Ein wenig US-Glamour in Wien
 

Ein wenig US-Glamour in Wien

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Der fünfte Teil der ‚Mission: Impossible‘-Reihe feierte in der Wiener Staatsoper Weltpremiere. Die Macher hoffen auf hohe Erlöse und rühren kräftig die Werbetrommel. Aber nicht alle freuen sich über den Trubel

Dieser Bericht erschien bereits am 24. Juli in der HORIZONT-Printausgabe 28-30/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.

Es waren spektakuläre Szenen, die die Schaulustigen im August 2014 ­sehen konnten. Mehrere Hundert hatten sich vor der Staatsoper versammelt, um zu sehen, wie sich Tom Cruise mit seiner Schauspiel-Kollegin Rebecca Ferguson von dem Dach der Oper abseilte. Ein paar Tage später kam es nachts auf der Kärntner Straße zu einer Autoexplosion – ­natürlich alles für den Film. Darüber hinaus wurde in der U-Bahn-Station Schottenring gedreht. Welche Rolle Wien in „Mission: Impossible – Rogue Nation“ genau spielen wird, wollen die Macher nicht verraten. Fest steht nur: Es wird mal wieder eine globale Actionjagd, neben Wien wurde in London und Marrakesch gedreht. 
Für die Weltpremiere haben die Filmemacher die Staatsoper ausgewählt. Das ist natürlich eine besondere Ehre für den Drehort, sind US-Blockbuster sonst doch eher nicht zuerst hierzulande zu sehen. Barbara Steiner, Marketing Managerin bei Universal Pictures International Austria, verweist im Gespräch mit HORIZONT auf die große Rolle, die Wien in dem Film spielen wird. Steiner weiter: „Die Oper bietet sich für so ein spezielles Event einfach an. Und sie hat den Filmemachern während der Drehtage sehr gut gefallen.“ Bei der Premiere am Donnerstag, dem 23. Juli, kamen etwa 1.000 Gäste in die Staatsoper, darunter auch die Hauptdarsteller Tom Cruise, Simon Pegg und Rebecca Ferguson sowie Regisseur Christopher McQuarrie. Die heimischen Premierenbesucher hießen unter anderem Maria Köstlinger, Larissa Marolt und Nicholas Ofczarek.

Groß angelegte Kampagne

Damit „Mission: Impossible – Rogue Nation“ an den Kinokassen ein Erfolg wird, hat Universal Pictures eine breit angelegte Kampagne gestartet. ­Neben den klassischen Kampagnenele­menten (TV-Spots, City Lights, Poster et cetera) setzt das Unternehmen auf Mobile-Werbung. Auf YouTube wird die Startseite im „M:I 5“-Look gebrandet, hinzu kommen Pre-Rolls. Eine eigene Facebook-Seite für den Film ist selbstverständlich. Großen Wert legt man zudem auf eine Medienkooperation mit den Außenwerbeprofis von Infoscreen. Szenen des Films sind auf den Tafeln in den U-Bahn-Stationen und in den Straßenbahnlinien zu sehen, hinzu kommen Hintergrundinformationen zum Film sowie zum Dreh. Für die Weltpremiere hatte Infoscreen zwei Tickets verlost, außerdem können bei einem weiteren Gewinnspiel (über die Infoscreen-App)  150 Menschen den Film bereits am 5. August, einen Tag vor dem offiziellen Start sehen, in einem eigens angemieteten Kinosaal. Sheela Rapf, Marketing-Leiterin von Infoscreen, erwartet mehr als 1.000 User, die bei dem Gewinnspiel mitmachen. „Wir haben eine kleine, aber aktive und treue Community“, so Rapf. Wenn es nach Steiner und Rapf geht, sollen viele Menschen den Film sehen, mindestens 300.000 in einem Jahr . Dann erhält der Film das „Goldene Ticket“. 

Minions und Dinos als Vorbild

In diesem Jahr haben bereits vier Universal-Filme das Goldene Ticket ergattert. So erreichten sowohl „Fifty Shades of Grey“ und „Furious 7“ als auch „Jurassic World“ und „Minions“ mehr als 300.000 Besucher. 
Für Infoscreen ist die Kooperation mit Universal wichtig: Eine solch große Zusammenarbeit gibt es nur einmal im Jahr, sagt Sheela Rapf im Gespräch mit HORIZONT. Im vergangenen Jahr präsentierte Infoscreen den damaligen „Transformers“-Film groß auf seinen Schirmen, heuer stand im Mai bereits der ESC im Mittelpunkt der Berichterstattung. 2015 ist für Infoscreen also ein gutes Jahr. 

Wien gewinnt an Bedeutung

Bei der Vienna Film Commission freute man sich bereits im Jänner über die Tatsache, dass sich Wien durch die „Mission: Impossible“-Dreharbeiten „nach Jahrzehnten endlich wieder auf der internationalen Filmlandkarte“ positioniert habe. Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny sagte damals: „Wien spielt als Kulisse eine immer größere Rolle in internationalen Filmproduktionen. Unsere Stadt wird als Drehort immer stärker nachgefragt und gebucht.“ In Sachen „Mission: Impossible“ musste das Wirtschaftsminis­terium dafür aber auch tief in die Tasche greifen, 750.000 Euro flossen aus den Mitteln des Fördermodells Fisa in den Blockbuster. Der Dachverband der österreichischen Filmschaffenden kritisierte das bereits im vergangenen Jahr. Österreich sei ein so kleines Land, dass man es sich nicht leisten könne, Geld in Hollywood-Streifen zu investieren. Die heimischen Filmschaffenden kämen oft zu kurz, so der Vorwurf damals. 

Chance für Tourismus

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner rechnet vor, dass auch die Crew des Films Geld im Land gelassen habe. Etwa 3,4 Millionen Euro sollen während der Dreharbeiten ­direkt in die österreichische Wirtschaft geflossen sein. Mitterlehner weiter: „Filmproduktionen haben durch ihre weltweite Vermarktung ­einen hohen touristischen Wert. Davon kann gerade ein starkes Tourismusland wie Österreich profitieren.“
Bei der Wirtschaftskammer freut man sich zwar grundsätzlich über den Image-Gewinn der Stadt, zeigt sich aber auch genervt. Vor allem die Sperrung des Rings während der Weltpremiere sei kontraproduktiv gewesen: „Ich fordere für die Wiener Wirtschaft mehr Mitspracherecht bei solchen Entscheidungen“, sagt Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Wien. Die Stadt solle „wirtschaftsfeindliche Genehmigungen derartiger Spaßparaden“ überdenken, so Trefelik.
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