Das Streben nach dem IPO
 
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Einige etablierte Start-ups liebäugeln 2017 mit einem Börsengang. Mit neuen Geschäftsmodellen wird versucht, die teils vorhandene Skepsis seitens Investoren zu verringern.
Einige etablierte Start-ups liebäugeln 2017 mit einem Börsengang. Mit neuen Geschäftsmodellen wird versucht, die teils vorhandene Skepsis seitens Investoren zu verringern.

Zahlreiche Start-ups haben das wirtschaftliche Potenzial für den Gang aufs Börsenparkett. Welche Unternehmen 2017 diesen Schritt setzen (könnten) – und welche Bedeutung das hat.

Es geht um frisches Kapital. Kapital, das zahlreiche Start-ups hinsichtlich dem aktuellen Marktumfeld gut gebrauchen können. Mit mindestens 25 Milliarden Dollar könnte Snap Inc., die Mutter von Snapchat, laut Experten bei der Erstplatzierung (Initial Public Offering, IPO) an der Börse bewertet werden.

Neben dem kalifornischen Start-up besitzen insbesondere neue Tech-Unternehmen wie Dropbox, Airbnb, Spotify, Uber, Pinterest oder Palantir das nötige Potenzial für einen Börsengang.Investoren äußern andererseits aber auch Zweifel bezüglich der Nachhaltigkeit mancher Geschäftsmodelle. Und auch die entsprechenden Strukturen im Finanzwesen und der Kommunikationsabteilung müssen vorhanden sein – sehr jungen Unternehmen fehlen diese Rahmenbedingungen oftmals.

„Die Börse eignet sich vor allem zur Finanzierung der Expansion von bereits etablierten Geschäftsmodellen. Das Unternehmen muss bereit sein, mit den neuen Miteigentümern transparent und fair zu kommunizieren“, erläutert etwa Günther Artner, Leiter des Equity Capital Markets bei der Erste Group.

Viele junge Start-ups sind aber oft noch nicht bereit für eine Expansion ihrer Geschäftsmodelle. Ein Grund für manch zögerliches Verhalten. Die schwedische Musik-Streaming-Plattform Spotify gilt schon seit mehreren Jahren als möglicher Börsenkandidat. Wie Bloomberg unter Berufung auf Insider bereits vor einigen Monaten berichtete, soll sich Spotify auf einen Börsengang Mitte dieses Jahres vorbereiten.

Passend dazu hat sich das Start-up erst vor Kurzem eine Milliarde Dollar an frischem Kapital besorgt, um für den Konkurrenzkampf mit Apple, Google und Co gewappnet zu sein. Vergünstigungen bei einem möglichen IPO soll den Investoren in Aussicht gestellt worden sein – Schuldpapiere könnten danach in Spotify-Aktien umgewandelt werden. 

Spotify rüstet sich

Unsicherheiten sind aber ebenso Thema: Das Geschäftsmodell rein durch Musikstreaming zu definieren, wird von Investoren teils skeptisch beurteilt. Und der stetige Verlust des Unternehmens verbessert die Situation nicht – zehn Jahre nach der Gründung können immer noch keine Gewinne erzielt werden.

Ähnlich wie Snapchat versucht auch Spotify mit neuen Marketingkanälen und eigenproduzierten Inhalten sich für die Zukunft und das Börsenparkett breiter aufzustellen.

Der Mehrwert Börse

Schafft ein Unternehmen nun den teuren und aufwendigen Börsengang, hat dies grundsätzlich positive Auswirkungen.

„Ein Börsegang ist kein Spaziergang, macht ein Unternehmen aber meist fitter und strategisch besser aufgestellt als je zuvor“, führt Artner an. Speziell der IPO selbst, aber auch die Börsennotierung, sind mit hohen Kosten sowie Struktur- und Prozessveränderungen verbunden – für sehr junge Unternehmen immer wieder problematisch.

Auch um einen möglichen Börsengang seitens Airbnb wird seit Jahren spekuliert. Und auch der Wohnungsvermittler versucht sich momentan, beispielsweise mit „Airbnb Trips“ für neue Geschäftsfelder zu öffnen, sich als vollwertiger Reiseveranstalter zu positionieren, und Investoren dadurch mehr Sicherheit zu kommunizieren. 

555 Millionen Dollar konnten im September 2016 durch Investoren, darunter Google Ventures, gesichert werden. CEO Brian Chesky erwähnte in einem Interview mit Wired, dass er „so schnell wie möglich“ eine Börsennotierung anstrebe. Und auch für ein weiteres Unicorn könnte es 2017 spannend werden: Dropbox führte laut Medienberichten bereits vor Monaten Gespräche über einen IPO.

Der Dropbox CEO Drew Houston erklärte im Dezember gegenüber Business Insider, dass Dropbox flexibel sei und dann an die Börse geht, wenn das Timing stimme. 

IPO an Wiener Börse?

Auch an der Wiener Börse könnte sich 2017 ein IPO eröffnen, nachdem der letzte mit FACC 2014 stattfand. „Bei einem weiter positiven Marktumfeld sollten wir auch wieder klassische IPOs an der Wiener Börse sehen“, so Artner. Welche Unternehmen spekulieren oder schon planen, kann und darf seitens Artner nicht genannt werden.

Verschlechtern sich die Marktbedingungen nicht, darf aber wohl damit gerechnet werden. Denn die Zeit läuft: Die Unicorns müssen an die Börse, solange Investoren ihrem Geschäftsmodell noch trauen.

Hotte‘ Unicorns:

  • Snapchat
  • Airbnb 
  • Dropbox 
  • Spotify 
  • Pinterest 
  • Uber 
  • Palantir 
  • AppNexus 
  • Vapiano 
  • Blue Apron 
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