Telekom Austria Group verdoppelt Nettogewinn
 

Telekom Austria Group verdoppelt Nettogewinn

Der Konzern gewann 2010 eine Million Mobilfunkkunden neu hinzu - dennoch weniger Umsatz als 2009.

Die Telekom Austria Group schließt das Geschäftsjahr 2010 zwar mit leichten Rückgängen beim Umsatz ab, kann aber dennoch den Nettogewinn auf 195 Millionen verdoppeln. Dies gab der Konzern am 23. Februar, bei seiner Bilanzpressekonferenz bekannt. Die weiteren Kernbotschaften von Hannes Ametsreiter, Generaldirektor der Telekom Austria Group und Hans Tschuden, Finanzvorstand und Stellvertretender Generaldirektor: Die Investitionen in den heimischen Netzausbau wurden gesteigert, die Fusion zwischen Festnetz und Mobilfunk sind nahezu abgeschlossen, im Mobilfunk konnte man eine Million Kunden neu dazugewinnen, Regulierungen belasten das Ergebnis mit 47 Millionen Euro und - darüber freut man sich besonders - erstmals seit 13 Jahren konnte man wieder ein Wachstum bei den Kunden im Festnetz erzielen. 
Dies würde beweisen, dass die Konvergenzstrategie, die man neben Österreich auch in Bulgarien verfolgt, Wirkung zeige, so Ametsreiter. Und weiter: "In einem herausfordernden Umfeld haben wir die erforderlichen Maßnahmen, wie zum Beispiel die Fusion von Festnetz und Mobilfunk in Österreich, gesetzt, um in Zukunft selektiv Wachstumschancen wahrnehmen zu können. Wir werden in den kommenden Jahren noch einige Aufgaben in den Bereichen Regulierung und Wettbewerb zu lösen haben, aber wir sind zuversichtlich, unsere Ziele mittelfristig zu erreichen." Diese Ziele sind einerseits eine marktführende Position in Zentral- und Südosteuropa zu behaupten und andererseits der effizienteste und innovativste Telekombetreiber in diesem Marktgebiet zu werden. Zum Jahresende 2010 betreute die Telekom Austria Group 22 Millionen Kunden in ihren acht Märkten Zentral- und Südosteuropas, ein Marktgebiet mit einer Einwohnerzahl von 41 Millionen Menschen.

Die nackten Zahlen
Aufgrund niedrigerer Erlöse, bedingt durch wettbewerbsbedingte Preissenkungen und Regulierungseffekte, reduzierte sich der Umsatz der Telekom Austria Group von 4,802 Milliarden Euro im Jahr 2009 um 3,1 Prozent auf 4,651 Milliarden Euro im Jahr 2010. In Österreich (minus 4 Prozent), Bulgarien (minus 8 Prozent) und Kroatien (minus 5 Prozent) gingen die Umsatzerlöse leicht zurück, in Weißrussland stiegen sie um 14 Prozent und im Segment "Weitere Märkte" (Slowenien Serbien, Mazedonien und Liechtenstein) um 8 Prozent. "Der wettbewerbsbedingte Druck auf die Erlöse wird uns auch in Zukunft begleiten", so Ametsreiter. "Es ist jedoch unsere Strategie, mit höherwertigen Dienstleistungen diesen Trend zu kompensieren. Unser Ziel ist es, mittelfristig den Umsatz bei ca. 4,7 Milliarden Euro zu stabilisieren." Das um Wertberichtigungen und Restrukturierungseffekte bereinigte EBITDA ging im Geschäftsjahr 2010 um 9 Prozent oder 165,7 Millionen Euro zurück. Es beträgt nach 1.812 Milliarden Euro im Jahr 2009 1,646 Milliarden Euro im Jahr 2010. Alleine die Effekte aus der Regulierung (abgesenkte Roamingentgelte und Interconnection Fees, also Entgelte für die Zusammenschaltung von Gesprächen oder Datentransporten zwischen verschiedenen Betreibern) reduzierten das bereinigte EBITDA um 47 Millionen Euro. Korrigiert um diesen exogenen Effekt betrug der Ertragsrückgang 6,6 Prozent. Die Betriebsausgaben blieben mit 3,094 Milliarden stabil. Auch in den kommenden Jahren werden regulatorische Maßnahmen die Ertragsentwicklung belasten, so Ametsreiter. Für die Jahre 2011 bis 2013 wird mit einem negativen Effekt auf das bereinigte EBITDA in Höhe von etwa 175 Millionen Euro gerechnet.

