Teuerung: Caritas mit neuer Kampagne gegen Ar...
 
Teuerung

Caritas mit neuer Kampagne gegen Armut wegen Teuerung

Neuhold/Caritas

Präsident Landau: Armut dringe "in Mitte der Gesellschaft" vor. Gesamtes unteres Einkommensdrittel sei armutsgefährdet.

"Wünsche hab ich keine, Wünsche kann ich mir nicht leisten" - täglich sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas Österreich mit Menschen konfrontiert, die bei zunehmender Teuerung trotz staatlicher Hilfsleistungen, Einmalzahlungen und Indexanpassungen zwischen einem warmen Wohnzimmer und ausreichend Lebensmittel entscheiden müssen. Mit der neuen Kampagne unter den Titel "Mehrkosten. Mehr Hilfe!" soll den Ärmsten der Bevölkerung geholfen werden.

Bei einer Pressereise nach Graz haben Caritas-Präsident Michael Landau und Generalsekretärin Anna Parr mehrere Caritas-Hilfseinrichtungen in der steirischen Landeshauptstadt besucht. "Es kommen mehr Menschen zu uns, höhere Zahlungen, gestiegene Preise, der Druck steigt", fasste es Landau bei der Pressekonferenz am Mittwoch zusammen. Trotz des Krieges in der Ukraine dürfe man auch "die Not nicht vergessen, die es auch bei uns gibt. Die Not nimmt zu, viele müssen unterscheiden, ob sie vernünftige Mahlzeiten oder es halbwegs warm haben wollen. Heat or eat."

Arbeitende Menschen betroffen

Man müsse als einzelne und als Gesellschaft hinsehen, denn die Teuerungen treffen nicht alle gleich: Alleinerziehende und Arbeitslose seien besonders betroffen und das werde sich im Winter noch zuspitzen, so der Präsident. "Der Fiskalrat, nicht wir von der Caritas, der Fiskalrat spricht von einer Armutsgefährdung für das gesamte unterste Einkommensdrittel." Damit dringe "Armut bis in Mitte der Gesellschaft" vor. Immer öfter seien auch arbeitende Menschen betroffen, die nun auf Hilfe angewiesen sind.

Generalsekretärin Parr rechnete zwei Beispiele vor, bei denen bedürftige Menschen trotz mehrerer staatlicher Hilfen, von Klimabonus über Energiekostengutschein, immer noch weniger Geld pro Tag übrig haben als zu Beginn des Jahres. Oftmals müssten die Menschen mit neun Euro pro Tag zum Leben und Essen auskommen. "Diese beiden Beispiele sind leider keine Einzelfälle, die wir herausgepickt haben", so Parr. Die Entlastungsmaßnahmen würden nicht reichen, es brauche eine Anhebung der Leistungshöhe und eine Grundreform der Sozialhilfe. Niedrige Pensionen müssten angehoben werden und der Strompreisdeckel sollte sozial gestaffelt sein, nannte sie nur einige der möglichen Maßnahmen.

Derzeit verzeichne man bei der Caritas rund 30 Prozent mehr Erstkontakte als in der Vergangenheit, sagte Iris Eder von der Caritas Steiermark. Österreichweit wurden die Sozialberatungsstellen von 56 auf 71 erhöht, so Landau. Nora Tödling-Musenbichler, Direktorin der Caritas Steiermark, betonte, dass Armut in ländlichen Regionen besondere Tücken zeigen würde: "Viele schämen sich, Hilfe anzunehmen, weil man sich am Land kennt."
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