Materialschlacht um Polit-Vorherrschaft
 

Materialschlacht um Polit-Vorherrschaft

Im Wahlwerbegalopp rittern die Parteien um Gunst und Glaubwürdigkeit. Oberösterreich wählt am 27. September, die Wiener setzen am 11. Oktober ihre Kreuzerl

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Seit dem Jahr 1994 ist Michael Häupl Wiens Bürgermeister – für ihn und seine Partei steht am großen Wahlsonntag besonders viel auf dem Spiel: Der Abstand in den Umfragen zwischen SPÖ und FPÖ, seit 2010 Zweiter in der Bundeshauptstadt, ist laut Umfragen so gering wie nie. Hier wird ein Match entschieden, das durchaus hart wird für den volksnahen gebildeten Roten, der immer wieder für seine Sager bekannt ist und Strache gern Paroli bietet. Für die Agentur Unique, die SPÖ werblich betreut, ­bedeutet das einen Druck, der bei der Bewerbung von Produkten wohl nicht annähernd so groß ist. Unique-Geschäftsführer Robert Judtmann dazu: „Im Wesentlichen interessieren sich für die Bewerbung von klassischen Produkten und Marken weder Medien noch Konsumenten. Politische Kommunikation hingegen wird beurteilt, kommentiert und ständig bewertet. Besonders in den sozialen Medien. Dadurch ist ihre Wirkung viel schwerer planbar. Das muss in der Konzeption, Planung und Steuerung besonders beachtet werden.“

Neben der Präsenz in sozialen ­Medien, auf die heute wohl keine ­Partei mehr verzichten kann, setzt die Wiener SPÖ auf alle klassischen ­Medien, mit Sprüchen wie „Lebensqualität schön und gut. Aber auch wurscht, wennst dir keine Wohnung leisten kannst“ – das trifft die typischen SPÖ-Themen Soziales, Bildung und Wohnen. „Die SPÖ führt, im ­Gegensatz zu den anderen Parteien, einen inhaltlichen Wahlkampf. Im Mittelpunkt stehen die Wiener und Wienerinnen mit ihren Bedürfnissen und natürlich der Bürgermeister“, so Judtmann. Wie viel Budget zur Verfügung steht, ließ die SPÖ zu Redaktionsschluss allerdings unbeantwortet. Als Nummer eins mit 44,3 Prozent der Stimmen bei der letzten Wahl hat die SP jedenfalls die höchste von jährlich 27 Millionen Euro Parteiförderung in Wien zur Verfügung und die Wiener Straßenlandschaft sowie Berechnungen auf dossier.at zeigen, dass die SP durchaus gut präsent ist.

Politwerbung ist emotional

„Politische Werbung verkauft Ideen, Zukunft, Lösungen für die Menschen. Das ist naturgemäß besonders involvierend und emotional“, erklärt Wolfgang Hagmann von der Agentur Freude, die für die Werbemaßnahmen der Wiener ÖVP verantwortlich zeichnet. Emotional, das ist der Kampf um Wien am 11. Oktober – aber auch jener um die Sitze im oberösterreichischen Landtag am 27. September – wenige Wochen vor dem Tag X – allemal. Das demonstrieren schon die Slogans der Wahlplakate und -inserate. So setzt die ÖVP Wien rund um Spitzenkandidat Manfred Juraczka wie ihre Mitstreiter auf Themen, die die Wiener bewegen: den Arbeitsmarkt, Bildung, Wirtschaft und Verkehr.

Um ihr Programm rund um mehr Wirtschaftskompetenz für die Wiener Stadtregierung, die Förderung von Gymnasien und die faire Behandlung von Autofahrern zu vermitteln, lassen die Schwarzen, wie sie finden, kommunikativ keinen Stein auf dem anderen. „Wir sind mit ­Filmen, Radiospots, Broschüren, Anzeigen, Plakaten, Online in allen Formaten bis hin zu innovativen Werbemitteln wie interaktiven City Lights präsent, wie Hagmann aufzählt. Dafür steht, so ­Katharina Riedl, Leiterin der Pressestelle, ein Budget von drei Millionen Euro zur Verfügung – damit lassen sich natürlich größere Schritte machen als etwa mit 800.000 Euro, die die Neos in der Hauptstadt in Wahlwerbung investieren können – Geld das sie über Fundraising und Darlehen via Aktionismus finanzieren.

FPÖ-Werbung hausgemacht

„Oktober ‚Revolution‘. Wien tauscht Häupl gegen HC Strache und nimmt für Rot-Grün süße Rache“ – die Wiener FPÖ indes verzichtet auch im aktuellen Wahlkampf nicht auf das Stilmittel Reim, mit dem die Partei schon in der Vergangenheit auf sich aufmerksam machte. Dafür gibt es keine Agentur und Parteisekretär Herbert Kickl schwingt die Feder. „Agenturen kommen nur dort zum Einsatz, wo unsere technischen Mittel nicht ausreichen. Das beschränkt sich jedoch auf die Endfertigung der Produkte“, lässt Elisabeth Hechenleitner, Pressesprecherin von Klubobmann Johann Gudenus, wissen. Wer allerdings glaubt, dass die Erledigung der Werbeagenden im Haus besonders günstig ausfällt, irrt. „Das Wahlkampfbudget ist heuer das erste Mal auf sechs Millionen Euro beschränkt – daran werden wir uns halten“, erklärt Hechenleitner.

Neben der Produktion von Großflächenplakaten, Inseraten und Streuartikeln setzen die Wiener Freiheitlichen auf den direkten Kontakt zum Wählern – mit starken Reden, einem Wahlkampfsong und in sozialen Medien. Auf Facebook hat Spitzenkandidat H.C Strache. derzeit knappe 252.000 Fans. Auf der Straße sind die Freiheitlichen mit „Standl-Aktionen, Speaker’s ­Cornern, Stammtischen und Hausbesuchen“ auf Wählerfang. Flüchtlingsthematik, Integration und Asyl sind altbekannte große Themen, die die Kleinen auf ihre Art ansprechen.  Gerade wurde die zweite Plakatwelle gestartet, das Motto „Wir grenzen niemanden aus, schon gar nicht unsere Wiener“. Weiters seien, so betont man, Wohnen, Sicherheit, Arbeitsmarkt, Senioren, Bildung, Finanzen, Arbeitslosigkeit und Gesundheit den Blauen in Wien ein Anliegen.

Ähnlich gestaltet es sich für die Freiheitlichen in Oberösterreich, wo Spitzenkandidat Manfred Haimbuchner am 27. September auf möglichst viele Kreuzerl hofft. Er möchte zu Landeshauptmann Josef Pühringer aufschließen und die ÖVP hinter sich lassen. Im Bundesland ob der Enns „ist der Themenkatalog breit gefächert“, so Landespressereferentin Birgit Thurner – und diesen wolle man über sämtliche Werbeformen, unter anderem aber auch den Channel „Haimbuchner-TV“ auf YouTube in die oberösterreichische Welt hi­naustragen. Dies scheint zu gelingen, wie der Kommentar von Gerald Mandlbauer, Chefredakteur der OÖ Nachrichten, bemerkt.
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