Drohende Werbeverbote: Werberat und Markenart...
 
Drohende Werbeverbote

Werberat und Markenartikelverband kritisieren Beschluss der NEK

ÖWR
ÖWR-Präsident Michael Straberger
ÖWR-Präsident Michael Straberger

In ihrer gestrigen Sitzung hat die Nationale Ernährungskommission sogenannte Nährwertprofile für fett- und zuckerhaltige Lebensmittel mehrheitlich beschlossen. Branchenvertreter befürchten nun weitere, strenge Werbeverbote.

Die Nationale Ernährungskommission (NEK) des Gesundheitsministeriums hat gestern mit deutlicher Mehrheit die seit langem widersprüchlich diskutierten Nährwertprofile samt damit einhergehender, potenzieller Werbeverbote für zahlreiche Lebensmittelkategorien beschlossen. "Dieser Beschluss ist mehr als verwunderlich, denn vor fünf Monaten ist die Novellierung der Audiovisuellen Mediendienste-Richtlinie in Österreich umgesetzt worden. Diese wurde im Schulterschluss mit der Lebensmittelbranche, den Medien und allen öffentlichen Stellen – auch dem Gesundheitsministerium – erarbeitet und sieht strenge Vorlagen für Lebensmittelwerbung im Umfeld von Kindersendungen vor. Diese werden im Wege der Selbstregulierung effizient überwacht. Nunmehr erfolgt ein weiterer Vorstoß, der auf keinerlei wissenschaftlicher Evidenz beruht und gewissermaßen über die Hintertüre weitreichende Werbeverbote erwirken soll", so Michael Straberger, Präsident des Österreichischen Werberates (ÖWR), in einer ersten Reaktion.

Nährwertprofil könnte zu Werbeverbot für Lebensmittel mit hohem Fett-, Zucker- oder Salzgehalt führen

Vor dem Hintergrund einer europaweiten Richtlinie, die aktuell in der EU erarbeitet wird und frühestens 2022 in Kraft tritt, könne dieser nationale Alleingang vom Österreichischen Werberat nicht nachvollzogen werden. "Der Anschein mag trügen, jedoch scheint es, dass das Gesundheitsministerium von jahrelangen Versäumnissen im Bereich der Aufklärung über ausgewogenes Ernährungsverhalten ablenken und nunmehr mit falschen und wirtschaftsfeindlichen Rezepten ein Problem lösen möchte, ohne die eigentliche Problematik proaktiv bekämpfen zu wollen", so Straberger weiter.

Auch wenn die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen absolut schützenswert sei, so dürfe dies aus Sicht des ÖWR nicht über den Weg der der Einschränkung der Informations- und Werbefreiheit versucht werden. Vielmehr führe die gegenteilige Strategie zum Ziel: "Aufklären, informieren, Werbekampagnen für ausgewogene Ernährung und letztendlich die Eigenverantwortung stärken. Bevormundung und Verbote sind der falsche Weg", so Straberger abschließend.

Günter Thumser, Geschäftsführer des Markenartikelverbandes (MAV), betont in einem Rundschreiben an dessen Mitglieder, dass "sämtliche von vielen Seiten dazu überaus engagiert eingebrachten Forderungen nach vorheriger Überprüfung auf wissenschaftliche Evidenz entgegen der statutarischen Auflagen des NEK von diesem Gremium ignoriert" wurden. Zur Stunde liege der finale Text des Beschlusses offiziell noch nicht vor. "Es heißt jedoch, dass keine (wesentlichen) Veränderungen mehr eingebracht oder diskutiert worden wären."

Insofern stehe nun zu befürchten, dass von den Promotoren dieses Profils die auch ursprünglich bereits angezielte Verknüpfung mit der seit Jänner gültigen AVMD-RL nun als nächster Schritt eingemahnt wird. Aus Sicht des MAV sei eine wesentliche Voraussetzung für tatsächlich anerkannte Leitlinien deren wissenschaftliche Evidenz. "Darauf werden u.a. unsere nächsten Schritte zu lenken sein. Hier wird einmal mehr auch die Tatsache wesentlich, dass dieses Vorgehen des NEK bzw. des Gesundheitsministeriums als übergeordnete Instanz einen absoluten Alleingang zumindest innerhalb Europas darstellt, während die EU bereits an einer einheitlichen Richtline zur Veröffentlichung per 2022/23 arbeitet."
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