Lotto-Sujet zurückgepfiffen
 

Lotto-Sujet zurückgepfiffen

Stadtmarketing von Perg befürchtet einen Imageschaden - Kapfer von Lowe GGK: „Wir stehen zu unserer Kampagne, aber wir wollten niemanden verunglimpfen.“

Eine aktuelle Plakatkampagne der Österreichischen Lotterien wird dieser Tage aus dem Verkehr gezogen. Auf dem Sujet, das von Lowe GGK kreiert wurde, sieht man eine Auto-stoppende junge Frau im strömenden Regen, deren Ziel die oberösterreichische Stadt Perg ist. Rechts daneben ist die Frau ein zweites Mal abgebildet – diesmal befindet sie sich dank einem Lottogewinn lächelnd bei strahlendem Sonnenschein in Paris.

Stadtmarketing schickte Protestschreiben aus

Die Perger zeigten von dieser Werbeidee nicht sehr angetan. Und so entsendete das Stadtmarketing vergangene Woche ein Protestschreiben an die Generaldirektion der Österreichischen Lotterien. Darin kritisiert das Stadtmarketing die Kampagne laut Tips.at unter anderem mit folgenden Worten: „Wir finden es beschämend, da unsere Stadt und unser Bezirk in den Jahren 2002 und 2013 durch starke Regenfälle im Norden und Westen des Landes von Hochwasser betroffen waren. Daraus werblich abzuleiten, dass es in Perg bzw. Österreich offenbar stets regne und grau sei, ist an sich schon perfid. Dass es in der Diktion Ihrer gezeigten Werbungen somit schlecht sei, nach Perg zu reisen, impliziert Ihr Werbesujet allemal!“ In dem Schreiben wurden die Lotterien dazu aufgefordert, die Kampagne zu stoppen und die bereits verbreiteten Plakate binnen einer Woche zu entfernen. Laut Günter Kowatschek, Geschäftsführer des Stadtmarketings könne noch nicht quantifiziert werden, welchen Schaden der Wirtschafts- und Tourismusstandort dadurch erleiden würde.

Lotto-General lässt Sujet nun überkleben

Am Freitagnachmittag folgte eine Antwort von Lotto-Generaldirektor Karl Stoss, wonach alle Plakatwände bis 15. Mai überklebt werden sollen. Laut Tips.at hat Stoss in einem Antwortschreiben bedauert, dass es zu Irritationen kam und eingestanden, dass die Österreichischen Lotterien „die namentliche Nennung von Perg wohl noch einmal gründlich hätten überdenken müssen.“ Eine Beschwerde beim Österreichischen Werberat von seiten des Stadtmarketings besteht weiterhin.

"Hätte mit ein bisschen mehr Humor gerechnet"

Michael Kapfer, Managing Director bei der betreuenden Werbeagentur Lowe GGK, erklärte auf Anfrage von HORIZONT online: „Wir stehen zu unserer Kampagne, aber wir wollten niemanden verunglimpfen.“ Die Kampagne laufe nun aus. Und zur kreativen Idee: „Es handelt sich hier um eine Fehlinterpretation unserer Kampagne. Die linke Seite ist nicht ‚schlecht’ und die rechte ‚gut’, sondern links zeigen wir das normale Leben und rechts das außergewöhnliche Leben eines Lottogewinners.“ Er selbst sieht keinen Schaden für die Tourismusregion; auf beiden Seiten des Sujets werde ein Ort dargestellt, wo man hinfahren möchte. Kapfer verwies auch darauf, dass diese Plakatkampagne schon länger besteht und bei früheren Sujets auch diese Aussage transportiert wurde.

Er selbst zeigte sich von der Reaktion des Perger Stadtmarketings überrascht: „Ich hätte mit ein bisschen mehr Humor gerechnet. Die Organisatoren des Vinum Perg haben unser Sujet zum Beispiel humorvoll aufgegriffen – das ist ein intelligenterer Weg und gleichzeitig kluges Marketing für das Event.“ Die Veranstalter reagierten nämlich mit einer eigenen Version des Lotto-Plakatsujets (Siehe Bild 2).
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