Was heißt es, Medium und Content zu sein?
 

Was heißt es, Medium und Content zu sein?

Event #5 der Marketing Natives: „We, the media. Me, the Content.“ ging am 16. November in Wien über die Bühne

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Die Marketing Natives (powered by DMVÖ), eine Nachwuchsplattform für junge Marketing-Experten, luden am 16. November zu Event #5 mit dem Themenschwerpunkt „We, the media. Me, the Content.“ Im T-Center wurde über den Rezipienten der Gegenwart, wie er sowohl Medium, als auch Content sein kann und welche Rolle Blogger in der Medienwelt von heute und morgen spielen, diskutiert.

„Lügen sind mit dem Online-Boom enorm gestiegen“

Friedemann Karig (freier Autor für Print- und Online-Publikationen, Speaker & TV-Moderator) betrat als erster Speaker des Abends die Bühne und sprach über Inszenierung und Lüge in der Medienwelt. Wie einfach es ist, die Wahrheit zu adaptieren, veranschaulichte er am Beispiel der niederländischen Bloggerin Zilla Van den Born, die eine fünfwöchige Thailand-Reise geschickt inszenierte und ihre Familie als Teil eines Uniprojekts bewusst hinters Licht führte. „Lügen sind mit dem Digital-Bereich enorm gestiegen, weil das digitale Zeitalter zum Lügen verleitet und die Macht der Masse enorm ist“, meint Karig. „Die Welt ist ein pulsierendes Herz an Information, da das Internet niemals still steht“, erklärt der Autor diese These zur „Always On“-Generation.

Auch Verschwörungstheorien zu historischen Ereignissen wie 9/11 verbreiten sich im Zeitalter von Facebook, Twitter, YouTube und Co. enorm rasch. Karigs Erklärung: Verschwörungstheorien bringen Sinn in ungewisse Situationen und sind ein Versuch, die Welt zu verstehen. Zum Abschluss seines Vortrags fragte Karig, was Wahrheit ist und ob auch die Inszenierung der eigenen Persönlichkeit ein Teil der Wahrheit ist. Er erklärte, dass wir ab und zu bewusst Schindluder mit der Wahrheit treiben, da es schlichtweg Balsam für die Seele ist. Denn unser Belohnungssystem reagiert auf ein Dutzend Facebook-Likes eines leicht bearbeiteten Urlaubsfotos mit der Ausschüttung des Glückshormons Dopamin – vergleichbar mit dem Verzehr einer halben Tafel Schokolade.

„Jeder nützt Online, aber niemand möchte derzeit dafür bezahlen“

Es folgte ein Vortrag von Martin Gaiger (Geschäftsführer Kurier Digital). Er hielt gleich zu Beginn fest, dass sich digitale Medien und Offline-Kanäle immer mehr miteinander verschränken. Online bleibe jedoch das größte Medium, da 87 Prozent der Österreicher online sind. Die Tatsache, dass jeder Online-Informationen nützt, aber keiner dafür bezahlen möchte, verglich er mit den Entwicklungen in der Musikindustrie und gab eine Zukunftsprognose: „Starke Marken werden sich wieder durchsetzen und wir werden künftig für guten Qualitätsjournalismus bezahlen. Noch vor einigen Jahren rühmte man sich mit Gratis-Musikdownloads, doch nun ist das Zeitalter von Spotify und Co. angebrochen. Ähnlich wird es in der Medienwelt sein.“ Gaiger sieht im Online-Bereich Fehler als Chance: „Online tappt man manchmal ins Fettnäpfchen. Aber Fehler sind dazu da, um gemacht zu werden und daraus zu lernen.“

„Blogger sind extrem nah dran an ihrer Leserschaft“

Roland Trnik (Creative Director & Managing Partner von Spinnwerk) sprach in seinem Vortrag über Influencer, die seiner Meinung nach sowohl Journalisten als auch Blogger sein können. „Ist der Blogger das Medium und wie unterscheiden sich Influencer?“, fragte Trnik und leitete in eine Gruppendiskussion mit den weiteren Speakern und Bühnengast Jenny Fellner (Herausgeberin Madonna, Gesund&Fit, Cooking) über. „Die Journalistische Integrität eines Bloggers kann nicht mit der eines Qualitätsjournalisten vergleichen werden“, hielt Karig fest. Dass man im Web kaum reich und unabhängig werde, nannte Gaiger als möglichen Erklärungsansatz und wies darauf hin, dass ein durchschnittlicher, österreichischer Blogger weniger als 500 Euro pro Monat verdiene. „Blogger sind extrem nah dran an ihrer Leserschaft“, zählte Trnik einen Vorteil auf, den Blogger gegenüber Journalisten haben.

Laut Gaiger haben Blogger eine neue Aufmerksamkeit und Erzählform geschaffen. Das sei auch der Grund, warum große Medienhäuser junge Blogger ins Haus holen, um das scheinbar verlorene Terrain aufzuholen. Zum Abschluss der Diskussionsrunde meinte Karig über das mögliche Sterben von Printkanälen und die Konkurrenz von Bloggern: „Es steht nicht in der Bibel, dass es Zeitungen auf gedrucktem Papier geben muss. Das wäre ja wahnsinnig langweilig.“

(red)
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