt, dass es eigentlich nicht höflich ist, wenn ich nur daneben stehe, und dass ich auch „Auf Wiedersehen“ oder „Gute Nacht“ sagen sollte. Dann hieß es: Gut, verabschiede dich halt. Mittlerweile grüßen mich sehr viele Menschen auf der Straße mit „Gute Nacht“. Auch nicht schlecht.

HORIZONT: Was antworten Sie darauf?

Prohaska: Ich drehe mich um und sage auch „Gute Nacht“.

HORIZONT: War es Ihnen als Spieler wichtig, welche Werbung auf dem Leiberl stand, oder hat es Sie sogar mal gestört?

Prohaska: Nein. In meiner Italien-Zeit war es sogar so, dass ich für Milde Sorte in einem Privatsender Werbung gemacht habe. Bei der Austria war der Sponsor Memphis. Wir sind aber als Spieler nicht mit Zigaretten versorgt worden. In Italien war das anders. Da gab es Innuit, eine Elektrofirma. Das war gut, wenn du einen Fernseher oder Videorekorder gebraucht hast. Und Barilla hat uns alle zwei Monate große Kartons mit Nudeln und Gebäck geschickt. Der Hausmeister von AS Rom hat sich gefreut, weil wir das ja nicht alles allein verdrücken konnten.

HORIZONT: Heute scheinen die Spieler nur mehr süchtig nach Fitness zu sein.

Prohaska: Es gibt kaum einen Fußballer mehr, der raucht. Das ist gut so. Körperlich waren damals die Spieler auch gut, aber heute trainieren und ernähren sie sich besser. Trotzdem wird es Tausende Fußballer geben, die immer noch gerne Burger, eine Käsekrainer oder einen Leberkäs essen. Aber natürlich: Wenn du dreimal pro Woche Schweinsbraten isst und die drei anderen Tage Fußball spielst, dann kann das nicht gut sein.

HORIZONT: Marko Arnautovic wurde erst zum Werbestar, als er sein Bad-Boy-Image ablegte. Ist der Fußball langweiliger aber dafür werbetauglicher geworden?

Prohaska: Nein. Ich glaube du kannst heute eher goschert sein, weil du mehr Freiheiten hast, was deine Bindung zum Klub betrifft. Früher warst du im Besitz des Klubs und musstest dich arrangieren, wenn der Vertrag abgelaufen war und keiner die geforderte Ablösesumme zahlen wollte. Sonst hättest du nicht mehr gespielt. Heute muss man an die Intelligenz der Spieler appellieren. Was mache ich mit einem, der sagt, du bist ein Trottel? Natürlich hau ich ihn raus, aber in Summe geht er weg und lacht mich aus, wenn er einen doppelt so guten Vertrag hat. Heute ist es schwerer Trainer zu sein. Ganz sicher.

HORIZONT: Trotzdem gibt es scheinbar weniger goscherte Spieler. Die meisten fallen doch nur mehr durch Tattoos und ihren Haarschnitt auf.

Prohaska: Ja, die Spieler sind vielleicht gescheiter geworden. Wenn wir früher gemeint haben, jetzt können wir mal länger feiern, war das kein Problem. Wenn du heute fortgehst hat jeder sein Handy mit, und jeder macht ein Foto. Da bist du gleich im Internet und auf Facebook, vielleicht sogar mit einem härteren Getränk in der Hand. Das ist schwieriger! Dafür haut sich ein wirklich guter Fußballer in den Privatjet und fliegt in eine andere Stadt.

HORIZONT: Dank der Werbung verdienen die Stars Unsummen. Bei Cristiano Ronaldo sind es mehr als 200.000 Euro pro Tag.

Prohaska: Na, das geht sich ned aus.

HORIZONT: Doch. Die Zeitung Marca hat das 2015 berechnet. Sein Nettogehalt ­beträgt 17 Millionen Euro. Inklusive der Zusatzverträge und Werbedeals kommt er auf mehr als 77 Millionen im Jahr – das sind 2,46 Euro pro ­Sekunde!

Prohaska: Aber ich glaube nicht, dass Real Madrid nichts von den Werbeeinnahmen kriegt.

HORIZONT: Sind Kicker so viel wert?

Prohaska: Wenn ich genug Kredit kriege, kauf ich mir den Ronaldo. Weil mit der Vermarktung ist da nur Geld zu verdienen. Das Problem der großen Klubs ist ja, dass es da noch viele andere Spieler gibt, die viel verdienen aber nicht zu vermarkten sind. Top-Spieler sind kein Problem, darum sind auch Großklubs, die Scheichs oder wer immer bereit, jede Summe hinzulegen.

HORIZONT: Als Sie 1972 als 17-Jähriger zu Austria Wien wechselten, betrug ihr Fixgehalt 3.000 Schilling. Das Handgeld von 20.000 Schilling haben Sie jodelnd in die Luft geworfen und den Eltern einen Teppich gekauft.

Prohaska: Damals dachte ich, ich sei Milliardär. Der Teppich war übrigens sündteuer. Aber die Eltern haben mir immer so viel gegeben, da war es das Mindeste dass du einen Teppich zurück gibst.

HORIZONT: Wer wird nun Europameister?

Prohaska: Die großen Favoriten sind Deutschland, Frankreich und Spanien. Zu den Teams mit Außenseiterchancen würde ich auch Belgien zählen und Kroatien.

HORIZONT: Was darf sich Österreich ausrechnen?

Prohaska: Da wünsche ich mir, dass wir ins Achtelfinale kommen. Das ist realistisch. Und wenn es ein Viertelfinale wird, ist eh schon ein Traum in Erfüllung gegangen.

HORIZONT: Vielleicht gibt es ja Deutschland als Gegner, dann können wir Cordoba vergessen.

Prohaska: Das können wir sowieso vergessen, davon können wir nicht leben. Aber wenn es Deutschland sein soll, dann bitte erst im Viertelfinale.

Zur Person: Herbert Prohaska, geboren 1955 in Wien. Der Vater war Hilfsarbeiter, die Mutter Bedienerin. Seine Karriere führte ihn von Vorwärts XI über Austria Wien nach Rom und Mailand. Sieben Mal Meister in Österreich, ein Mal in Italien, WM-Teilnahmen 1978 und 1982. Sein Stammverein Austria Wien kürte ihn zum Fußballer des 20. Jahrhunderts. Nachdem er Trainer war, begann er als Kommentator im ORF.
In der Werbung für Kelly’s saß ­Prohaska zum Beispiel beim Friseur und wurde mit sich selbst konfrontiert, die Chips immer im Anschlag.
Kellys
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