500 Millionen für die Netze
Die Telekom Austria Group steigerte im Jahr 2010 die Investitionen in Sachanlagen um 7 Prozent auf 763,6 Millionen Euro. Der Investitionsgrad beträgt somit 16,4 Prozent vom Umsatz, ein Spitzenwert im europäischen Vergleich. Der überwiegende Teil, nämlich 516 Millionen Euro, wurde in Österreich vornehmlich in den Ausbau des Netzes investiert. Die Investitionen in Österreich wurden im Jahr 2010 um 22 Prozent bzw. 91 Millionen Euro erhöht und betragen 67 Prozent der Konzerninvestitionen. Trotz der Steigerung der Investitionen konnte die Nettoverschuldung des Konzerns um 310 Millionen Euro auf 3,3 Milliarden reduziert werden. "Mit einem Multiple von 2x aus Nettoverschuldung/bereinigtem EBITDA liegen wir mit der Verschuldung innerhalb der geplanten Bandbreite. Wir haben mit dieser weiteren Reduktion unsere Wettbewerbsfähigkeit gestärkt und unseren finanziellen Spielraum verbessert", erklärt Hans Tschuden, die finanzielle Stabilität des Konzerns.


Was bringt 2011?
Ausblick Für das Jahr 2011 erwartet der Vorstand der Telekom Austria Group Umsatzerlöse in Höhe von bis zu 4,6 Milliarden Euro. Angesichts des anhaltend intensiven Wettbewerbs und der weiteren - regulatorisch bedingten - Absenkung der Roaminggebühren und der Interconnection Fees soll striktes Kostenmanagement dazu beitragen, zukünftige Ertragsrückgänge in engen Grenzen zu halten. Das Ziel des Vorstandes ist es, ein bereinigtes EBITDA von bis zu 1,6 Milliarden zu erreichen. "Wir sind zuversichtlich, dass wir für die kommenden Herausforderungen gut gerüstet sind und dass es uns gelingen wird, trotz widriger Marktbedingungen Umsatzerlöse und Ertragskraft auf hohem Niveau stabil zu halten. Nach den Umstruktierungsaktivitäten im Jahr 2010 fokussieren wir heuer auf die operative Performance und damit auf Themen wie Konvergenz, Ausbau des Giganetzes und Smartphones. Zum Beweis unserer Zuversicht haben wir die garantierte Mindestdividende für die Jahre 2011 und 2012 auf 0,76 Euro je Aktie bzw. auf eine Ausschüttungsquote von 55 Prozent des Free Cashflow erhöht", erklären Hannes Ametsreiter und Hans Tschuden unisono.


