,Interesse an weiteren Märkten‘
 

,Interesse an weiteren Märkten‘

HORIZONT-Interview: IP Network ist seit kurzem mit einem Büro in Wien vertreten. Ein Gespräch über die Hintergründe, Chancen und das Potenzial

Dieses Interview erschien bereits am 18. Dezember in der HORIZONT-Printausgabe 51/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.

HORIZONT: IP Network ist nun auch in Österreich vertreten. Welche Absicht steht dahinter?

Walter Zinggl: Wenn man ein Büro aus der Gruppe eröffnet ist es aus meiner Sicht logisch, keine neue Organisation aufzubauen sondern die Infrastruktur von IP Österreich zu nützen. Im Idealfall ergeben sich Synergieeffekte sowohl in der inneren Darstellung, was die kaufmännische Tangente betrifft, als auch in der Außendarstellung, was die Marketing-Tangente betrifft. Dort wo wir einander helfen können, tun wir das.

Isabel Wasgindt: Es ist das Prinzip der IP Network, dicht bei nationalen Vermarktern zu sitzen. Wir sind ein Unternehmen der RTL Group und arbeiten mit unseren nationalen Partnern im täglichem Austausch zusammen.

Stefan Hakel: Es gibt dadurch auch einen kurzen und engen Draht, nicht nur von Seiten der IP Network, sondern auch von Seiten der Sender. Maßgeschneiderte Lösungen und Programmintegrationen kann man umso schneller anbieten – etwas, das der lokale Vermarkter nicht so schnell umsetzen kann. Auch die lokale Agentur vielleicht nicht.

HORIZONT: Gibt es von Seiten des heimischen Werbemarkts genug Interesse für die internationale Vermarktung?

Zinggl: Ja. Österreichs Werbewirtschaft hat seit dem EU-Beitritt den Wind gespürt und beschlossen, den Wind in den Rücken zu nehmen. Sie ist exportorientierter geworden als sie noch vor 15 Jahren war. Aber bevor ein Kunde zum großen Exporteur wird, möchte er Informationen oder einen Testmarkt ausprobieren. Das ist bei einer rein nationalen Vermarktung extrem schwierig anzubieten. Dort setzt die IP Network an. Die Mediengruppe RTL und die RTL Group ist – auch wenn das gar nicht so bekannt ist – eine multinationale Mediengruppe, die in vielen Märkten vertreten ist und Werbetreibende wirklich unterstützen kann. Um dies auch operativ umzusetzen ist in der Zwischenzeit aus der IP Network eine Organisation mit 42 Mitarbeitern geworden.

Wasgindt: Außerdem haben Österreichs Unternehmen den Blick bislang oft nur auf Deutschland gelegt. Jetzt sehen wir, dass es Interesse an weiteren Märkten gibt. Um dem Rechnung zu tragen wurde nun das Büro in Wien eröffnet. Die ersten ­Monate haben wir genutzt, um uns personell und logistisch aufzustellen und in den nächsten Monaten wird es darum gehen, die Expertise von IP Network in den Markt zu tragen.

HORIZONT: Wie wollen Sie dabei vorgehen?

Wasgindt: Ein wichtiger Baustein ­dabei sind die Television International Key Facts – unsere internationale Studie zu den TV-Märkten – über 35 europäische Länder plus USA, Japan, Brasilien und China. Wir haben aus jedem Land das entsprechende Know-how. Und: Das Portfolio der IP Network umfasst mittlerweile zwölf Länder mit 55 TV-Sendern, 29 Radiosender und unzähligen Digitalplattformen. Bewegtbild ist künftig eine ganz wichtige strategische Ausrichtung. Österreichische Unternehmen verbinden RTL in erster Linie mit RTL in Deutschland. Aber wir sind etwa auch Marktführer mit RTL 4 in den Niederlanden, mit RTL TVI in Belgien, und auch unser Sender M6 in Frankreich hat eine ganz zentrale Rolle für uns. Wir sind sehr stark in Spanien mit Antena 3. Und wir sind nicht nur Vermarkter exklusiv für die RTL Group, sondern haben unser Portfolio auch strategisch ergänzt, in Märkten in ­denen die RTL Group selbst nicht ­präsent ist. So repräsentieren wir in England die Sender von ITV. Das ist die größte kommerzielle Sendergruppe, die dort zur Verfügung steht.

Zinggl: Die BBC liegt in den Marktanteilen vorne, ist aber werbefrei und ­damit für Werbetreibende kein Thema. Daher ist ITV ein Platzhirsch – und der hat sich dazu entschlossen, international über die IP Network zu gehen. Das ist schon eine große Nummer.

HORIZONT: Welche Ziele haben Sie für 2016?

Hakel: Es geht mir darum, das internationale Geschäft aus Österreich heraus und für die IP Österreich nach Österreich hinein zu forcieren und zu erkennen. Bevor ein österreichischer Kunde im Ausland aktiv wird, wollen wir schon in Stellung sein. Das ist auch interessant für Start-ups, die über den Tellerrand Deutschland ­hinausblicken wollen. Mein weiteres Ziel ist, den osteuropäischen Markt noch stärker zu bearbeiten, auch wenn wir dort schon sehr aktiv sind – vor allem was Kroatien und Ungarn betrifft. Auch in Polen haben wir ­einen Agenten. Ich fungiere außerdem als lokaler Know-how-Träger für die Kollegen aus anderen Ländern.

