Nachbericht: Druckertag 2014
 

Nachbericht: Druckertag 2014

Podiumsdiskussion "Vorarlberger Erfolgsstorys – Drei Druckunternehmen und ihre Geschichte"

Gedrucktes liegt nach wie vor im Trend. Knapp 1,7 Milliarden Euro betrug 2013 der Wert der abgesetzten Produktion von Druckwerken in Österreich. Das ist zwar um 0,9 % weniger als im Jahr 2012. Doch gleichzeitig stieg die Produktivität in den Betrieben um 3 %. Vorarlbergs Druckereien schneiden im Branchenvergleich überdurchschnittlich gut ab. Warum das so ist, welche Erfolgsrezepte die Vorarlberger Druckereien haben und wie die Druckerei der Zukunft aussehen kann, darüber diskutierten Experten und drei Vorarlberger Vorzeigebetriebe am 17. Mai 2014 beim Druckertag in Lochau/Vorarlberg.

Die Podiumsdiskussion widmete sich dem Thema "Vorarlberger Erfolgsstorys – Drei Druckunternehmen und ihre Geschichte". Eduard Fischer, Geschäftsführer der Offsetdruckerei Schwarzach, Christine Schwarz-Fuchs, Geschäftsführerin der Buchdruckerei Lustenau und Markus Raith, Geschäftsführer des Russmedia Verlag erzählten, was sie und ihr Unternehmen in einem schwierigen Umfeld wettbewerbsfähig macht und diskutierten, warum sich Nachhaltigkeit und Profit nicht ausschließen.

Export oder Wachsen in der Region?

Strategisch günstig im Vier-Länder-Eck gelegen, erstreckt sich der Markt für Druckereien in Vorarlberg traditionell auf Österreich, Deutschland, Schweiz und Liechtenstein. Sowohl die Offsetdruckerei Schwarzach als auch die Buchdruckerei Lustenau weisen eine hohe Exportquote auf, die in den letzten Jahren stark gestiegen ist. 54% alle Druckwerke der Buchdruckerei Lustenau werden exportiert, bei der Offsetdruckerei Schwarzach sind es sogar 75%. Einen anderen Weg geht der Russmedia Verlag. Bis in die 1990er Jahre verfolgte die Familie Russ konsequent das Ziel, in Vorarlberg als regionalem Markt zu wachsen. Neben den "Vorarlberger Nachrichten" kaufte der Verlag diverse Printmedien wie "Wann & Wo" oder die "neue Vorarlberger Tageszeitung". Erst nach dem Schritt in die digitale Welt erfolgte eine Richtungsänderung durch Investition in digitale Nischenprojekte und damit auch ins Ausland, berichtet Markus Raith, Geschäftsführer des Russmedia Verlags. Doch die Frage Export oder Expansion entscheidet nicht allein über den Erfolg eines Unternehmens. „Gute, verlässliche Qualität und Top-Mitarbeiter sind essentiell für den Erfolg“, erklärt Christine Schwarz-Fuchs, deren Buchdruckerei Lustenau als familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet wurde.

Mitarbeiter als Erfolgsfaktor

Aus den USA brachte Christine Schwarz-Fuchs die Idee mit, Frauen möglichst früh den Wiedereinstieg zu ermöglichen und ihren Mitarbeitern ein möglichst flexibles Arbeitszeitmodell anzubieten. Das Ergebnis: mit 35% eine sehr hohe Frauenquote im grafischen Gewerbe, überdurchschnittlich viele Frauen in Führungspositionen, topmotivierte Mitarbeiter und eine sehr geringe Fluktuation. „Die Mitarbeiter wissen diese Freiheiten zu schätzen und arbeiten meistens die Zeit wieder ein, Pflegeurlaub wird bei uns nur sehr selten konsumiert. Die Mitarbeiter übernehmen viel mehr Eigenverantwortung, das merken wir sehr stark“, sagt Schwarz-Fuchs.

