Der Aufschwung ist da: Das sagt die Branche
 

Der Aufschwung ist da: Das sagt die Branche

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Joachim Feher, Geschäftsführer RMS-Austria: "Privatradio ist doppelt so stark gewachsen wie der gesamte Werbemarkt."
Joachim Feher, Geschäftsführer RMS-Austria: "Privatradio ist doppelt so stark gewachsen wie der gesamte Werbemarkt."

Österreichs Volkswirtschaft wächst wieder. In Teil 2 der Artikelreihe über den Aufschwung geben Branchenvertreter einen Einblick in die Entwicklung ihres Geschäfts.

Dies ist Teil 2 der Coverstory "Hier kommt der Aufschwung", die in HORIZONT Nummer 31 bereits in voller Länge erschienen ist. 
Privatradios: 2017 könnte ein Rekordjahr werden

Joachim Feher, seit Mai Geschäftsführer des Audiovermarkters RMS-Austria, der in Kombinationen alle Privatradios national vermarktet, bestätigt die Focus-Zahlen: „Wir sind mit dem ersten Halbjahr extrem zufrieden. Privatradio ist doppelt so stark gewachsen wie der gesamte Werbemarkt und vor allem weist Privatradio ein zweistelliges Plus auf, während der öffentlich rechtliche Rundfunk stagniert“ (ORF-Radio erhebt Focus mit nominell +0,3 Wachstum des Brutto-Werbedruck, Anm.).

Wenn, merkt Feher an, „das 4. Quartal mindestens so sensationell wie 2016 wird“, werde 2017 für die RMS ein Rekordjahr. Dies werde sich aber erst Ende August/Anfang September zeigen, „wenn die Werbetreibenden ihre Budgets auf Basis der wirtschaftlichen Erfolge im 1. Halbjahr fixieren, die Konjunktur“, meint Feher, „sollte es jedenfalls erlauben“.

Fernsehen: Gutes Jahr für lineares TV

Walter Zinggl, Geschäftsführer des TV-Vermarkters IP (RTL-Sender, Sky Sport) berichtet ein „erstes Quartal wie geplant, ein deutlich über Plan liegendes zweites Quartal“ – und erwartet, dass sowohl „Juli und August nahtlos anschliessen und – soweit nichts Gravierendes wie Terror oder Finanzblasen passiert – ein sehr gutes Jahr 2017 für lineares TV“.

Das Brutto-Wachstum des ORF komme auch aus der Werbezeitbeschränkung und entsprechender Preispolitik – für die IP geht Zinggl 2017 von einem Werbevolumen-Wachstum „von 2,8 bis 3,5 Prozent netto“ aus – wobei, das unterstreicht Zinggl, das Wachstum der Bewegtbildwerbung in den RTL-Mediatheken „deutlich zweistellig“ sei.

Online-Werbedruck-Wachstum verlangsamt sich in Österreich

Online – Focus erhebt Display, Bewegtbild und Mobile-Spendings in einer Melderunde von 22 österreichischen Vermarktern und Sitebetreibern - kommt nur auf nominell plus 2,0 Prozent Wachstum der Bruttospendings im Halbjahr (sozusagen „innerösterreichisch“, also ohne Search und Social und transnationale Spendings – diese Welt, erhebt die werbeplanung.at/Manstein Verlag Studie – in Kongruenz mit Focus-Hochrechnungen – macht mindestens noch einmal das Austria-Sites-Online-Volumen aus, Anm.).

Alexandra Vetrovsky-Brychta, Geschäftsführerin des unabhängigen Online Vermakters Purpur-Media, bestätigt die Verlangsamung des Online-Werbedruck-Wachstums auf österreichischen Angeboten: „Ein wenig nachdenklich stimmt mich der Trend, der in den letzten Wochen bemerkbar wurde: Es zeigt sich, dass Online Budgets in klassische Werbekanäle wie TV, Hörfunk oder Print verschoben werden. Die Ursache dieses Trends ist für mich unverständlich, da kein anderes Medium ein so hohes Maß an Transparenz, Kundeninteraktion, Messbarkeit und kreative Gestaltungsmöglichkeit zu attraktiven Preisen bietet wie Online.“ Und gibt sich kämpferisch: „Allgemein hoffe ich stark, dass alle beteiligten Marktteilnehmer daran arbeiten, Komplexität aus der Branche rauszunehmen. Man muss sich weder vor der Umsetzung der EU-Datenschutzgrundverordnung, noch vor Ad Fraud noch vor Brandsafety fürchten, wenn man in seinen Onlinemediaplänen auf heimische Qualitätsmedien und Premiumvermarkter setzt.“

Manche Formate im Minus

Im Minus entwickelte sich im Halbjahr der Werbedruck für Magazine/Illustrierte mit 4,1 Prozent Verlust, Minus auch für Verkehrsmittelwerbung und Ambient Media. B-2-C-Dialogmarketing wächst um nominell 10,4 Prozent – und der (hochgerechnete) Brutto-Werbedruck im Sportsponsoring via TV- und Printberichte legt um nominell 7,3 Prozent zu.

Werbeabgabe: +2,2 Prozent

Die Entwicklung der (ungeliebten) Werbeabgabe – fünf Prozent auf´s Netto in den klassischen Werbeträgern (exklusive Online!) und die Vertriebskosten DM-B-2-C – bestätigt die positive Gesamtentwicklung des Brutto-Volumens: Die Finanz meldet für Jänner bis Juni Einnahmen von 55,7 Millionen Euro, das ist ein Plus zum Vergleichszeitraum 2016 von 2,2 Prozent (und zu 2015 von zwei Prozent). Seit 2001 wird die Werbeabgabe vom Bund erhoben, hochgerechnet könnte – auch mit dem Effekt der Wahlwerbung – ein Jahreswert von knapp über 110 Millionen Euro eingehoben werden. Dann wäre nach dem bisherigen Rekordjahr 2008 mit 114 Millionen Euro neben 2010, 2011 und 2013 erst das fünfte Werbeabgabe-Jahr mit einer Jahressumme von 110 und mehr Millionen Euro für die Finanz – alle anderen 12 Jahre bilanzierten unter dieser Marke.

Lesen Sie morgen auf horizont.at, wie die Wahlwerbung rund um die Nationalratswahl 2017 die Branche beeinflussen wird.

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