Trendumkehr im Festnetz
Die positive Trendumkehr bei den Festnetzanschlüssen in Österreich, weiteres Kundenwachstum im Mobilfunk, die Intensivierung der Investitionstätigkeit sowie die erfolgreiche Fusion von Telekom Austria und mobilkom austria prägten in Österreich das Geschäftsjahr 2010. Zum ersten Mal seit 13 Jahren ist es der Telekom Austria Group im österreichischen Festnetz gelungen, den Rückgang an Anschlüssen nicht nur zum Stillstand zu bringen, sondern auch eine nachhaltige Kehrtwende einzuleiten. Dank konvergenter Angebote wie etwa aonTV, exponentiell steigenden Datenmengen, dem nochmals beschleunigtem Ausbau des Giganetzes und der kontinuierlich stark wachsenden Nachfrage nach höheren Bandbreiten und Übertragungsgeschwindigkeiten erlebt das Festnetz eine Renaissance. Der kumulierte Zuwachs im Festnetz betrug im Jahr 2010 1.400 Anschlüsse, insgesamt werden per Jahresende 2,315 Mio. Anschlüsse betreut. "Wir verzeichnen hier ein Kundenwachstum, ohne dem Mobilfunk Geschäft zu entziehen", freut sich Hannes Ametsreiter über den im internationalen Vergleich bemerkenswerten Erfolg. Die Telekom Austria Group war im Jahr 2010 einer von nur zwei europäischen Anbieter ohne Kundenverlust bzw. mit Wachstum im Festnetz. Die Zahl der Breitbandanschlüsse im Festnetz konnte um 13,5 Prozent auf 1,16 Millionen gesteigert werden. Die Sprachminuten sanken ähnlich wie in den Vorjahren um rund 12 Prozent. Auch im Mobilfunk konnte in Österreich die Zahl der Kunden um 5,6 Prozent auf 5,1 Millionen gesteigert werden.

22 Euro Umsatz pro Kunde
Der durchschnittliche Umsatz je Kunde der Telekom Austria Group lag mit 22 EUR/Monat per Jahresende 2010 im europäischen Durchschnitt; der Rückgang des durchschnittlichen Umsatzes je Kunde seit 2004 beträgt jedoch in Österreich 46 Prozent. Dies stellt mit Abstand den Spitzenwert in Europa dar (Europäischer Durchschnitt: 20 Prozent Rückgang im gleichen Zeitraum) und spiegelt den intensiven Wettbewerb in Österreich wider. Die Zahl der mobilen Breitbandkunden konnte um knapp 30 Prozent auf 654.000 gesteigert werden. Die Herausforderung für die Telekom Austria Group ist es laut Ametsreiter, vor dem Hintergrund dieses intensiven Wettbewerbs, die Wettbewerbsfähigkeit und die Ertragskraft des Unternehmens bei gleichzeitig steigenden Kosten und sinkenden Preisen sicher zu stellen: In Österreich stieg der Verbraucherpreisindex (VPI) seit dem Jahr 2000 um 19 Prozent, der Telefonkostenindex (TKI) sank im gleichen Zeitraum um 21 Prozent (EU: VPI plus 23 Prozent/TKI minus 5 Prozent).


Schnelle Netze für alle
In Österreich lagen mit Jahresende 2010 1,7 Millionen Haushalte im Versorgungsgebiet des leistungsstarken Giganetzes. Zum Jahresende 2011 werden es bereits über 2,1 Millionen Haushalte sein. Das Giganetz mit unterschiedlichen Glasfasertechnologien erlaubt Übertragungsgeschwindigkeiten von 100 Megabit/Sekunde. Auch im Mobilfunk wird das A1 Netz mit neuen Technologien wie LTE und mit der Glasfaseranbindung der Mobilfunkstationen noch schneller und leistungsfähiger. Per Jahresende waren bereits mehr als 1.100 Mobilfunkstationen an das "hybride Giganetz" angeschlossen.
Mit welcher Vehemenz der Datenverkehr in Österreich zunimmt, zeigen folgende Zahlen: Im Festnetz stieg die transportierte Datenmenge seit 2008 um den Faktor 2,5 von rund 45 Petabyte auf mehr als 110 Petabyte (1 Petabyte = 1 Million Gigabyte), im Mobilfunk betrug der Steigerungsfaktor 3,5 (von 2 Petabyte auf 5 Petabyte). Für die Zukunft werden weiterhin exponentielle Steigerungsraten erwartet: Derzeit werden im Festnetz pro User durchschnittlich 8 Gigabyte/Monat mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 8 Megabit/Sekunde geladen, mittelfristig wird der Bedarf auf 100 Gigabyte/Monat mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 20 - 100 Megabit/Sekunde geschätzt. Ähnlich ist der Trend im Mobilfunk: Die Datenmenge wird von derzeit 1,5 Gigabyte/Monat auf 10 Gigabyte/Monat steigen, die Übertragungsgeschwindigkeit wird sich von 2,5 Megabit/Sekunde auf 5 Megabit/Sekunde erhöhen. Getrieben wird diese Entwicklung von mobilem Breitband, Smartphones, Multimedia-Services wie HDTV, Video Streaming oder Gaming.


