Kleiner Leitfaden zur WK-Wahl
 

Kleiner Leitfaden zur WK-Wahl

Allgemeines, Aktuelles und Konkretes zur Wirtschaftskammerwahl mit Schwerpunkt Wien und Fokus auf die Fachgruppe für Werbung und Marktkommunikation – ein Versuch, zu informieren und ordnen

Zwischen 23. und 26. Februar finden in ganz Österreich die Wirtschaftskammerwahlen statt. Nach einer ­Legislaturperiode von fünf Jahren wird die Interessenvertretung der gewerblichen Wirtschaft neu bestimmt. Naturgemäß stellte der schwarze Wirtschaftsbund (ÖWB) bei den letzten Wahlen 2010 die klare Mehrheit mit knapp 71 Prozent, bei einer Wahlbeteiligung von nur 41 Prozent (2005 waren es noch 48 Prozent). Die anderen, in allen Landeskammern ver­tretenen Fraktionen sind derzeit noch der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband (SWV), der 2010 auf 11,5 Prozent der Stimmen kam, der Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW) mit 8,6 Prozent, die Grüne Wirtschaft mit 5,8 Prozent sowie die Industrieliste der Österreichischen Industriellenvereinigung.

Die Aufgaben der WK sind die Mitgestaltung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen innert der staat­lichen Rechtsordnung wie in der Außenwirtschaftsförderung. Die Organisation gliedert sich in die WK Österreich und neun Landeskammern, die in sieben Sparten und wiederum in der Ebene darunter in Fachgruppen und Innungen unterteilt sind. Für die Werbe-, Kommunikations- und Medienbranche relevant sind die Fachgruppen für Werbung und Marktkommunikation.

Prozedere der WK-Wahlen

Die regelmäßig sehr niedrige Wahlbeteiligung liegt wohl auch im nicht unkomplizierten Verfahren begründet. Die Zusammensetzung der neun Landes-Wirtschaftsparlamente und des Bundes-Wirtschaftsparlaments wird nicht durch direkte Wahl entschieden, sondern durch eine komplizierte Hochrechnung der einzelnen Fachorganisations-Mandate. Wie viele Mandate vergeben werden, regeln zwei Wahlkataloge – einer für 857 Fach­organisationen und einer für sieben Sparten. Für alle Ebenen gilt ein Verhältniswahlrecht, das allen Wählern dasselbe Gewicht beimisst. Es wird aber auch auf die wirtschaftliche Bedeutung der Branchen und Sparten Bedacht genommen, sonst wären große Branchen mit nur wenigen Mitgliedern praktisch nicht vertreten. Diese wirtschaftliche Bedeutung sorgt aber regelmäßig für Streit unter den Fraktionen. Außerdem verändert sich die Welt, etwa auch in der FG für Werbung und Marktkommunikation: So wächst die Zahl der Ein-Personen-Unternehmen (EPU) rasant. ­

So weit zum allgemeinen Teil. Für Unternehmer, die als Einzelunternehmer oder juristische Person agieren, gibt es nun entweder die Möglichkeit, in einem der Wahllokale persönlich und direkt eine der Listen (Wählergruppen/Listen) seiner Branche (Fachgruppe) zu wählen – in Wien gibt es 52 Stellen, die von 8 bis 20 Uhr geöffnet sind – oder per Wahlkarte. Für letzteres muss man die Wahlkarte downloaden, ausdrucken, ausfüllen und dann entweder per Post senden, faxen oder diese im Wahllokal ab­geben, und, das ist erstmals und seit Jahresende möglich, einscannen und mailen. Die Wahlkarten können bis 17. Februar beantragt werden und müssen spätestens bis 26. Februar um 16 Uhr bei der WK einlangen.

In der für die Branche relevanten Fachgruppe sind 8.111 Personen (Zwangs-)Mitglieder der Kammer und somit wahlberechtigt. Es werden 32 Mandate vergeben. In der letzten Legislaturperiode waren in der Fachgruppe in Wien der Wirtschaftsbund mit 14, der SWV mit neun und die Grüne Wirtschaft mit acht Mandataren vertreten – die Schwarzen stellten zunächst mit Michael Himmer und seit 2013 Birgit Kraft-Kinz Obmann beziehungsweise Obfrau. Die Grüne Wirtschaft war in den letzten zwei Legislaturperioden Zünglein an der Waage, denn sie machte zuerst Karl Javurek von den Roten bis 2010 und in der Folge Himmer und Kraft-Kinz von der schwarzen Fraktion zu Obmännern beziehungsweise zur Obfrau.

Wahlkampf in Wien

„Wir wollen die Mehrheit und stellen einen klaren Führungsanspruch“, erklärt Birgit Kraft-Kinz, seit 2013 Obfrau der Fachgruppe, Vertreterin des Wirtschaftsbundes und Inhaberin der Werbeagentur Kraftkinz. „Höchste Zeit, den Stillstand in der Fachgruppe zu beenden“, findet das Führungsduo Karl Javurek und Marcus Arige, beide Team Werbung Wien, das den Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband (SWV) vertritt. „Wir sind die einzige wirkliche Alternative“, resümiert der frischgebackene Spitzenkandidat der Grünen Wirtschaft, Stephan Gustav Götz, ehemals ORF und nun Inhaber der Agentur Media­Brothers. So weit, so knackig. Diese Wahlkampfslogans und mehr Inhalte sind nachzulesen in Interviews mit Kraft-Kinz hier, mit Javurek und Arige hier und mit Götz und Lehmann hier.

