'Koch'-Buch mit 42 Rezepten fürs Leben
 

'Koch'-Buch mit 42 Rezepten fürs Leben

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Thomas Koch, der Stachel im Fleisch des deutschen Mediageschäfts, veröffentlicht ein Buch mit Lebensweisheiten, Erfahrungen und Tipps

Er schreibt Gastkommentare, Leserbriefe und Kolumnen. Er bloggt und er twittert ­leidenschaftlich gern. Und nun schrieb er also ein Buch. Thomas Koch gilt als ebenso weiser wie kritischer Geist der deutschen Medialandschaft. Seine Gedanken- und Erfahrungswelt hat er nun auf knapp 200 Seiten im Econ Verlag zu Papier gebracht. Das Buch heißt „Die Zielgruppe sind auch nur Menschen“ und besteht aus 42 Episoden aus Kochs „wildem Leben als Werber“. Unter dem Label „Ausgekocht“ ist jedes Kapitel mit einem ganz konkreten Tipp versehen.

Einmal Kanadier, immer Kanadier

Das Buch ist eine Melange aus Memoiren und Abrechnung. Genüsslich ­beschreibt Koch seinen Werdegang zu einem der wohl profiliertesten Mediaexperten des deutschsprachigen Raumes und legt dabei auch sattes Selbstbewusstsein offen. Koch, Jahrgang 1952, verbrachte seine Kindheitsjahre in ­Kanada, weil sein Vater die Söhne vor dem eben wieder eingeführten Wehrdienst schützen wollte. Der Erkrankung des ­Vaters war es geschuldet, dass die Familie in den Sechzigern zurück nach Deutschland kam. Ein Schock für den jungen Koch: „Im Alter von 13 fand ich mich in Nievenheim, einem unsäglichen Kaff zwischen Düsseldorf und Köln, wieder. Nach Jahren in der modernen Metropole Montreal empfand ich das als reinste Kindesmisshandlung. Und so blieb ich in meinem Selbstverständnis immer Kanadier.“ Hier liegt vielleicht ein Schlüssel zu Kochs offen zur Schau ­gestellter Unabhängigkeit, zu seinem Drang, sich abzugrenzen, seinen eigenen Weg zu gehen. In den späten Sechzigern beschäftigte sich Koch leidenschaftlich mit UFOs, an deren Existenz er auch heute noch mit Inbrunst glaubt. Der Einstieg in den Beruf erfolgte über eine Lehre bei Rank Xerox in Düsseldorf, wo er erstmals die glamouröse und kreativ-chaotische Welt der Werber spürte. Sein Entschluss: „Zu dieser Welt wollte ich auch gehören.“

Die Media-Revolution

Die erste Station auf Agenturseite war Grey & Gramm, danach, 1978, kam Koch zur GGK, wo er das Mediageschäft sämtlicher Dependancen zusammenführte. Den Moment, als er GGK-Gründer Paul Gredinger davon überzeugte, eine ­eigene GmbH für Media zu gründen und er, der 25-jährige Koch, als deren Geschäftsführer installiert wurde, bezeichnet er heute als seinen Durchbruch. ­Bemerkenswert: Von Beginn an setzte Koch sehr stark auf die Fachpresse, um sich ein eigenes Profil zu verschaffen. Der markante Schnauzer, die Zigarette und die teils unbequemen Aussagen dienten zusätzlich dem Ziel, eine unverwechselbare „Brand“ in der deutschsprachigen Medienlandschaft zu werden. Koch schreibt: „Man muss sich verhalten wie eine Marke, wenn man eine Marke aufbauen will.“

1987 dann wagt er mit thomaskochmedia in Düsseldorf den Schritt in die Selbstständigkeit. Anspruch damals von Beginn an: kreative Mediaplanung. 2002 verkaufte er seine Agentur an Starcom, bis 2006 blieb er CEO von TKM Starcom, der damals siebtgrößten Mediaagentur Deutschlands. 2010 gründete er schließlich seine heutige Agentur für Media­beratung, die TK one, seit 2012 engagiert er sich mit Plural Media Services in Berlin um die Professionalisierung des Mediageschäftes in krisen­gebeutelten Ländern wie dem Irak, dem Sudan oder Afghanistan. Und gibt Koch bald Ruhe? Keine Sorge, zum Schluss schreibt er: „Ich werde die Branche weiter nerven. Weiter in offenen Wunden bohren. Ich werde erst dann aussteigen, wenn sich ein Nachfolger bemerkbar macht. Jemand, der dem Profit- und Renditetreiben dieser Branche eine kritische Meinung entgegenhält.“

Dieser Artikel erschien bereits am 14. November in der HORIZONT-Printausgabe 46/2014. Hier geht’s zur Abo-Bestellung.
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