‚Lösungen statt Verbesserungen‘
 

‚Lösungen statt Verbesserungen‘

K. Schiffl
Karin Frick flog aus Zürich ein, um beim Symposium der Strategie Austria aktuelle Forschungsergebnisse zu teilen.
Karin Frick flog aus Zürich ein, um beim Symposium der Strategie Austria aktuelle Forschungsergebnisse zu teilen.

Warum Uber als bahnbrechende Innovation bezeichnet werden kann und Tesla nicht, erklärt Karin Frick, Research-Leiterin am Schweizer Gottlieb Duttweiler Institut

HORIZONT: Frau Frick, Sie fungieren als Leiterin für Research am Gottlieb Duttweiler Institut. Was fällt unter ­Ihren Verantwortungsbereich?

Karin Frick: Ich leite die gesamte ­Zukunftsforschung – dies umfasst Studien, die wir für Kunden durchführen, als auch Studien, die wir selbst initiieren, ­sowie die Ausrichtung von Veranstaltungen, um beispielsweise Trends zu diskutieren.

HORIZONT: Mit welchen Trends in den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Konsum setzen Sie sich derzeit ­besonders intensiv auseinander?

Frick: Unser zentrales Thema ist ­derzeit sicherlich die digitale Revolution, die sowohl die Märkte, als auch die Menschen verändert, die verändert, wie wir arbeiten, einkaufen, kommunizieren und denken. Was uns von anderen Instituten ­unterscheidet ist, dass wir uns nicht mit zugespitzten Themen auseinandersetzen, sondern versuchen, das große Ganze zu erfassen.

HORIZONT: Welche Methoden ­nutzen Sie in der Trendforschung?

Frick: Um Hypothesen zu Trends und zur Zukunft aufstellen zu können, ­setzen wir sehr stark auf den Austausch mit Menschen, vor allem mit Menschen, die wir als Visionäre ­betrachten. Darüber hinaus sind wir sehr viel unterwegs, nehmen an zahlreichen Konferenzen teil und tragen ­zusammen, über welche Visionen dort diskutiert wird. Auch die Trendforschung hat sich durch die Digitalisierung sehr stark verändert und so sind Data-Mining und Netzanalysen wichtige Tools für uns. Um Trends in sozialen Netzwerken zu erforschen, arbeiten wir derzeit zum Beispiel mit einer Forschergruppe des MIT ­zusammen, die digitale Analysetools für die Trendforschung zur Verfügung stellt.

HORIZONT: Was macht Ihrer ­Ansicht nach eine echte Innovation aus? Wodurch unterscheidet sich eine tatsächliche Innovation von etwas schon ­Dagewesenem, das sich lediglich im neuen Gewand präsentiert?

Frick: Bahnbrechende Innovationen drücken sich immer durch ein grundsätzlich neues Konzept aus – wie etwa das Auto, das das Pferd ersetzt hat. Aktuell wäre Uber als bahnbrechende Innovation zu nennen, da Uber die Mobilität neu organisiert, während Tesla etwa nur eine Verbesserung ­eines bereits bestehenden Konzepts ist. Ebenso bahnbrechend ist wohl das Hologramm, da es ein ganz anderes Konzept ist, als das zweidimensionale Bild.

HORIZONT: Aber ist Uber nicht dem bereits bestehenden Konzept von Taxiunternehmen ähnlich?

Frick: Der Unterschied ergibt sich dadurch, dass das System sich ganz anders organisiert und eine komplett neue Lösung anbietet, was das Bedürfnis der Mobilität betrifft.

HORIZONT: In Ihrem Vortrag am Symposium der Strategie Austria (mehr dazu hier) haben Sie jenes Spannungsfeld erläutert, das sich ergibt, indem Menschen sich langsamer weiterentwickeln, als die Technik. Welche Reaktionen löst dieses Spannungsfeld in der Gesellschaft aus?

Frick: Menschen reagieren darauf ganz unterschiedlich. Einerseits gibt es jene, die durch diese neuen, mächtigen Tools zahlreiche Chancen erkennen, andererseits aber auch jene, die sie als Bedrohung empfinden und mit Angst, Zurückhaltung und Skepsis ­reagieren. Das ist teilweise sehr ­abhängig von der Kultur, der man ­angehört – während Innovationen in den USA etwa meist sehr euphorisch ­begrüßt werden, zeigt sich im deutschsprachigen Raum oft eher Zurückhaltung als erste Reaktion. Natürlich kann man das nicht verallgemeinern, aber wenn man die unterschiedlichen ­Reaktionen auf dieses Spannungsfeld kulturell clustern will, ergeben sich hier klare Tendenzen.

HORIZONT: Wie einflussreich ist die Gruppe jener Menschen, die sich ­bewusst gegen gewisse Entwicklungen entscheiden, das Analoge dem Digitalen vorziehen etwa?

Frick: Wir betrachten immer sowohl Trends, als auch entsprechende ­Gegentrends – und somit auch jene, die sich gewissen Entwicklungen ­bewusst zu entziehen versuchen. Vor allem im Food-Bereich hat sich das als relevant erwiesen, denn der ­Gegentrend Bio hat einen ganz neuen Markt hervorgebracht. Unternehmen haben somit immer die Möglichkeit, sich im Bereich des Gegentrends zu positionieren – auch wenn es sich oft um einen kleineren Markt handelt, als die aktuellen Mainstream-Trends .
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