Klimaschutz als Verkaufsargument

Eduard Fischer, Geschäftsführer der Offsetdruckerei Schwarzach, setzt dagegen auf Klimaschutz. Dieser ist für ihn nicht nur Teil der gesellschaftlichen Verantwortung, sondern auch eine wichtige Strategie für die Marktpositionierung: „Das Logo „klimaneutral gedruckt“ auf den Verpackungen ist für viele unserer Kunden ein Wettbewerbsvorteil. Vor allem in der Schweiz reagieren die Unternehmen sehr sensibel und bevorzugen Lieferanten mit entsprechenden Zertifikaten.“ Wichtig ist für Fischer, hier in langfristigen Zielen zu denken: „Unsere baulichen Maßnahmen, wie z. B. die Wärmepumpe, haben deutlich längere Amortisationszeiträume. Die Unabhängigkeit und Unberechenbarkeit von fossilen Brennstoffen bringen aber für diese Investitionen in der Zukunft wesentliche, auch betriebswirtschaftliche, Vorteile.“

Ähnlich sieht das Christine Schwarz-Fuchs, Geschäftsführerin der Buchdruckerei Lustenau, die seit dem Jahr 2000 ebenfalls auf Erdwärme als alternative Energiequelle setzt. Zusätzlich verwendet die Buchdruckerei Lustenau auch die Abwärme der Druckmaschinen für die Heizung der gesamten Büroräumlichkeiten und für Warmwasser.  „Gerade die Investitionen in umweltfreundliche Heizsysteme haben rasch für eine spürbare Ersparnis gesorgt. Schon nach dreieinhalb Jahren hatten wir die Investitionskosten abgedeckt“, berichtet Schwarz-Fuchs.

Wachsen in neuen Märkten

Russmedia setzt seit vielen Jahren auf digitale Plattformen. Der große Vorteil liegt für Geschäftsführer Markus Raith in der geografischen Unabhängigkeit. So können viel mehr Menschen mit einem Nischenangebot erreicht werden als mit einer gedruckten Zeitung. Die zielgerichtete Spezialisierung, die das Medienunternehmen schon auf dem Regionalmarkt verfolgt hat, soll nun auch im Web funktionieren. Denn eines ist für Markus Raith klar: „Nur die Nummer 1 in einem Online-Markt ist profitabel.“ Und genau dort möchte das Vorarlberger Unternehmen hin. In der Praxis heißt das, dass das Führungsteam in den Folgejahren digitale Nischenprodukte gründet oder kauft und diese sukzessive zur Nummer Eins aufbaut. Heute besitzt der Verlag zehn Tageszeitungen, 80 Wochenzeitungen und mehr als 100 Online-Portale in Österreich, Deutschland, Rumänien und Ungarn.

Das Geheimnis des Erfolges

„Wir haben Wettbewerb nie als Bedrohung, sondern immer als Chance verstanden“, sagt Markus Raith. Dem stimmt auch Eduard Fischer zu: „Wir haben uns nie auf dem ausgeruht, was wir erreicht haben, sondern haben das Unternehmen kontinuierlich weiterentwickelt.“ Wichtig ist auch die persönliche Einstellung, da sind sich alle drei einig. Christine Schwarz-Fuchs bringt es auf den Punkt: „Wer seinen Beruf liebt, scheut auch keinen außerordentlichen Einsatz. Und das ist in der heutigen Zeit sicher sehr wichtig. Ich liebe die Druckbranche, und ich liebe den Geruch von Druckfarben.“ Und das ist ansteckend. Nicht nur für Mitarbeiter, sondern auch für Kunden.

Verband als Netzwerk

Den Verband Druck & Medientechnik sehen alle drei als wichtiges Netzwerk für ihre Unternehmen. „Der Verband bietet eine gute Plattform, um sich mit Branchenkollegen auszutauschen. Darüber hinaus hat der Verband eine wichtige Servicefunktion und unterstützt bei branchenspezifischen Fragen zum Kollektivvertrag u.a.“, so Raith. Für Christine Schwarz-Fuchs ist etwa der Druckertag „eine gute Netzwerk- und Infoveranstaltung, die für mich ein wichtiger Fixpunkt ist“. Eduard Fischer betont zudem die Aufgabe des Verbandes durch intern organisierte Lehrausbildung zum Drucktechniker und durch die enge Kooperation mit der Höheren graphischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt in Wien, umgangssprachlich „die Graphische“ genannt. „Ich habe selbst die Graphische absolviert und finde das Aus- und Weiterbildungsprogramm des Verbandes ausgezeichnet und am neuesten Stand der Technik“, so Fischer.

(red)
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