Der Ruf nach Wertschätzung
 

Der Ruf nach Wertschätzung

Fachgruppe Werbung
Unternehmen
Unternehmen

Werbe-Fachgruppenobmann Marco Schreuder über Pitchkultur, faire Rahmenbedingungen und eine Kampagne für mehr Wertschätzung.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 7/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Best- statt Billigbieterprinzip für geistige Dienstleistungen, verstärkter Qualitätswettbewerb und die Bekämpfung von Lohn- und Sozialdumping: Ein Auszug dessen, was mit dem neuen Bundesvergabegesetz – auch für die Werbebranche – voraussichtlich noch in diesem Jahr kommen soll. Besagte Branche dürfte sich dadurch unter anderem auch positive Effekte für die sogenannte Pitchkultur erwarten.

Allerdings handelt es sich laut Marco Schreuder, Obmann der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien, um einen juristischen Kraftakt, wie er gegenüber HORIZONT erklärt. Ein Kraftakt, über den sich eine Branche besonders freuen dürfe: „die der Rechtsanwälte. Nichts gegen Pitches – vor allem bei öffentlichen Stellen wie unserer sind Transparenz und klare Regeln wichtig. Aber die Regeln sollten praktikabel sein, kein Dschungelwerk, bei dem man nicht mehr weiß, was man machen darf und was nicht. Der Gesetzgeber sollte eigentlich dafür sorgen, dass Pitches einfach vonstatten gehen.“ Sein Ziel als Interessenvertreter sei bei jeder Novelle „eine Vereinfachung, keine Verkomplizierung“. Auch wenn das Vergabegesetz neu eher den österreichweiten Fachverband betreffe, „möchten wir das dort zum Thema machen“, kündigt Schreuder an.

Neben dem Gesetzgeber sieht er aber auch die Auftraggeber- wie die Auftragnehmerseite (Agenturen oder auch EPU) in der Pflicht: „So wichtig Pitchen auch ist – es gibt eine Win-Win-Situation, wenn es ein Vertrauensverhältnis gibt. Vertrauen ist die wichtigste Wirtschaftswährung überhaupt.“ Zudem werde der Wert kreativer Leistung immer weniger gesehen, meint Schreuder: „Oft kommen Agenturen zu mir und erzählen mir, dass ihr Kunde gerne noch ein Logo hätte, wofür es aber kein Budget und somit kein Geld gebe. Dabei ist gute Werbung mehr wert für alle. Nicht nur für uns als Branche, sondern auch für die Kundinnen und Kunden.“ Die Umsetzung der EU-Vorgabe zum Vergabegesetz lässt noch auf sich warten.

Auf sich warten ließ auch der neue Kollektivvertrag für Werbung und Marktkommunikation in Wien, der nun im Jänner beschlossen wurde. Eine 2017 kolportierte Ausdehnung auf die Bundesländer ist jedoch nicht erfolgt. „Ich kenne sehr viele Unternehmen in der Steiermark, im Burgenland oder in Oberösterreich, die sich freiwillig nach unserem KV richten, weil sie sonst keine Basis haben. Soweit ich weiß, gibt es aber derzeit keine Mehrheit in den Bundesländern dafür, den Kollektivvertrag auf sie auszuweiten“, merkt Schreuder an.

Kampagne für mehr Wertschätzung

Der Wiener Fachgruppe Werbung liege somit insbesondere die Wertschätzung am Herzen, so Schreuder. So sehr, dass diese im Zentrum der am 12. Februar im Haus der Wiener Kaufmannschaft präsentierten Kampagne der Fachgruppe steht. Vorgestellt wurde die „Wertschätzungskampagne“ unter anderem von Marco Schreuder mit Stellvertreter Konrad Maric, Fachgruppenausschuss-Mitglied Alexandra Fiedler-Lehmann sowie Helge Haberzettl, Kreativdirektor der verantwortlichen Werbeagentur identum. Die Kampagne soll anschließend bis Sommer 2018 fortgesetzt werden. Sie fordert faire Rahmenbedingungen in der Werbebranche und die Anerkennung kreativer Leistungen. „Tatsächlich ist der Preisdruck hoch, die Bereitschaft für Kreativität zu bezahlen gesunken, die Globalisierung auch in der Kreativbranche eine Herausforderung. US-Konzerne im Internet saugen Werbebudgets auf, die hierzulande weder eine Wertschöpfung noch Steuerleistung erzeugen.“

Als Fachgruppenobmann vertrete er 10.000 Mitglieder, 65 Prozent davon seien EPU. In den vergangenen zehn Jahren seien die Honorare für kreative Leistungen um 25 bis 40 Prozent zurückgegangen, wie er kritisiert. Die Kampagne solle nun „die lokale und regionale kreative Nahversorgung unterstützen“. Bei der damals europaweit ausgeschriebenen Kampagne gelte es, mit Beispielen den Beweis für die Notwendigkeit der Wertschätzung zu liefern. Im Lauf der nächsten Wochen werden bekannte Kampagnen in Onlinemedien, Printanzeigen sowie als City Lights veröffentlicht. Dabei spielt die Agentur identum mit bekannten Cases, die als Werbeinhalt in Longcopy-Form nachzulesen sind. Erzählt wird die Geschichte einzelner Unternehmen und Marken (wie Museumsquartier, Falter oder Billa).

Auf www.gutewerbung.at sollen zudem alle Dienstleister, die in der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation beheimatet sind, „Beispiele guter Zusammenarbeit zwischen ihnen und ihren Kunden hochladen“ können. Für Obmann-Stellvertreter Maric definiert sich Wertschätzung unterschiedlich: „Wertschätzung in Pitch- und Vergabeprozessen, Wertschätzung durch ein faires Steuersystem, Wertschätzung durch gerechten sozialen Schutz für unsere Leute und Wertschätzung durch entsprechende finanzielle Anerkennung“: Das Geiz- ist-geil-Prinzip dürfe im Miteinander keinen Platz haben.

stats