EU-Werbespendings: Greenpeace kritisiert teur...
 
EU-Werbespendings

Greenpeace kritisiert teure Fleisch-Kampagnen

Greenpeace
Mit dem Slogan “Become a Beeftarian” unterstützt die EU die spanische Fleischindustrie.
Mit dem Slogan “Become a Beeftarian” unterstützt die EU die spanische Fleischindustrie.

Ein Drittel des EU-Werbebudgets für die Landwirtschaft wird für die Bewerbung von Fleisch oder Milchprodukten ausgegeben. In Österreich ist es sogar fast die Hälfte. Dabei sei die Fleischindustrie ein Klimakiller, kritisieren die Umweltschützer.

776 Millionen Euro schwer waren die Werbeausgaben der Europäischen Kommission für landwirtschaftliche Produkte zwischen 2016 und 2020. Wie Greenpeace nun analysiert hat, flossen 32 Prozent davon in die Bewerbung von Fleisch- und Milchprodukten. Österreich erhielt rund sechs Millionen Euro aus dem Brüsseler Werbetopf und steckte gleich 45 Prozent der Gelder in Werbung für tierische Produkte, berichtet die Umweltschutzorganisation. Nur etwa 20 Prozent hat Österreich für die Bewerbung von Gemüse und Obst und 35 Prozent für pflanzliche und tierische Bio-Produkte eingesetzt. Dabei würden die industrielle Tierhaltung und der Überkonsum von Fleisch die Klimakrise und das globale Artensterben befeuern.

Greenpeace fordert deshalb, dass künftig kein öffentliches Geld mehr in die Bewerbung von Fleisch oder anderen klimaschädlichen Produkten fließen darf. "Anstatt Unsummen in die Bewerbung von klimaschädlichen Lebensmitteln zu stecken, muss die EU den Konsum von umweltfreundlichen, gesunden Produkten fördern", fordert Natalie Lehner, Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace in Österreich.

Österreichische Milch für Indien

Das Gros der EU-Werbegelder floss in Kampagnen, die zum Ziel hatten, den Konsum von tierischen Produkten zu steigern oder den Rückgang des Fleisch- und Milchkonsums in Europa umzukehren. Eines der im Bericht erwähnten Beispiele: Eine "Proud of Beef"-Kampagne, mit der die EU mit dem Slogan "Become a Beeftarian" die spanische Fleischindustrie unterstützte.

Auch in Österreich erhielten vorrangig Kampagnen der AMA finanzielle Mittel, um beispielsweise österreichische Milchprodukte in Ländern wie Indien oder Thailand zu bewerben. Nur etwa 20 Prozent bzw. 1,1 Millionen Euro der Fördermittel für Österreich flossen in die Bewerbung von rein pflanzlichen Produkten.

Neuverteilung kommt 2022

Derzeit prüft die Europäische Kommission ihre Politik zur Förderung von EU-Agrarprodukten. Ein neuer Vorschlag wird für Anfang 2022 erwartet.

Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müsse die EU "die hohen Emissionen des Lebensmittelsystems bzw. den viel zu hohen Fleischkonsum" reduzieren, so die Umweltschützer. Die industrielle Tierhaltung sei für bis zu 18 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen und für 80 Prozent des landwirtschaftlichen Flächenverbrauchs verantwortlich. Außerdem steht der Überkonsum von Fleisch in Zusammenhang mit weltweit rund 2,4 Millionen Todesfällen jährlich.
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