,Selbstregulierung aktiv leben‘
 

,Selbstregulierung aktiv leben‘

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Werberat-Jahresbilanz mit 18 Stopps und 29 Sensibilisierungen:

„Werbeverbote waren gestern – gelebte Selbstregulierung ist heute“ steht selbstbewusst auf dem Cover des Jahresberichts des Österreichischen Werberats ÖWR. 212 Persönlichkeiten (73 aus Agenturen, 55 aus Medien, 28 aus werbetreibenden Unternehmen sowie 56 Personen von übergreifenden Organisationen respektive Anwälte, Psychologen, NGO-Vertreter) fungieren  ehrenamtlich als Anlaufstelle für Beschwerden, wenn (Wirtschafts-)Werbung als anstößig, diskriminierend oder irreführend erachtet wird.

Die gute Nachricht, die ÖWR-Präsident Michael Straberger bei der Präsentation des Jahresberichts einmal mehr verkünden konnte: Mit lediglich 18 „Stopps“ (2013: zehn) und 29 Aufrufen zur Sensibilisierung (2013: 17) war auch das Jahr 2014 im Sinne des Kodex der Werbewirtschaft; 21-mal zog das betroffene Unternehmen bereits vor dem Entscheid bei Ersuchen um Stellungnahme das inkriminierte Sujet zurück, 56-mal gab es keinen Grund zum Einschreiten.

Im Sieben-Jahres-Vergleich wurde anno 2014 mit 185 Entscheidungen ein „Rekord“ aufgestellt – nach dem Jahr 2012 mit 173 Entscheiden, schwächstes Jahr in dieser Betrachtung war 2010 mit 125 Entscheiden. Die steigende Anzahl von Entscheiden hat einmal mit der steigenden Etablierung des Werberats zu tun und auch mit mehr Beschwerden zu Werbung im Internet respektive Werbung auf ­Sites, die illegale Inhalte transportieren (Spitzenreiter der Aufmerksamkeit des Publikums sind jedoch unangefochten TV und Plakat).

Ebenso, aber das ist schon Tradition, ist „Geschlechterdiskrimi­nierende Werbung“ vulgo „Sexismus“ mit Abstand der meistgenannte Grund für eine Beschwerde (89 Fälle) vor Ethik & Moral (24), Irreführung & Täuschung (20) sowie Gefährdung von Kindern und Jugendlichen (15 Fälle). Details dazu gibt es unter Werberat.at.

Fast ein Drittel aller Beschwerden bezogen sich auf drei Plakate zur Fotoausstellung von David La Chapelle aus Anlass des Life Ball mit einem Transgender-Modell samt Sichtbarkeit der primären Geschlechtsteile – für Kunst und parteipolitische Werbung ist der Werberat jedoch nicht zuständig.

Neue Mitglieder

Die Basis des Werberats als „Gesellschaft zur Selbstkontrolle der Werbewirtschaft“ sind Mitglieder – so kann Straberger nun den Fachverband Telekommunikations- und Rundfunk­unternehmen als Mitglied begrüßen, acht der neun regionalen Fachgruppen Werbung (Ausnahme: Salzburg) sind nun ebenso ÖWR-Mitglieder. Zusätzlich dazu konnten fünf fördernde Mitglieder – GroupM, IP Österreich, Gewista, dm Drogeriemarkt, ÖAMTC sowie sechs Unterstützer – L’ Oréal Österreich, Raiffeisen Zentralbank Österreich, Deichmann, Mindshare, Lowe GGK und Dentsu Aegis Network – gewonnen werden.  „Abgesehen von der wichtigen finanziellen Stütze ist für uns das Bekenntnis der einzelnen Unternehmen zum System der Selbstregulierung von großer Bedeutung“, erklärt Straberger. Denn „nur wenn alle Marktteilnehmer der Kommunika­tionsbranche Selbstregulierung aktiv leben und in ihrer Verantwortung vorleben, können wir Kraft unserer Mitglieder auch in Zukunft den Kampf gegen Werbeverbote weiterführen“.

Dieser Artikel erschien bereits am 20. März in der HORIZONT-Printausgabe 12/2014. Hier geht's zur Abo-Bestellung.
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