"Die Drohnenzustellung ist ein Marketinggag v...
 

"Die Drohnenzustellung ist ein Marketinggag von Amazon"

Posti Group
Bis Drohnen flächendeckend Pakete ausliefern, wird wohl noch eine Weile vergehen.
Bis Drohnen flächendeckend Pakete ausliefern, wird wohl noch eine Weile vergehen.

Persönlich, mit dem Fahrrad oder irgendwann einmal per Drohne? Die Zustellung ist eine der Gretchenfragen beim Online-Lebensmittelhandel.



Dieser Artikel erschien bereits in der HORIZONT-Ausgabe 17/2016 vom 29. April. Hier geht's zum Abo



Einkaufen was, wann und wo man will: Zwei Drittel der Österreicher haben es schon gemacht. Laut der Studie "Konsumentenverhalten im Distanzhandel 2015" von KMU Forschung Austria und Handelsverband shoppen exakt 67 Prozent der Österreicher zumindest einmal pro Jahr von zu Hause aus, stärkste Distanzhandelskunden sind die 30- bis 39-Jährigen (85 Prozent). Die am meisten bestellte Ware sind für diese, wie auch alle anderen Altersgruppen, Textilien.

Aber: Gerade die häufigsten Onlineshopper sind am wenigsten oft zuhause, wenn die gewünschte Lieferung an die Wohnadresse kommt. Als Alternative nehmen meist Nachbarn das Paket entgegen (34 Prozent der Konsumenten handhaben das laut Studie der KMU Forschung so), oder es wird bei der Post oder einer Abholstation zwischengelagert. Das findet allerdings jeder zweite Distanzhandelskunde ­ärgerlich. Und erst zwölf Prozent dieser Gruppe nützen Click & Collect, bestellen also online, holen die Ware aber im Laden des Händlers ab.


Same-day-deliver


Bei Textilien, Büchern und Unterhaltungselektronik sind Verzögerungen kaum ein Problem, bei Lebenmitteleinzelhandel und Frischware eher. Spar, Rewe und Co betreiben seit Jahren Onlineshops samt Lieferung: Das Billa-Lieferservice für acht Bundesländer flächendeckend mit eigenen Fahrzeugen verspricht "Same Day Delivery" bei Bestellung vor 10 Uhr, mit über 6.000 Artikeln aus dem gesamten Sortiment, inklusive Lebensmittel. Auch Click & Collect ist möglich. Der Spar-Onlineshop bietet zwar seit Jahren über 4.000 Produkte bis hin zur Unterhaltungselektronik, aber noch lange nicht flächendeckend Lebensmittel: In Salzburg etwa werden auch diese versuchsweise per Fahrradbotendienst zugestellt, allerdings erst nach vorherigem persönlichem Einkauf in ausgewählten Spar-Filialen, mittels einer Lieferbox. 

Drohnenzustellung als Marketinggag?


Mit einer ebensolchen, nämlich ­einer neu entwickelten "Lebensmittelbox", stellt die Post für ihren Kooperationspartner Unimarkt (Pfeiffer-Gruppe) und viele kleine regionale und unabhängige Anbieter Frischware nach Hause zu, am nächsten Werktag sowie vorerst nur in Linz sogar noch am gleichen Tag, zu gewissen Zeitfenstern. Ist der Empfänger nicht ­zuhause, bleibt die verplombte Kühlbox direkt vor der Wohnungstür. "Bis zu 48 Stunden kann der Inhalt der Box einwandfrei gekühlt werden", betont Peter Umundum, Vorstand Paket der Post, der zudem überzeugt ist, "dass die Zustellung in den kommenden Jahren ein großes Thema wird und die Lebensmittelversorgung revolutionieren kann". Und zudem, dass "Drohnenzustellung primär ein Marketinggag von Amazon" ist. 

"Hauszustellung hat es immer schon gegeben, durch die Greißler"


Nicht ganz so optimistisch, was den Lebensmitteleinzelhandel betrifft, ist Richard Franta, Geschäftsführer Agrarhandel der Wirtschaftskammer. "Ich habe schon viele Trendprognosen erlebt, viele hat die Branche nicht sofort erkannt, etwa jene zu bargeldlosem Bezahlen." Beim Thema Zustellung will er mit einer Prognose abwarten und sagt: "Hauszustellung hat es immer schon gegeben, durch die Greißler." Auch wenn Onlinehandel und Zustellung dem traditionellen Lebensmittelhandel langfristig fünf oder zehn Prozent wegschnappe, sei das natürlich viel; wer das in den Sack stecke, habe Grund zur Freude. "Aber ob es logistisch gelingt, die letzte Meile zur Haustür des Kunden im 5. Stock ohne Lift zu überwinden, ist fraglich. Wenn auch ein Handelsforscher wie Peter Schnedlitz skeptisch ist, schließe ich mich dem an", meint Franta.


Amazon, Zalando, und Dutzende andere tanzen den Erfolg des Onlinehandels dank perfekter Zustellung seit Jahrzehnten vor. Beim Lebensmittelhandel dürften aber weiterhin auch natürliche Frische- und Logistikgrenzen bestehen.
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