Fusion fast abgeschlossen
Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg in die Zukunft war für Hannes Ametsreiter und Hans Tschuden die erfolgreiche Fusion von Telekom Austria und mobilkom austria: "Wir haben die größte Fusion in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte ohne größere Reibungsverluste nahezu abgeschlossen." Dank dieser Umstrukturierung werde die Telekom Austria Group in der Lage sein, Betriebskosten und Investitonen effizienter zu managen und am Markt wirkungsvoller zu agieren, so das Management. In Österreich waren die Umsatzerlöse im Geschäftsjahr 2010 mit minus 4 Prozent leicht rückläufig und betrugen Milliarden Euro. Vor allem auf Grund des harten Wettbewerbs und regulatorischer Maßnahmen sank das bereinigte EBITDA um 12 Prozent auf 1,032 Milliarden Euro, wobei die Kostensenkungsprogramme die geringeren Umsätze nur teilweise kompensieren konnten.

Konvergenz in Bulgarien

In Bulgarien ist die Telekom Austria Group mit Mobiltel vertreten und betreut 5,3 Millionen Kunden. Damit ist dieser Markt gemessen an der Kundenzahl gleich bedeutend wie Österreich. Bulgarien hat die niedrigste Breitband-Penetrationsrate innerhalb der EU, gleichzeitig ist es der Markt mit der höchsten Datenrate je Benutzer. Dies lässt starkes Wachstum für konvergente Produkte erwarten. Aus diesem Grund erwarb Mobiltel Bulgaria im Jahr 2010 die zwei Glasfaser-Netzbetreiber Megalan Network und Spectrum Net. Unter dem Markennamen M-Tel wurden bereits im Jahr 2010 von den drei Anbietern gemeinsam konvergente Produktbündel erfolgreich am Markt angeboten. Mobiltel konnte im Jahr 2010 die Zahl der Vertragskunden im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent steigern. Die Zahl der mobilen Breitbandkunden konnte von rund 60.000 auf 126.000 mehr als verdoppelt werden. Aufgrund der angespannten Konjunktur entwickelten sich die Umsatzerlöse und die Erträge leicht rückläufig.


Weißrussland: velcom übernommen
In Weißrussland ist die Telekom Austria Group mit dem Unternehmen velcom vertreten. Die Gesellschaft betreut 4,4 Mio. Kunden und hält einen Marktanteil von 42 Prozent. velcom konnte die Zahl der Kunden im Jahr 2010 um 6 Prozent steigern. Die Umsätze (in Euro) erhöhten sich um 14 Prozent auf 343,6 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA stieg um 4 Prozent. Im Jahr 2010 wurde die Beteiligung der Telekom Austria Group an velcom auf 100 Prozent aufgestockt.

Schwieriges Kroatien
In Kroatien konnte Vipnet die Zahl der Kunden im Jahr 2010 um knapp 6 Prozent steigern. Aufgrund der angespannten Konjunktur entwickelten sich die Umsatzerlöse und die Erträge leicht rückläufig. Der durchschnittliche Umsatz je Kunde sank um 8 Prozent. Die Zahl der Breitbandkunden konnte um mehr als 30 Prozent auf 178.958 gesteigert werden.
Weitere Märkte Im Segment "Weitere Märkte" (Slowenien, Serbien, Mazedonien, Liechtenstein) konnte die Zahl der Kunden um 5 Prozent auf 619.000 gesteigert werden. Die Umsatzerlöse erhöhten sich im Jahr 2010 um 8 Prozent auf 321,1 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA konnte um 197 Prozent auf 41,1 Millionen Euro gesteigert werden.
Der Geschäftsbericht der Telekom Austria Group wird Anfang April veröffentlicht, die Hauptversammlung findet am 19. Mai 2011 in der Wiener Stadthalle statt.




































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