ideenwerk-Konkurs: Cherchez la femme
 

ideenwerk-Konkurs: Cherchez la femme

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Insolvenz der renommierten Salzburger Agentur ist ein Fall für den Staatsanwalt. Die Buchhalterin und vielleicht auch weitere Mittäter sind im Visier

„schrill fresh anders horny“ – so definiert sich die Salzburger Agentur ideenwerk auf ihrem Facebook-Profil. Der letzte Eintrag dort datiert vom 17. April. Auf der Website ist nebst Adresse und Telefonnummer nur ein „Coming Soon“ zu lesen. Der erbetene Rückruf von Gründer und Geschäftsführer Fritz Hauswirth bleibt bis HORIZONT-Redaktionsschluss ausständig. 

Mit einem „Coming Soon“ ist eher nicht zu rechnen: Über die Ideenwerk GmbH aus Bergheim wurde am 5. Mai der Konkurs eröffnet. In der Insolvenz­information des KSV 1870 mit der Nummer 880259 liest sich lapidar: Gegründet 1997, 60 Prozent der Tätigkeit umfasse Werbegestaltung, weitere 40 Prozent Fotografie und Fotolabors. Die Gesellschaft habe über Jahre po­sitiv bilanziert. Und: „Nachdem sich Ende 2014 die Außenstände häuften, wurde seitens der jetzigen Geschäftsführer und Gesellschafter ein externer Finanzprofi mit der Überarbeitung beauftragt, was schließlich im März 2015 zum Ergebnis führte, dass hier offenbar ein strafrechtlich relevanter Sachverhalt vorliegt, nämlich als durch eine Mitarbeiterin in Führungsposition der Gesellschaft Mittel von insgesamt EUR 2,8 Millionen entzogen wurden. Durch die teils öffentlich gewordenen internen Umstände stellten somit die finanzierenden Banken ihre Kredite fällig. Aufgrund dieses Umstandes und der nicht gegebenen Liquidität hat man versucht, sich über Investoren zu finanzieren, dies scheiterte ebenfalls.“

Laut AKV (Alpenländischer Kreditorenverband) hat ideenwerk neben Hauswirth einen weiteren Geschäftsführer, Hauswirth hielt 53,8 Prozent des Stammkapitals, der andere Geschäftsführer 23,1 Prozent, ebenso viel der dritte Gesellschafter. 28 Dienstnehmer und rund 80 Gläubiger sind betroffen. Die Passiva sollen mindestens eine (AKV) oder gar 4,5 Millionen Euro (KSV1870) betragen.

Gründer Hauswirth hatte im April gegenüber Medien den Betrugs- (oder Unterschlagungs-) Verdacht geäußert,  wonach eine freischaffende Buchhalterin mehrere Jahre lang hohe Geldbeträge abgezweigt haben soll.

Zur Insolvenzursache steht im „Insolvenzticker“ des AKV: „Die Geschäftsführung führt die nunmehrige wirtschaftliche Situation des Unternehmens im Wesentlichen auf diverse strafrechtliche Tatbestände von einer bekannten Täterin und möglicherweise auch weiteren unbekannten Tätern zurück.“ Es soll auch einen Notariatsakt mit einem Quasi-„Geständnis“ dieser Frau (laut Hauswirth in lokalen Medien eine Frau „mit tollem Auftreten und Zugang in die Salzburger Gesellschaft“) geben, die seit fast neun Jahren für die Agentur „oft rund um die Uhr“ arbeitete. 

Dieser Artikel erschien am 8. Mai in der HORIZONT-Printausgabe 19/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.
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