Weitere vier Wählergruppen treten heuer an, sie sind aktuell nicht in der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation: die Parteifreie Wählergemeinschaft – Fachliste der Gewerblichen Wirtschaft – Ring Freiheitlicher Wirtschafttreibender, FPÖ pro Mittelstand – Freiheitliche und Unabhängige, die Unos – Unternehmerisches Österreich, die den Neos zuzurechnen sind, und UWF – das Unabhängige Wirtschaftsforum. In HORIZONT 8/15 erwartet Sie darüber hinaus eine Zusammenfassung eines spannenden Round-Table-Gesprächs aller Fraktionsführer, das am 11. Februar im Café Wortner stattgefunden hat.

Auf Seite 2: Die Wählergruppen im Vergleich

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Die Wählergruppen und ihre Unterschiede

Die korrekte Listenbezeichnung der drei Wählergruppen, die aktuell die Geschicke der Branche lenken, ihre Ziele und die top fünf Kandidaten der drei Listen der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation

Grüne Wirtschaft (Grüne)

Ziele:

• ein leistungsgerechtes Steuer- und Abgabensystem
• eine deutlich bessere so­ziale Absicherung vor allem der Ein-Personen-Unternehmen (EPU) und Kleinstunternehmen: Hier geht es vor allem um Coaching, Mentoring, Aus- und Weiterbildung, Förderung und noch offene Themen der Plattform Kommunikationsinvestition wie Auftragsvergabe, Ausschreibungen/Pitches, faire Honorierung
• die Liberalisierung und Entbürokratisierung und Vereinfachung der starren Gewerbeordnung – Reduktion der 14 Berufsgruppen
• übergeordnetes Ziel: „die Total-Reform der österreichischen Wirtschaftskammer: Abschaffung der neun Landes-Wirtschaftskammern sowie der Mehrfach-Mitgliedschaften, gra­vierende Senkung der Mitgliedsbeiträge, vollkommene Transparenz, was die Mittelverwendung der Pflichtbeiträge anlangt“.

Auf den ersten fünf Listenplätzen finden sich:

• Spitzenkandidat Stephan Gustav Götz, MediaBrothers
• Alexandra Fiedler-Lehmann, Die Kleine Agentur
• Ines Glatz-Deuretzbacher, november pr
• Christian Schrefel, 17&4 Organisationsberatung
• Michaela Gebesmair, ­mypresentation

Wahlziel: von acht auf zehn bis zwölf Mandate zulegen.

Team Werbung Wien (Birgit Kraft-Kinz, Österreichischer Wirtschaftsbund)

Ziele:

• Rechtssicherheit der Werk- und Dienstverträge, um das Risiko für Unternehmer zu minimieren
• Förderung von Vermarktungsausgaben
• Digitalisierung bringt Businesschancen – Professionalisierung im Umgang mit ­einem Paradigmenwechsel, Stärkung des Wirtschaftsstandorts Wien
• Werbeabgabe abschaffen
• Bildungscheck für EPU und KMU, sprich, Förderung von Weiterbildung

Auf den ersten fünf Listenplätzen finden sich:

• Birgit Kraft-Kinz, Agentur KraftKinz
• Michael Himmer, Anja Hasenlechner, Hasenlechner artconsult
• Bernhard Krumpel, krumpel pr services
• Elisabeth Czerwenka-Kulmon, COC Communication Organisation Consulting

Wahlziel: die absolute Mehrheit in Mandaten.

Team Werbung Wien (SWV, Liste 2)

Ziele:

• Halbierung der Grundumlage der Wirtschaftskammer für EPU von 95 Euro auf 50 Euro, da ausreichend Geld und Rücklagen zur Verfügung stehen
• Stichwort „schwarze Schafe“: Ziel sind Honorarrichtlinien und ein Preiskalkulator als Hilfestellung für WK-Mitglieder, Pitch-Problematiken thematisieren
• Die Sozialversicherung auf neue Beine stellen – Berechnungsart, Abschaffung des Selbstbehalts, zeitnahe Verrechnungsmöglichkeit, keine SVA-Beiträge für karenzierte Unternehmer
• Vereinfachung der Berufsgruppen von 14 auf idealerweise eine bis maximal drei
• Schutz für Subunternehmer: Dialogsuche mit der Gebietskrankenkasse. Subunternehmer sind keine ­Angestellten

Auf den ersten fünf Listenplätzen finden sich:

• Karl Javurek, Gewista
• Marcus Arige, Halle 34
• Helena Savin, Savin Mar­keting
• Konrad Maric, Maric & Agenturteam für europäische Kommunikation und Werbung
• André Reininger, WH Interactive, Wien Holding

Wahlziel: von neun auf zwölf Mandate zulegen.

Dieser Artikel erschien bereits am 13. Februar 2015 in der HORIZONT-Printausgabe 7/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.
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