Wege aus der Drucker-Krise
 

Wege aus der Drucker-Krise

industrieblick/Fotolia

Viele Unternehmen müssen umdenken, wenn das Geschäft profitabel bleiben soll. Währenddessen droht beim Verhandeln eines neuen Kollektivvertrags ein Konflikt

Dieser Beitrag erschien bereits in der HORIZONT-Ausgabe 13/2016 vom 1. April 2016. Hier geht's zum Abo.


Obwohl er nach 110 Jahren einen Schlussstrich ziehen musste, wirkt Karl Grasl sehr zufrieden. Er nippt an einem Kaffee und blickt aus dem ­Besprechungszimmer nach draußen, in die verlassen wirkende Eingangshalle der Druckerei Grasl FairPrint. Seit 1905 betreibt seine Familie das Druckerhandwerk in Bad Vöslau, und nun, in dritter Generation, hat er die Mehrheit am Unternehmen an ­einen Investor abgetreten.

Doch bald werden sich die Gänge mit neuen Mitarbeitern füllen. Grasl hat zwei weitere Druckereien, agensketterl und AV+Astoria, an Bord geholt, um Kräfte zu bündeln und auch in Zukunft konkurrenzfähig anbieten zu können. Die Neuaufstellung sei ein Schritt der Vernunft und Stärke gewesen – und für ihn ­alternativlos. Dieses Beispiel könnte Schule machen, denn das Druckergeschäft ist hart geworden. Beinhart. Und wer auf dem schrumpfenden Markt überleben will, muss sich ­etwas überlegen.

In Deutschland, wo die Marktbereinigung schon weiter fortgeschritten ist, sind solche Kooperationen bereits Gang und Gäbe. In Österreich suchen viele Unternehmen noch nach der passenden Strategie, einem geeigneten Partner oder der nötigen Portion Flexibilität, die es für eine Neuaufstellung braucht.
In dieser heiklen Situation gehen zudem die Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag in die entscheidende Phase. Der bestehende läuft mit Jahresende aus. Seit mehr als zwei Jahren verhandelt der Verband Druck- und Medientechnik schon mit der Gewerkschaft. Aber eine Einigung zeichnet sich nicht ab. Im Gegenteil: Die Zeichen stehen auf Konflikt.

Für Grasl ist die Kooperation mit agensketterl und AV+Astoria (Details dazu auf Seite 2) ein logischer Schritt. „Die Branche hat sich verändert“, sagt er. „Es hat sich gezeigt, dass entweder die ganz Großen ­erfolgreich sein können, oder die ganz Kleinen, die eine Nische gefunden haben. Für uns ging es darum, die tödliche Mitte zu verlassen.“ Zusammengerechnet betrage der Umsatz nun immerhin etwa 45 Millionen Euro. Das sei eine Kenngröße, mit der man erfolgreich wirtschaften könne. Er rechnet aber damit, dass in den nächsten Jahren weitere 30 Prozent der Betriebe Insolvenz anmelden müssen. Und Grasl weiß, wovon er spricht. Bereits mit 15 Jahren stand er im Betrieb. Er hat die fetten Jahre noch miterlebt, als alle glaubten, es werde immer bergauf gehen.

Alte Verträge, neue Probleme

In den Neunzigerjahren wuchsen der Umsatz und die Produktion jedes Jahr zweistellig. Dann ließ der digitale Wandel die Aufträge allmählich zurückgehen. Parallel dazu schuf die Öffnung der Märkte einen neuen Preisdruck, vor dem es kein Entrinnen gab. Freilich hätten auch heimische Unternehmen munter beim Preisdumping mitgemacht, erzählt Werner Neudorfer, Geschäftsführer des Verbandes Druck- und Medientechnik. Spätestens seit die Wirtschaft nicht mehr recht vom Fleck kommt, haben auch die Letzten verstanden, dass es eine neue Realität gibt, auf die sich die Betriebe einstellen müssen – mit allen Konsequenzen.

Einige verlagerten die Produktion gleich selbst in Billiglohnländer. Vor allem der Kostendruck ist gestiegen, und damit auch das Bedürfnis, die Rahmenbedingungen zu verbessern. „Wir müssen wettbewerbsfähiger werden“, sagt Neudorfer. „Wenn wir den Abwärtstrend stoppen wollen, brauchen wir aber auch einen massiv entschlackten Kollektivvertrag. Die Fülle an historischen Privilegien ist einfach nicht mehr zeitgemäß und ein echter Hemmschuh.“
In den KV-Verhandlungen 2012 konnten bereits Verbesserungen ­erreicht werden. So wurde die ­Arbeitszeit im graphischen Gewerbe von 37 auf 38,5 Wochenstunden ­erhöht. Allerdings mit zwei Ausnahmen: Den Bereichen Zeitungs- und Rollenoffset-Druck. Dort genießen die Beschäftigten nach wie vor zahlreiche Sonderrechte – obwohl Drucken keine körperliche Arbeit mehr ist, wie früher, sondern die Belastung heute vorwiegend darin besteht, straffe Produktionspläne einzuhalten und die Computer und Maschinen zu bedienen.

Trotzdem bekommen Zeitungsdrucker 24 freie Tage extra im Jahr. Das System aus Zulagen geht teilweise auf die Zwischenkriegszeit zurück, als Arbeitslose an Sonntagen in den Druckereien beschäftigt wurden und so bezahlt werden sollten, dass sie davon leben konnten.
Karl Grasl in der neuen Produktionshalle in Bad Vöslau: Dort wird künftig für Grasl FairPrint, agensketterl und AV+Astoria produziert.
Grasl FairPrint
Karl Grasl in der neuen Produktionshalle in Bad Vöslau: Dort wird künftig für Grasl FairPrint, agensketterl und AV+Astoria produziert.
Lydia Gepp, Geschäftsführerin, Niederösterreichisches Pressehaus.
E. Kessler
Lydia Gepp, Geschäftsführerin, Niederösterreichisches Pressehaus.
Christian Schuster, Bereichs-Sekretär, GPA-djp.
Privat
Christian Schuster, Bereichs-Sekretär, GPA-djp.
stats