HORIZONT: Auch was RTL Nitro betrifft? Der Sender wurde 2014 in Österreich gelauncht. Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Zinggl: Wir sind auf einem guten Weg und mit der Marktanteilsentwicklung mehr als zufrieden. Nitro ist definitv eine Erfolgsgeschichte. Der Sender steht bei 1,1 Prozent bei der Zielgruppe 18–59, bei Männern um einige Zehntelprozentpunkte mehr weil er von der programmlichen Ausrichtung ein Männersender ist. Wir haben es geschafft den Sendern bei den Agenturen in die Systeme hineinzubekommen. Nächstes Jahr wollen wir ihn nun schön positionieren. Schauen wir Ende 2016 wer zwischen ProSieben Maxx und RTL Nitro die Nase vorn hat.

Wasgindt: Auch für Kunden aus Deutschland ist es wertvoll, dass wir Nitro im Portfolio haben, hier können wir die männliche Zielgruppe stärker bedienen. Das Interesse ist auch von internationaler Seite da – aus England etwa haben wir gerade eine Anfrage.

HORIZONT: Die Digitalisierung schreitet auch im TV-Sektor stark voran. Wie binden Sie das in Ihre Vermarktungsstrategie ein?

Zinggl: Wir sind das einzige Medium, das den Umstieg in die Digitalisierung geschafft hat. Wir sprechen beim Kunden über TV und dabei sowohl über ­linear als auch über nonlinear. Beides ist Fernsehen. Viele Mediaagenturen haben in der Zwischenzeit standardmäßig bei ihren Mediaplänen nonlinear als weiteren Sender dabei. Nur so hat man die größtmögliche Ausschöpfung der Zielgruppe. Im Gegensatz zu anderen traditionellen Mediengattungen hat Fernsehen ein Geschäftsmodell gefunden, bei dem die Inhalte auch im Digitalbereich vermarktet werden können.

Wasgindt: Letztendlich ist es egal, über welche Plattform der Content den Zuschauer erreicht. Wichtig ist, dass die Qualität heraussticht. Die RTL Group investiert deshalb gezielt in Premium Content. Mit FremantleMedia haben wir den größten weltweiten TV-Producer, der etwa „X-Factor“, „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Bauer sucht Frau“ produzierte. Das sind Formate, die in vielen Märkten weltweit funktionieren, und die wir natürlich auch in den digitalen Plattformen abdecken.

Hakel: Eben das ist für den internationalen Kunden wichtig. Er kann sich darauf verlassen dass nicht nur der TV-Content, sondern auch der Online-Bereich Qualität aufweist.

Zinggl: Und es ist eben ein Unterschied in wessen Vorfeld der Werbespot gespielt wird. Die Abbruchraten liegen bei uns bei einem oder zwei Prozent, und das sind meistens technische Leitungsprobleme. Wenn man eine Sendung sehen will, lässt man sich nicht durch einen Spot abhalten. Die Kollegen von YouTube geben ja sogar zu, dass sie Abbruchraten von bis zu 70 Prozent haben. Das ist aus der Sicht des Werbetreibenden also ein riesengroßer Unterschied. Entweder mein Spot wird gesehen und wahrgenommen in einem qualitativen Umfeld wie wir es auch im linearen Fernsehen kennen, oder nicht. Content ist King.

HORIZONT: Das heißt, Sie wollen verstärkt auf ­Eigenproduktionen setzen?

Zinggl: Ja, wir setzen auf Content, den man an den Sender dranhaften kann. Konsumenten wollen nicht nur mehr amerikanische Serienware sehen.

Wasgindt: Es ist auch für die Identität des Senders sehr wichtig. Und bei eigenproduzierten Formaten und Serien bleibt der Content auch exklusiv.

Zinggl: Natürlich hilft es, den weltgrößten Fernsehproduzenten in der Gruppe zu haben.

HORIZONT: Wenn wir uns in einem Jahr wiedertreffen. Was wollen Sie erreicht haben?

Hakel: Die Umsatzschraube sollte nach oben gedreht werden und wir wollen Kunden gewonnen haben, die bislang noch nicht den Zugang für ­internationales Geschäft sehen.

Wasgindt: Österreich ist sehr stark printdominiert, doch in vielen Märkten fließt das Gros der Spendings in TV. Man muss nicht unbedingt mit ­einem Riesenbudget starten, man kann auch testen – mit kleineren Beträgen oder mit Sonderwerbeformen.

Hakel: Das wissen auch viele Agenturen in Österreich nicht immer so ­genau. Sie haben zwar oft riesige Netzwerke aber nicht immer so einen schnellen Zugang zu Informationen über Möglichkeiten im internationalen Bereich. Da kann man den Agenturen unter die Arme greifen.

HORIZONT: Als Brückenbauer?

Wasgindt: Absolut. Wir arbeiten mit Kunden und Agenturen gleichermaßen eng zusammen.

Zinggl: Eine Agentur mit einem österreichischen Kunden der in mehrere Märkte gehen will, braucht Ansatzpunkte wo sie Hilfe für das internationale Know-how beziehen kann. Die IP Network ist einer davon. Vielleicht nicht ausschließlich der einzige, aber definitiv ein starker.

[Marlene Auer]
stats