Versandhändler Neckermann ist bankrott
 

Versandhändler Neckermann ist bankrott

UPDATE: Neckermann-Betriebsrat: "Wurden eiskalt abserviert"

Der Versandhändler Neckermann ist pleite. Der US-Investor Sun Capital Partners als Eigentümer halte das Ergebnis der Sanierungsverhandlungen mit Arbeitnehmervertretern "nicht für tragfähig" und stelle dem Unternehmen deswegen "keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung", teilte Neckermann am Mittwoch in Frankfurt am Main mit. Das Unternehmen könne deswegen nicht wie bisher fortgeführt werden. Neckermann habe deshalb Antrag auf Insolvenz gestellt.

In den vergangenen Wochen hatte Neckermann zäh mit der Gewerkschaft Verdi und dem Betriebsrat verhandelt. Nach einem vorläufigen Scheitern der Gespräche hatte am Mittwoch zunächst ein Kompromiss erzielt werden können. Wie das Unternehmen mitteilte, hatten sich Neckermann, Betriebsrat und Verdi "in begrenztem Umfang auf Abfindungen und Transfergesellschaften" verständigt. Auch in weiteren Punkten sei eine Einigung zwischen Unternehmen und Belegschaft erzielt worden. Eigentümer Sun Capital Partners habe dieses Ergebnis aber nicht mitgetragen, erklärte Neckermann.

Die Geschäftsführung werde alles daran setzen, das laufende Geschäft auch in der vorläufigen Insolvenz aufrechtzuerhalten, erklärte das Unternehmen. Alle Möglichkeiten würden nun geprüft, das Geschäft fortzuführen. Neckermann hat 2.500 Beschäftigte.

"Eiskalt abserviert"

Nach der Insolvenz des Versandhändlers Neckermann ist die Ernüchterung bei den rund 2.400 Mitarbeitern groß. "Das ist eine Riesenenttäuschung", sagte Logistik-Betriebsrat Thomas Schmidt am Donnerstag in Frankfurt. Viele hätten jetzt Angst vor der Zukunft und fragten sich: "Habe ich überhaupt noch eine Chance?", beschrieb Schmidt die Stimmung in der Belegschaft. Im Versand seien die Mitarbeiter im Schnitt seit 20 Jahren im Unternehmen. "Das war doch ein Stück von unserem Leben und jetzt wurden wir eiskalt abserviert", sagte Schmidt.

(APA)
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