Innovation im Schnelldurchlauf
 

Innovation im Schnelldurchlauf

Stefan Mey
Die lustig bemalten Wände und Tischtennistische täuschen: Im Future Camp wird gezielt an Geschäftsmodellen der Zukunft gearbeitet.
Die lustig bemalten Wände und Tischtennistische täuschen: Im Future Camp wird gezielt an Geschäftsmodellen der Zukunft gearbeitet.

Accenture macht Schluss mit auf Flipcharts gekritzelten Buzzwords, die dann nur selten realisiert werden: Im Future Camp entstehen in Windeseile erste Prototypen.

Man mag es beim Vorbeifahren nicht auf den ersten Blick erahnen, aber hinter der feudalen, geschichtsträchtigen Fassade der Börse Wien wird an der Zukunft der heimischen Wirtschaft gefeilt. Hier hat am vergangenen Mittwoch Accenture sein „Future Camp“ eröffnet – einen Ort, an dem das Beratungsunternehmen gemeinsam mit seinen Kunden an neuen Geschäftsmodellen feilen kann.

Wie aus den Coworking Spaces der Wiener Start-up-Szene bekannt, gibt es auch hier Tischtennistische und gemütliche Sofas – doch der kuschlige Eindruck täuscht: Im Future Camp soll mittels Design Thinking gezielt an Lösungen gearbeitet werden. Dabei sollen am Ende eines Workshops nicht bloß ein paar Buzzwords auf ein Flipchart gekritzelt werden, sondern ein erster Prototyp fertig sein, den die Teilnehmer anschließend ihrem Vorgesetzten präsentieren können.

„Vormittag Workshop, Nachmittag Werkstatt, und am Abend ist der Prototyp fertig“, beschreibt Michael ­Zettel, Country Managing Director von Accenture Österreich, den Ablauf: „Nach dem Motto ‚Show – don’t tell‘ entwickeln wir in Stunden und Tagen statt in Wochen und Monaten.“ Beim Megatrend Artificial Intelligence (siehe Story rechts) ist es etwa möglich, rasch einfache Scripts zu erstellen, die Basisfunktionen von Amazons smartem Lautsprecher Echo nutzen.

Silicon Valley am Esstisch

Auf technischer Ebene sind dafür im Future Camp diverse Mittel vorhanden: Vom klassischen, analogen Whiteboard über ausreichend Laptop-Arbeitsplätze bis hin zu modernen Cloud-Technologien und intelligenter Automatisierung, die den Entwicklungsprozess des Prototypen beschleunigen soll. In der Kaffeeküche steht obendrein ein Surface Hub: Über den Bildschirm, der auf den ersten Blick wie ein klassischer Fernseher wirkt, können Besprechungen mit anderen Innovationszentren in aller Welt – etwa in Dublin oder im Silicon Valley – geführt werden.

Die Vernetzung der Accenture-Kunden findet dabei auf zwei unterschiedlichen Ebenen statt.Erstens integrieren die Konzerne zunehmend Lösungen von Start-ups in ihr eigenes Unternehmen – wie viele andere Unternehmen hat auch Accenture mit „Accenture Ventures“ ein Inkubatorprogramm geschaffen, das bei der Vernetzung zwischen alter und neuer Wirtschaftswelt hilft.

Zweitens findet zunehmend eine vertikale Vernetzung von Konzernen untereinander statt: Bei intermodalen Reisen können Zug- und Taxifahrten in Kombination gebucht werden, der Automobilkonzern Daimler macht gemeinsame Sache mit dem Taxi-Konkurrenten Uber – als „Plattform­ökonomie“ bezeichnet Accenture diesen Trend, bei dem nicht mehr einzelne Produkte, sondern ganzheitliche Lösungen für den Kunden angeboten werden.

Neben der Plattformökonomie und Künstlicher Intelligenz zählen den Beratern zufolge die Blockchain-Technologie und steigende Security-Anforderungen zu den bedeutendsten Zukunftsthemen – und für diese sollen im Future Space die entsprechenden Lösungen geschaffen werden. Dadurch wird laut Zettel Innovation vorgelebt, die Kunden werden zu „digitalen Champions“, wie er betont, „und gleichzeitig schaffen wir unmittelbar über 300 hochqualifizierte Arbeitsplätze in den nächsten zwei Jahren in Österreich“.
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