Medien und ihre Mission: Community-Medien aus...
 
Medien und ihre Mission

Community-Medien aus der Hauptstadt

Sebastian Philipp, Okto
Christian Jungwirth, Okto-Geschäftsführer, wünscht sich mehr Förderungen für nicht-kommerzielle Medien.
Christian Jungwirth, Okto-Geschäftsführer, wünscht sich mehr Förderungen für nicht-kommerzielle Medien.

Diverse und ethnische Medien aus Wien und ihre Mission. 

Sie bewegen sich jenseits des medialen Mainstreams – diverse oder ethnische Medien. Gerade in Wien ist ihre Bandbreite groß, im Printbereich ebenso wie in Form von Beiträgen in freien Radio- und Fernsehsendern.

Aktuelle Zahlen wie viele Medien es in welchen Genres gibt, existieren kaum. Manuel Bräuhofer, CEO der Diversity- und Ethnomarketing-Agentur brainworker, sagt, dass rund 70 Prozent einen türkischen Hintergrund haben und generell nur wenige der Ethnomedien über viele Jahre hinweg erfolgreich sind. Seine Agentur betreut große Kunden aus Bereichen wie Finanzdienstleistungen und Versicherungsunternehmen und bucht für diese gezielt in Printmedien, aber vor allem europäischen TV-Formaten, die über eigene Österreich-Fenster verfügen.

Magazin für Migranten

Eine der bekanntesten Beispiele aus der Wiener Community-Printlandschaft: biber, ein „transkulturelles Magazin für neue Österreicher“, das alle zwei Monate in einer Auflage von 85.000 Stück erscheint. Das Ziel des Redaktionsteams rund um Herausgeber Simon Kravagna ist es, die Vielseitigkeit der Wiener Gesellschaft abzubilden, soziale Brennpunkte zu kommentieren und Missstände aufzugreifen.

An die rund 744.000 in Österreich lebenden Serben, Bosnier, Kroaten und Montenegriner richtet sich Kosmo („Wer sind wir?“). Das zehn Mal jährlich publizierte Magazin erscheint in einer Auflage von rund 120.000 Stück – auf Bosnisch, Kroatisch und Serbisch sowie Deutsch. „ versteht sich nicht nur als Sprachrohr der Zielgruppe, sondern auch als wichtiger Ratgeber für die Leser:innen und die interessierte österreichische Öffentlichkeit“, heißt es in einer Präsentation des Verlages.

Yeni Vatan Gazetesi – Neue Heimatzeitung wiederum ist das zentrale Blatt der türkischen Gemeinschaft und stark auf Tagespolitik fokussiert. Die Monatszeitung versteht sich als „säkulare, verfassungspatriotische, österreichische Zeitung, die demokratische Rechtsstaatlichkeit in allen Ebenen fordert“, wie es in der Blattlinie heißt.

Volksgruppen im ORF

Auch der ORF nimmt in Sachen Community-Medien eine Sonderstellung ein, müssen sich doch im Rahmen von Paragraph 3 des ORF-Gesetzes Anteile des Programmes an ethnische Minderheiten richten, die über einen Volksgruppenbeirat verfügen. In Wien werden deshalb das tschechisch-slowakische Magazin „Ceské Ozveny/Slovenské Ozveny“ sowie das ungarische „Adj’Isten magyarok“ jeweils einmal monatlich ausgestrahlt.

Ergänzend bietet Ö1 Experimentalradio: Migranten, Angehörige von Volksgruppen und Menschen mit Behinderung können via oe1.ORF.at/campus an einem Experimentalradio-Projekt teilnehmen, wobei Beiträge in den Sprachen der autochtonen Volksgruppen einen Großteil des Programms ausmachen.

Freie TV-Szene

Der Wiener Community-Sender Okto wiederum ermöglicht verschiedenen Ethnien, ihre Anliegen ins Fernsehen zu bringen und Programme selber zu gestalten, wobei Fernsehstudio, Kameras und Schnittplätze kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Dabei finanziert sich der nichtkommerzielle Sender aus Mitteln der Stadt Wien und des RTR-Fonds zur Förderung des nichtkommerziellen Rundfunks: „Zur Zeit haben wir 15 Fremdsprachen im Programm – von Ex-Jugoslawisch über Spanisch bis Türkisch. Wir sind der einzige alternative Programmanbieter mit Inhalten aus den Wiener Lebenswelten“, sagt Okto-Geschäftsführer Christian Jungwirth. Bedingt durch beschränkte Förderressourcen sei das Angebot migrantischer und diverser Medien zu gering, so Jungwirth. „Wir würden uns mehr Förderungen für nicht-kommerzielle Medien wünschen.“

Dabei steht die Community-Medienszene vor einem demografischen Wandel, wie Manuel Bräuhofer von brainworker sagt: „Die Jungen interessieren sich nicht mehr für Ethno-Programme und sind im Mainstream angekommen und man erreicht sie vor allem über Social Media.“

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