Gelebte CSR in Unternehmen und Medien
 

Gelebte CSR in Unternehmen und Medien

Hierzulande zeigen etwa die OMV und die respACT-Initiative vor, wie man zum Kerngeschäft eines Unternehmens passende CSR-Projekte konzipiert, umsetzt und kommuniziert - Auch Verlage entdecken zunehmend Wege zur oder Produkte für Nachhaltigkeit

Dieser Artikel erschien bereits am 21. August in der HORIZONT-Printausgabe 33-34/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.

In abgelegenen Provinzen im fernen Pakistan haben Kinder bessere ­Lebensbedingungen, es gibt mehr Volksschulen, viele Menschen profitieren von Mikrokrediten, die ihnen am Sprung zum Kleinunternehmertum helfen: Seit Jahren ist die OMV vor Ort in Sachen Bildung und Unterstützung der lokalen Bevölkerung in der halben (Erdöl-)Welt aktiv, und 2014 wurden erstmals von OMV Pakistan weibliche Ingenieure aufgenommen. Rund 300 OMV-Initiativen zu Corporate Social Responsibility (CSR) laufen derzeit in 25 Ländern. Dokumentiert in den seit 2001 jährlich erstellten Nachhaltigkeitsberichten des Konzerns, aber ansonsten meist unbekannt, weil medial schwer zu verkaufen.

International heimst die OMV ­regelmäßig Lob und Anerkennung für ihre CSR-Aktivitäten rund um ihr Kerngeschäft und an allen Standorten ein, hierzulande ist vor allem die Initiative „Österreich sucht die Technik-Queens“ ein Begriff, die in diesem Jahr schon zum dritten Mal stattfindet. Ziel der OMV ist es, in Zusammenarbeit mit Siemens und Borealis dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken – dies auch weil der Mädchen- und Frauenanteil im technischen Bereich nur 15 Prozent beträgt. Die 25 besten Bewerberinnen beim Technik-Queens-­Bewerb werden unter anderem in ein Mentoring-Porgramm aufgenommen. Kurzum, und das ist auch der Tenor der Befragung unter heimischen CSR-Experten: Die Aktivitäten der OMV in dieser Hinsicht (Stichwort: „Resourcefulness“) sind vorbildlich und die Arbeit des Teams um Michaela Huber, Senior Vice President Corporate Communications & Sustainability, setzt die Benchmarks.

Trigos und respACT

Für heimische Unternehmen jenseits der Größe und der Möglichkeiten der OMV bietet respACT, das „austrian business council for sustainable development“, Know-how und Anleitungen, um CSR-fit zu werden. Die Plattform hat rund 270 Mitglieder in Österreich, ist international mit allen wesentlichen Initiativen bestens ­vernetzt und richtet zudem den Trigos aus, den wichtigsten heimischen Preis für Unternehmer für nachhaltiges Wirtschaften. „respACT hat den ­Begriff Corporate Social Repsonsibilty in der Unternehmenswelt eigentlich groß gemacht und mitgeprägt“, ist ­Geschäftsführerin Daniela Knieling überzeugt.

Bei Veranstaltungen wie der Trigos-Gala oder beim CSR-Tag in Zusammenarbeit mit der WKO könne man regelmäßig bis zu 500 Besucher begrüßen, und nunmehr gelinge es immer besser, mit den CSR-Anliegen auch zu mittleren und kleinen Unternehmen durchzusickern. Dass das Interesse am Thema im Steigen begriffen ist, sehe man etwa an den unzähligen Anfragen an respACT, für Masterarbeiten darüber zur Verfügung zu stehen; oder am Zuspruch bei entsprechenden CSR-Ausbildungen, für die es aber leider „zu wenige konkrete Arbeitsplätze in den Unternehmen“ gebe. Denn allzu oft ist die Position eines CSR-Verantwortlichen zu wenig wichtig oder in der Nähe von Marketing und PR angesiedelt.

„CSR soll eigentlich ein Selbstläufer sein, der keine spezifische Werbung benötigt, sondern Werte eines Unternehmens im Zusammenhang mit seinem Kerngeschäft vermittelt.“ Der Job von resp­ACT sei es, den Unternehmen in diesem Zusammenhang herauszustreichen, was inhaltlich wichtig ist und für fundierte Anleitungen, Hilfen und Ideen zu CSR und auch zur Kommunikation darüber zu sorgen.

Medienhaus mit Zug zu CSR

Beim Österreichischen Wirtschaftsverlag war Corporate Social Responsibilty schon lange ein Thema, und zwar eines der Berichterstattung. Jedes der insgesamt 16 Fachmedien vermittelt in Schwerpunktausgaben einmal im Jahr geballte CSR-Infos an die jeweilige Zielgruppe. „Aber irgendwann entstand der Wunsch, CSR auch in unserem Kerngeschäft zu verankern“, erzählt Stefan Böck, Chefredakteur des Verlages und einer der Motoren für mehr CSR im Verlag.

Die firmen­interne CSR-Initiative ist bereits über ein Jahr alt, und Lohn dafür war die Nominierung unter die Finalisten des Nachhaltigkeitspreises Trigos 2015 sowie die Verleihung eines Fairtrade@work-Awards Anfang des Jahres. Am Beispiel Wirtschaftsverlag ist zu sehen, wie tief eine Nachhaltigkeits-Initiative in ein Unternehmen eindringt: Bei Produkten und Materialien des täglichen Gebrauchs für die 130 Mitarbeiter stehen Müllvermeidung, Regionalität und ­fairer Handel im Vordergrund, man ist auf Ökostrom und Green IT umgestiegen, nimmt am Öko-Profit-Programm der Stadt Wien teil, bildete im Verlag Abfallberater aus. Weiters wurden Maßnahmen etwa zu Compliance und sozialem Engagement implementiert.

Böck: „Wir wollen ein absolut nachhaltiges Medienhaus werden, arbeiten an unserem ersten Nachhaltigkeits­bericht, der strengsten internatio­nalen Kriterien entspricht.“

Vermarktbare Nachhaltigkeit

Wenn man in seinen Medien regelmäßig CSR-Schwerpunkte setzt und als Medienunternehmen selbst Nachhaltigkeit intern lebt, wäre es nicht naheliegend, ein eigenes CSR-Print­medium für die gewissermaßen konzentrierte CSR-Kommunikation von Unternehmen zu lancieren? „Das ist ein naheliegender Gedanke, aber vielleicht ist der Markt in Österreich auch zu klein dafür“, sagt Wirtschaftsverlag-Chefredakteur Böck. Dahingehende Versuche sind bisher nicht langfristig erfolgreich gewesen, vor allem das Magazin Enorm in Deutschland hält die CSR-Fahne halbwegs hoch.

Durchaus punktuelles Interesse ­ortet auch Michael Berl, Geschäftsführer des Börsianer von waynemedia, einem seit etwas mehr als einem Jahr existierenden Printmagazin für den Kapitalmarkt. Die Mai-Ausgabe firmierte als „Edition Grün“ und man war mit dem Feedback sehr zufrieden, will auch im kommenden Jahr das Thema Nachhaltigkeit speziell für die am Finanz- und Kapitalmarkt interessierten Leser in einer eigenen Der-Börsianer-Ausgabe komprimieren. „Aber wir versuchen, das in jeder Ausgabe am Radar zu haben“, sagt Berl, „ich denke dass Nachhaltigkeit zumindest interna­tional am Finanzmarkt schon vom ­Nischen- zum Mainstream-Thema ­geworden ist.“
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