Kunst samt Sponsoring in der Krise
 

Kunst samt Sponsoring in der Krise

Wolfgang Lamprecht, Leisure Communications, im Interview.

Sponsor-Ausfälle, Budgetkürzungen, Panik und Petitionen: Wolfgang Lamprecht, Partner bei der auf Kultur, Medien und Freizeitindustrie spezialisierten Kommunikationsagentur Leisure Communications, über die Entwicklungen der Kunstszene vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise.

HORIZONT Online:  Jüngst haben Wirtschaftsprüfungskanzleien Tagungen und Kongresse zum Thema Kultur vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise abgehalten. Ist die Kunst so in der Krise?

Wolfgang Lamprecht: Kunstbetriebe, -initiativen oder -projekte haben natürlich nie genügend Geld. Daher waren sie, sind sie und werden immer sein: permanent in der Krise (lacht). Im Ernst: Ich glaube nicht, dass die Wirtschaftskrise Schuld daran trägt, wenn auch im Kunstbetrieb vermehrt verantwortlicher Umgang mit Budgets und damit Controlling gefragt ist. Um es mit Michael Govan, Direktor des Los Angeles County Museums zu formulieren: „Kunst verliert seinen emotionalen Wert nie, egal wie die Wirtschaft aussieht.“ Als Beweis dafür mag gelten, dass trotz Krise Karten für das kommende Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker noch immer nicht am freien Markt erhältlich sind.

HORIZONT Online: Aber in der Kunstszene gibt es kaum jemanden, der nicht über zu wenig Geld jammert.

Lamprecht: Es ist das gute Recht eines jeden Managers, über einen wenig optimalen Geschäftsverlauf unglücklich zu sein. Faktum est, dass die Kulturministerin für 2009 über 30 Millionen Euro mehr im Kulturbudget hat. Dazu kommen die Budgets der Länder. Sowohl Wien als auch Oberösterreich, Burgenland, Salzburg und zuletzt auch Niederösterreich haben zum Beispiel heuer ihre Kulturbudgets ebenfalls erhöht. Wir sprechen da nur von klassischer Kulturförderung. Im Bereich der Creative Industries wird ja auch substantiell gefördert. Man muss schon sehen: Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern werden in Österreich weder Kulturinstitutionen geschlossen, noch gehen Arbeitsplätze verloren. Möglicherweise wird aber künftig auf strategisch wichtige Projekte fokussiert, zugegeben: zulasten von Orchideenprojekten.  

HORIZONT Online:  Kunstmanager beklagen vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise besonders der Ausfall von Sponsoren. Wie dramatisch ist die Lage?

Lamprecht: Klar: Bernhard Madoff war ein Mäzen, jetzt sitzt er im Häfen, der Sponsor Lehman Brothers ist in die Binsen gegangen, General Motors steht vor Selbigem. VW stellt seine Unterstützung für die Deutsche Oper ein, die Deutsche Bank überdenkt ihr Sponsoring. Viele Banker an der Wall-Street und in London stehen auf der Straße, mit ihnen die Galaristen, die damit auch auf teilweise schon obszön teurer Kunst sitzen bleiben. Zweifellos zieht die Wirtschaftskrise ihre Schneise auch durch die Kunstszene. Wenn sich die Bank Austria zum Beispiel in Österreich aus dem Jazz-Sponsoring zurückzieht, dann tut sie das, weil sie im Vergleich zu früher nicht mehr nur für Österreich zuständig ist, sondern für 23 Länder im zentral- und osteuropäischen Raum; sie somit auch Schwerpunkte verschieben muss. Das jahrelang von der Bank Austria unterstützte Porgy & Bess zum Beispiel hat mühelos mit der BAWAG einen tollen neuen Sponsor gefunden. Man muss die Kirche im Dorf lassen: Natürlich fühle ich mit Klaus Albrecht Schröder, wenn er den Totalausfall der Mäzene für die Albertina beklagt. Es sind das amerikanische Mäzene, die Albertina wird weiter bestehen bleiben und vielleicht wird sich die Albertina einen Blockbuster weniger leisten können. – Ich sage: Na und? Wir haben Museen und Ausstellungen genug in Wien. Und alle anderen bestätigen, dass von Einsparungen nicht die Rede sein kann. Es gibt sogar viele Institutionen – Mumok, Volksoper, Zoom, Vereinigte Bühnen, die heuer zusätzliche Sponsoren gefunden haben. Eine Absetzbarkeit etwa über die Museen und das Bundesdenkmalamt hinaus wäre analog zur Spendenabsetzbarkeit für Hilfsorganisationen ein echter Bringer.



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